Thursday, July 25, 2024

Medikamentenmangel: Ära der Arzneimittel zu Discountpreisen ist vorbei – WELT

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Mal ist es der Fiebersaft, mal sind es Antibiotika, dann wieder sind sogar Krebsarzneien nicht verfügbar: Ausgerechnet bei wichtigen Medikamenten herrscht in Deutschland teilweise eine Mangelwirtschaft, wie man sie eher in einem unterversorgten Schwellenland vermuten würde. Und nicht in einem der wirtschaftlich stärksten Länder der Welt.

Es ist daher zu begrüßen, dass Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach die mangelnde Verfügbarkeit von Arzneien nun zur Chefsache macht. Viel zu lange haben Regierungen jedweder Couleur das Problem hierzulande beiseite geschoben, als ginge es um banale Alltagsgegenstände, statt um zum Teil überlebenswichtige Produkte.

Denn auch wenn es angesichts der vielen Hilferufe aus Apotheken, Arztpraxen, Kliniken und vor allem von verzweifelten Eltern in den sozialen Medien so klingen mag: Ein neues Phänomen sind die fehlenden Medikamente nicht. Lieferengpässe bis hin zu gefährlichen Versorgungslücken gibt es seit Jahren, bei Impfstoffen genauso wie bei Medikamenten.

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Empty blister pack of pills.

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Nach drei Jahren Pandemie hat das Problem allerdings eine Dimension erreicht, die sich nicht mehr so einfach ignorieren lässt. Zwar läuft die Produktion vielerorts längst wieder auf Hochtouren. Doch ausgerechnet in China, Werkbank der Welt für die meisten Grundstoffe der Arzneimittelindustrie, hakt es nach wie vor: Erst wegen des harten Lockdowns, jetzt wegen der Omikron-Welle, die auf eine bisher wenig geschützte Bevölkerung trifft. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach vielen Standard-Medikamenten – auch wegen der zum Teil ungewöhnlich schweren Ausbrüche von RSV, Influenza und Scharlach – in vielen Ländern noch höher als sonst zu dieser Jahreszeit.

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Höhere Festpreise, wie Lauterbach sie nun für Kinderarzneien vorschlägt, sind da sicher nicht ganz falsch. Tatsächlich ist der Sparzwang bei vielen Nachahmermedikamenten in den vergangenen Jahren auf die Spitze getrieben worden, weshalb sich immer mehr Anbieter aus der für sie unrentablen Herstellung zurückgezogen haben.

Doch die Ursachen für das Problem reichen weit tiefer. Was man auch daran sieht, dass längst nicht nur Deutschland im Moment ein Medikamentenproblem hat. Auch in den USA, in Kanada, Großbritannien und Frankreich – um nur einige Beispiele zu nennen – fehlt es an Antibiotika und Fiebersenkern.

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