Tuesday, July 23, 2024

„Hart aber fair“: Internes Papier setzt Moderator Klamroth unter Druck

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Er sollte in den Talkshows der ARD für einen Generationswechsel sorgen. Louis Klamroth beerbte im Januar 2023 den altgedienten Moderator Frank Plasberg bei „Hart aber fair“. Doch die Schonfrist für den 34-Jährigen endete zum Jahreswechsel.

Seitdem gestaltet Klamroth den von Plasberg übernommenen Polit-Talk selbst. Gleichzeitig musste er im TV und in der ARD-Mediathek ambitionierte Quotenziele erfüllen, um nicht wieder aus dem Programm zu fliegen. Mehr als ein halbes Jahr bekam Klamroth nicht, um die Sendung erfolgreich umzubauen.

Sein Auftrag: Klamroth soll mit „Hart aber fair“ das klassische Fernsehpublikum bei der Stange halten und über die Mediathek jüngere Zuschauer gewinnen, denen Streamingdienste wie Netflix oder YouTube vertrauter sind als das öffentlich-rechtliche Angebot.

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TV-Debatten

ARD-Programmdirektorin Christine Strobl schrieb in einem internen Konzeptpapier: „Die Nutzung in der ARD Mediathek ist signifikant zu steigern.“ Im ersten Halbjahr 2024 galt für „Hart aber fair“ eine „klare Benchmark von durchschnittlich 250.000 Abrufen pro Sendung“. Dabei zählt laut dem vertraulichen Dokument nur das „Hauptprodukt (ohne Auszüge, Auskopplungen ö.ä.)“.

Nach Recherchen von „Business Insider“ sind die Abrufzahlen von „Hart aber fair“ auf der Online-Plattform im ersten Halbjahr 2024 aber deutlich niedriger ausgefallen, wie ein internes Papier zeigt. Das hätte für Klamroth das Aus bedeuten können.

Denn die klare Ansage lautete: Verfehlt er die Vorgaben im linearen Programm und auf der digitalen Plattform der ARD, endet sein Format „automatisch“ zum Jahresende, wie in dem vertraulichen Dokument nachzulesen ist.

„Hart aber fair“ fehlen im Durchschnitt 70.000 Aufrufe

Während die Marktanteile im Fernsehen als stabil gelten, sehen die Online-Zahlen weniger berauschend aus: Anhand einer internen Auswertung lässt sich ein Durchschnitt von rund 180.000 statt der geforderten 250.000 Abrufe errechnen – ohne das kürzere Online-Format „Hart aber fair to go“.

„Business Insider“ liegt eine detaillierte Übersicht der Nutzung von „Hart aber fair“ in der Mediathek vor. Sie umfasst den Zeitraum vom 1. Januar bis zum 6. Juli 2024. Demnach lag der Top-Wert bei rund 327.000 Abrufen. Am 5. Februar hatte Klamroth die Frage diskutiert: „Was hilft gegen die extremen Rechten: zuhören, demonstrieren, verbieten?“

Ausriss aus dem Dokument mit den Mediathek-Zahlen

Ausriss aus dem Dokument mit den Mediathek-Zahlen
Quelle: Business Insider

Damals stand das Land unter dem Eindruck der „Correctiv“-Recherchen zu einem rechten Geheimtreffen in Potsdam, bei Demonstrationen gingen Zehntausende auf die Straße. Dadurch schoss offenbar auch das Interesse an der Gesprächsrunde mit Klamroth in die Höhe.

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Laut dem Branchendienst „Medieninsider“ hatten die durchschnittlichen Abrufzahlen von „Hart aber fair“ im vorigen Jahr, von Januar bis September 2023, lediglich bei 123.000 gelegen. Das heißt: Die ARD erwartete von Klamroth, der mit einer neuen Produktionsfirma arbeitet, an der er selbst beteiligt ist, nicht weniger als eine Verdoppelung der Zahlen.

Das scheint ihm Anfang des Jahres gelungen zu sein: Auch mit der ersten Folge in diesem Jahr konnte Klamroth die Marke von 250.000 Abrufen knacken. Dagegen fielen andere Ausgaben seiner Talkshow deutlich ab: Laut den vorliegenden Daten soll eine Gesprächsrunde zur Fußball-EM, die Anfang Juni im Fernsehen ausgestrahlt wurde, in der Mediathek nur etwas mehr als 70.000 Mal angeklickt worden sein – der schwächste Wert.

ARD hält an „Hart aber fair“ fest

Kann sich Klamroth mit seinem Format angesichts dieser Zahlen halten? Nach Informationen von „Business Insider“ fand an diesem Mittwoch eine Schalte der mächtigen Videoprogrammkonferenz (VPK) statt. In diesem Kreis koordinieren die Intendanten der ARD-Sender unter dem Vorsitz von Programmdirektorin Strobl das gemeinsame Fernsehprogramm Das Erste und die Mediathek.

Überraschend: Trotz der mauen Zahlen im Digitalen will die ARD auch 2025 mit „Hart aber fair“ weitermachen. Das gab der Sender nach einer Anfrage von „Business Insider“ pünktlich mit Ablauf der Antwortfrist als Pressemitteilung bekannt: „Die non-linearen Angebote sollen zukünftig noch stärker in den Fokus des Gesamtkonzepts der Gesprächssendungen rücken. Dabei soll es noch besser gelingen, den politischen Diskurs auch in jüngere Zielgruppen zu tragen. Die Videoprogrammkonferenz hat deswegen auf ihrer heutigen Sitzung beschlossen, dass für 2025 eine neue, veränderte Konstellation der ARD-Talkstrecke erarbeitet werden soll. Fest steht dabei: Alle drei Marken, ‚Caren Miosga‘, ‚hart aber fair‘ und ‚Maischberger‘, sollen auch 2025 Teil dieses Gesamtkonzepts mit den bewährten Sendeplätzen im Ersten bleiben.“

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Zu welchen Veränderungen es kommen wird, darüber müssen sich die Verantwortlichen der ARD-Sender noch verständigen. Fest steht: Klamroth behält seinen Sendeplatz im linearen Programm. Wie häufig er dort zu sehen sein wird, was in der Mediathek angeboten wird – das wird zu klären sein.

Gegenüber dem „Spiegel“ hatte die von Strobl geleitete ARD-Programmdirektion bereits in der vergangenen Woche durchblicken lassen, dass es bei der Verlängerung mit Klamroth doch nicht nur um Zahlen gehen wird. „Fakt ist, dass die Quoten- und Abrufzahlen von ‚Hart aber fair‘ als Basis für die Beratungen über die Zukunft der Sendung dienen werden. Aber nicht ausschließlich, auch journalistische Kriterien wie programmstrategische Überlegungen spielen bei der Beurteilung eine Rolle“, so eine Sprecherin.

Hätte die ARD sich an die eigenen Vorgaben gehalten und „Hart aber fair“ aus dem Programm gestrichen, wäre es zu einem umgekehrten Generationswechsel gekommen. Dann hätte Sandra Maischberger, seit über 20 Jahren in der ARD, mehr Sendezeit erhalten. Dazu wird es jetzt nicht kommen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei „Business Insider“.

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