Tuesday, July 23, 2024

Wehrpflicht? So viel Vermögen würde das die Deutschen kosten

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Die Studie des Ifo-Instituts schlug schon hohe Wellen, da hatten die Ökonomen sie noch gar nicht veröffentlicht: Finanzminister Christian Lindner und Justizminister Marco Buschmann (FDP) hatten einen Teil der Ergebnisse nämlich bereits in einem Brief an Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) zitiert. WELT hatte das Schreiben an den Kabinettskollegen öffentlich gemacht. Es geht darin um die ökonomischen Folgen einer Wiedereinführung einer Wehrpflicht.

Bislang hatte vor allem eine Zahl Aufsehen erregt: 17,1 Milliarden Euro würde es die deutsche Gesamtwirtschaft kosten, wenn man eine Wehrpflicht einführen würde, die in etwa der 2011 ausgesetzten Regelung entsprechen würde, hat das Ifo-Institut errechnet. In diesem sogenannten 25-Prozent-Szenario würde etwa ein Viertel jeder Alterskohorte zum Wehr- oder Ersatzdienst eingezogen, das entspräche etwa 195.000 Personen pro Jahr.

Verglichen wurde dieses Szenario mit den Varianten, bei der niemand, nur fünf Prozent oder 100 Prozent des Jahrgangs eingezogen würden. Außerdem wurde berechnet, welche ökonomischen Konsequenzen es hätte, wenn man statt auf eine Wehrpflicht auf ein Modell setzen würde, bei dem der zusätzliche Personalbedarf der Bundeswehr gedeckt würde, indem man beispielsweise über einen höheren Sold den Markt dafür sorgen lässt, dass sich genug freiwillige Soldaten melden.

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„German Heron TP“

Die politische Debatte kochte nach Bekanntwerden der ersten Zahlen aus der Studie erwartungsgemäß hoch: Während die beiden FDP-Minister in den Ergebnissen ein starkes Argument gegen eine Wiedereinführung einer Wehrpflicht sehen und deshalb sogar eine verpflichtende Musterung ablehnen wollen, schoss Verteidigungsminister Pistorius zurück: „In der Schule hätte man wahrscheinlich gesagt: Aufsatzthema verfehlt, setzen, sechs“, sagte er. Es sei völlig klar, dass eine bessere Verteidigungsfähigkeit und damit höhere Sicherheit Kosten verursache.

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Unabhängig von der politischen Bewertung liefert die Studie aber interessante ökonomische Folgen einer wiedereingeführten Wehrpflicht – und zwar nicht nur für die Allgemeinheit und die gesamte Volkswirtschaft, sondern auch für den einzelnen Betroffenen. Denn in fast allen Szenarien wäre längst nicht jeder von der Wiedereinführung der Wehrpflicht betroffen.

Die Ökonomen gehen in ihrem Modell davon aus, dass die Wehrpflichtigen in den zwölf Monaten ihres Dienstes bei der Bundeswehr oder bei einem Ersatzdiensteinsatz 1000 Euro netto verdienen würden. Das würde etwa 42 Prozent des Marktlohns entsprechen, das Gehalt wäre also deutlich niedriger als ohne Wehrpflicht.

Massiver Nachteil für die Wehrpflichtigen

Die Effekte sind aber keineswegs nur auf das eigentliche Dienstjahr beschränkt, sondern sind dem Modell zufolge über das gesamte Leben hinweg messbar. So kommen die Ökonomen zu dem Ergebnis, dass die Wehrpflichtigen im Vergleich zum Status quo, in dem die Wehrpflicht ausgesetzt ist, deutlich weniger Vermögen ansparen können in ihrem Leben.

Dabei macht es auch kaum einen Unterschied, ob alle Menschen eines Jahrgangs eingezogen werden oder nur 25 beziehungsweise fünf Prozent. Das Vermögen am Lebensende fällt statistisch bei den Wehrpflichtigen immer rund zwölf Prozent niedriger aus als der Durchschnitt im aktuellen System ohne Wehrpflicht.

In allen Systemen, in denen nicht jeder eingezogen wird, würden die Wehrpflichtigen also einen massiven persönlichen Nachteil erfahren. Sie müssten den größten Teil der zusätzlichen gesamtwirtschaftlichen Kosten schultern, die durch die Wiedereinführung einer Wehrpflicht entstehen würden.

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Militärausgaben

Das geringere Vermögen kommt vor allem dadurch zustande, dass die Wehrpflichtigen später mit ihrer Ausbildung beginnen und das Einkommen später ansteigt. Daraus resultiert wiederum auch, dass das später anwachsende Vermögen bis zur Rente weniger Kapitalerträge abwerfen kann.

Die Nicht-Wehrpflichtigen würden gegenüber dem Status quo lediglich 0,1 Prozent ihres Vermögens im Fünf-Prozent-Szenario, beziehungsweise 0,4 Prozent im 25-Prozent-Szenario einbüßen. Würde man statt auf eine Wehrpflicht auf Freiwilligkeit und marktwirtschaftliche Anreize setzen, gäbe es ebenfalls einen Verlust an Vermögen für alle Menschen.

Je nachdem, wie groß die Zahl zusätzlicher Soldaten ausfallen soll, unterscheidet sich das Minus: Würde man eine Wehrpflicht von fünf Prozent eines Jahrgangs durch zusätzliche freiwillige Soldaten ersetzen wollen, würden die Vermögen aller Individuen um 0,2 Prozent sinken, bei 25 Prozent wären es 0,9 Prozent, bei 100 Prozent läge das Vermögens-Minus für alle bei 3,7 Prozent. Zwar gäbe es dann keine Verschiebung der Einkommen, für den höheren Sold müsste die Volkswirtschaft aber deutlich höhere Kosten in Kauf nehmen, die dann wiederum zu den individuell geringeren Vermögen führen.

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Gesamtwirtschaftlich kommen die Ökonomen in allen Szenarien zu dem Ergebnis, dass ein Markt-Modell, das auf Freiwilligkeit setzt, zu geringeren Verlusten beim Bruttonationaleinkommen führen würde. Eine Wehrpflicht, bei der fünf Prozent eines Jahrgangs eingezogen werden, würde einen Verlust von 3,4 Milliarden Euro verursachen, würde man die gleiche Zahl Soldaten freiwillig rekrutieren, wären es 1,9 Milliarden Euro.

Im 25-Prozent-Szenario läge das Minus bei 17,1 Milliarden Euro im Fall einer Wehrpflicht, mit einem marktwirtschaftlichen Anreizmodell wären es nur 9,4 Milliarden Euro pro Jahr. Bei einer 100-Prozent-Wehrpflicht würde das Bruttonationaleinkommen um 69,7 Milliarden Euro schrumpfen, würde man den gleichen Effekt freiwillig erzielen wollen, läge das Minus laut Ifo bei 37,4 Milliarden Euro.

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