Monday, May 27, 2024

Fußball-WM: Nun steht Olympia auf Katars Einkaufsliste

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Als „Krebsgeschwür des Fußballs“ bezeichnete der deutsche Top-Funktionär Theo Zwanziger Katar einst und musste danach jahrelange Repressalien ertragen. Eine vom Gastgeber der Weltmeisterschaft 2022 beauftragte Firma soll den ehemaligen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes – und zum Zeitpunkt seiner Äußerung Exekutiv-Mitglied des Weltverbandes Fifa – bis in die Familie hinein bespitzelt haben.

Die Botschaft war klar: Eines der vermögendsten Länder der Welt lässt sich die unter fragwürdigen Umständen erworbene Fußball-WM auf keinen Fall ruinieren und schon gar nicht mehr nachträglich wegnehmen. Jeder Zweifler mit einem wichtigen Mandat wurde so unter Generalverdacht genommen. Und wie weit der Arm der katarischen Regierung, die Menschenrechte untergräbt und Gastarbeiter systematisch ausbeutet, reicht, zeigte sich jüngst gar mit Schmiergeldzahlungen an die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Eva Kaili.

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Kritik am WM-Gastgeber

Angesichts dieser Begleitumstände war eine Fußball-Weltmeisterschaft niemals zuvor derart politisch wie die im Wüstenstaat im Winter 2022. Und dass sie es in den 28 Tagen zwischen dem Auftaktspiel im Al-Bait-Stadion und dem Finale in der Lusail-Arena blieb, lag vor allem an zwei Organisationen: dem Ausrichter und der Fifa.

DOHA, QATAR - DECEMBER 17: Gianni Infantino, President of FIFA, is seen before the ceremony during the FIFA World Cup Qatar 2022 3rd Place match between Croatia and Morocco at Khalifa International Stadium on December 17, 2022 in Doha, Qatar. (Photo by Richard Heathcote/Getty Images)

Umstritten und mächtig: Gianni Infantino, Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa
Quelle: Getty Images

Bereits in seiner Eröffnungsrede versuchte sich Fußball-Boss Gianni Infantino in laienhafter Schauspielermanier als Versteher all der große Weltprobleme darzustellen, bezeichnete sich in einem bizarren, eine Stunde und 21 Sekunden langen Monolog als „schwul“ und „Arbeitsmigrant“ – und hinterließ ein staunendes Publikum. War das ein Versuch der Solidarität mit den auf den WM-Baustellen verstorbenen Gastarbeiter? Oder mit der in Katar komplett missachteten LGBTQ-Gemeinde? Es blieb sein Geheimnis. Fest stand aber: Es war der Blick aus einer Parallelwelt, in der sich die Fifa und ihr oberster Boss gerade befinden.

Mies beleumundete Fifa und ein umstrittenes Emirat

Hernach verging kaum ein Tag, an dem nicht Debatten abseits des Feldes diskutiert wurden. Das Verbot des Weltverbandes an sieben europäische Verbände, ihre Kapitäne mit der „One Love“-Binde auflaufen zu lassen. Die Weigerung der iranischen Spieler, vor der ersten Partie die Hymne mitzusingen. Die Maulkorb-Geste der deutschen Elf. Sanktionen des Gastgebers gegen Leute mit Regenbogenshirts in den acht WM-Stadien. Die auf Betreiben des Ausrichters von ausländischen Besuchern hochgehaltenen Mesut-Özil-Plakate. Die Äußerung des Fifa-Angestellten und früheren Weltklasse-Trainers Arsène Wenger, zu Beginn des Turniers hätten die Teams überzeugt, „die mental bereit waren und sich sofort auf den Fußball konzentriert haben, statt auf politische Demonstrationen“. Und zwischendurch natürlich ein befreit aufdribbelnder Infantino, der immer mal wieder sein Mantra von „der besten WM aller Zeiten“ in die Welt hinausbrüllte.

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Das war sie natürlich bei Weitem nicht, das konnte sie angesichts der Voraussetzungen und der eklatanten Menschenrechtsverletzungen in Katar ja auch nie sein. Stattdessen bleiben am Ende eine mies beleumundete Fifa übrig und ein umstrittenes Emirat, das umfassende Reformen in dem Land nach wie vor verweigert und einen Entschädigungsfonds für die Hinterbliebenen der auf den WM-Baustellen verstorbenen Gastarbeiter ablehnt.

Feuerwerk am Schlusstag der WM über dem Lusail-Stadion

Feuerwerk am Schlusstag der WM über dem Lusail-Stadion
Quelle: AFP/PATRICIA DE MELO MOREIRA

Losgelöst davon muss man den Fußball betrachten. Denn viele der 64 Spiele waren durchaus ansehnlich, spannend und einige gar spektakulär. Das Finale schließlich verlief so epochal wie nie ein Endspiel zuvor. Und so hat die bedeutendste Sportart der Welt selbst bei dieser umstrittenen Winter-WM einige wunderschöne Geschichten produziert.

Geradezu berührend verlief das Märchen Marokkos, das es als erster Teilnehmer aus Afrika in ein WM-Halbfinale geschafft und bei den Spielen eine unfassbare Stimmung mit regelmäßig 30.000 unterstützenden Fans auf den Tribünen erzeugt hat. Eine derart famose Atmosphäre im ansonsten vom spürbaren Fußballflair befreiten Doha vermochten allenfalls noch die Brasilianer und die Argentinier bei ihren Spielen zu kreieren.

17.12.2022, Katar, Doha: Argentina fans pose for a photo in Doha, Qatar. Argentina will play reigning champions France in Sunday's FIFA World Cup 2022 final. Picture date: Saturday December 17, 2022. Foto: Nick Potts/PA Wire/dpa

Ein bisschen Fußballflair in der Wüste: argentinische Fans am Finalwochenende in Doha
Quelle: dpa

Doch während der große Traum der Seleção um Superstar Neymar trotz der mit Abstand besten sportlichen Performance im gesamten Turnierverlauf schließlich an eigener Überheblichkeit im Viertelfinale gegen den späteren Bronze-Gewinner Kroatien (2:4 nach Elfmeterschießen) platzte, war es beim südamerikanischen Kontrahenten die One-Man-Show des Lionel Messi, die seine Mannschaft nach der 1:2-Auftaktniederlage gegen Saudi-Arabien durch die Titelkämpfe trug und schließlich mit dem fast schon nicht mehr für möglich gehaltenen Triumph über Frankreich im Elfmeterschießen (4:2) endete.

Es war vermutlich durchaus nach dem Geschmack der Gastgeber, dass der 35-jährige, siebenmalige Weltfußballer im Finale auf Kylian Mbappé, den 23-jährigen neuen Stern am Fußballhimmel, traf. Beide spielen für den Klub Paris Saint-Germain, der sich im Besitz der katarischen Gesellschaft Qatar Sports Investments befindet. Und beide trafen in einem an Wendungen reichen und völlig irren Endspiel zusammen fünfmal. Insofern war auch das letzte Spiel eine passende Schlusspointe dieser WM.

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Inwieweit sich der Fokus auf Katar richtet, sobald die letzten, besten Kicker dieser Welt abgereist sind, ist eine spannende Frage. Die Geschichte hat gelehrt, dass Gastgeber wie Russland 2018 oder auch China als Ausrichter der olympischen Winterspiele 2022 ganz rasch wieder in ihrem eigenen Saft gekocht haben, sobald der sportliche Scheinwerfer nicht mehr auf sie gerichtet war. Katar, so steht zu befürchten, dürfte sich hier als nächster Staat einreihen. Mit sportlichen und politischen Spielchen.

Nächster Plan: Olympia 2036

Auch die Nachnutzung der wirklich schönen WM-Arenen gilt es kritisch zu betrachten. Wird das Containerstadion 974 tatsächlich wie versprochen rasch abgebaut und in ein anderes, ärmeres Land verschifft? Und wie steht es mit der Öko-Bilanz des Turniers? Angesichts heruntergekühlter Stadien, 160 zusätzlicher Pendelflüge mit Fans aus den Nachbarländern, die nicht im Emirat untergebracht werden konnten, dürfte auch die versprochene Klimaneutralität des Turniers unter das Motto „Greenwashing in Reinform“ fallen.

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Nachnutzung

Und auch in Sachen „Sportswashing, Teil 2“ hat das Emirat, das halb so groß wie Hessen ist, schon hochtrabende Pläne. Nach der Ausrichtung der Weltmeisterschaften im Handball, Radsport, in der Leichtathletik und im Fußball soll nun der Griff nach den fünf Ringen erfolgen. Olympia 2036, so stellen sie es sich in Katar vor, wäre doch nach den bereits erhaltenen Asienspielen 2030 der nächste Traum, um sich auf der sportlichen Weltkarte zu verewigen. Denn eines hat ja diese Winter-Weltmeisterschaft ganz deutlich gezeigt: Mit Geld lässt sich vieles regeln.

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