Sunday, July 14, 2024

Tech-Serie „Sunny“: Als hätte Steve Jobs E.T. entworfen

- Advertisement -
- Advertisement -
Hier können Sie unsere WELT-Podcasts hören
Um eingebettete Inhalte anzuzeigen, ist deine widerrufliche Einwilligung in die Übermittlung und Verarbeitung von personenbezogenen Daten notwendig, da die Anbieter der eingebetteten Inhalte als Drittanbieter diese Einwilligung verlangen [In diesem Zusammenhang können auch Nutzungsprofile (u.a. auf Basis von Cookie-IDs) gebildet und angereichert werden, auch außerhalb des EWR]. Indem du den Schalter auf „an“ stellst, stimmst du diesen (jederzeit widerruflich) zu. Dies umfasst auch deine Einwilligung in die Übermittlung bestimmter personenbezogener Daten in Drittländer, u.a. die USA, nach Art. 49 (1) (a) DSGVO. Mehr Informationen dazu findest du hier. Du kannst deine Einwilligung jederzeit über den Schalter und über Privatsphäre am Seitenende widerrufen.

Vor der Digitalisierung von allem und jedem brauchte es schon einen David Lynch, um eine verrückte Fernsehserie wie „Twin Peaks“ zu drehen. Seit auch das Fernsehen digitalisiert ist und gestreamt wird statt zu senden, gehört ein bisschen Verrücktheit einfach dazu. Die Serie ist unberechenbar geworden und nicht immer ist noch ohne Weiteres zu sagen, welches Genre sie eigentlich bedient.

„Sunny“ etwa, ein „Apple Original“, dessen zehn gut halbstündige Folgen ab dem 10. Juli wochenweise auf Apples Streaming-Plattform abzurufen sind, ist Krimi, Komödie und Drama zugleich und außerdem jene Form von Science-Fiction, die, vermutlich ihrer Unausweichlichkeit wegen, „Near Future“ heißt.

Lesen Sie auch
Wir streamen, also sind wir – aber wer?

Von Netflix bis Mubi

„Sunny“ nämlich handelt von der Digitalisierung der Intelligenz, die sich hier allerdings schon nicht mehr hinter schnöden Eingabeschlitzen verbirgt. Aus dem Chatbot ist ein Homebot geworden, und Sunny kommt nicht länger aus dem Internet, sondern stattdessen aus einem Karton. Früher, als R2D2 noch im Krieg der Sterne kämpfte, hätte man sie einfach einen Roboter genannt, mittlerweile sind inwendige Drähte und blinkende Dioden aus der Mode.

Sunny sieht eher wie ein EarPod auf Rädern aus und ein bisschen so, als hätte Steve Jobs den süßen Außerirdischen E.T. entworfen. Weil „Sunny“, die Serie, in Japan spielt, hat Sunny, die Gestalt gewordene KI, außerdem Augen wie eine Anime-Figur, und wenn man sie in den Ruhemodus schickt, erscheinen schnuckelige Z auf ihrem kugelrunden Mondgesicht.

Rashida Jones als Suzie

Einsam in Kyoto: Rashida Jones als Suzie
Quelle: Apple TV

Doch man lasse sich nicht täuschen: „Sunny“ ist wie Ketchup und schmeckt beileibe nicht bloß süß, sondern oft genug auch salzig, sauer, bitter und umami – ein (übrigens japanisches) Wort für einen ziemlich komplexen Geschmack. Immerhin hat Hauptfigur Suzie (gespielt von Rashida Jones) gerade Mann und Sohn bei einem Flugzeugabsturz verloren, der umso mysteriöser ist, als beide Leichen fehlen.

Lesen Sie auch

In Sekunden

Roboter Sunny wiederum entpuppt sich als letzter Gruß ihres geheimnisvollen Gatten Masa (Hidetoshi Nishijima), der, wie sich zu Suzies Entsetzen herausstellt, in Wahrheit keine ausgefuchsten Kühlschränke, sondern besonders avancierte Homebots entwickelt hat. Wie weiland R2D2 birgt Sunny also ein Geheimnis, das den salzig-sauren Suspense dieser Serie von Showrunnerin Katie Robbins begründet.

Die, die sich einschließen

In den bonbonbunten Kulissen eines betont künstlichen Kyoto (einer aseptischen Variante des Tokios, das einst für den Proto-KI-Film „Blade Runner“ Pate stand) freundet sich Suzie mit der rätselhaften Barfrau Mixxy an, die von der japanischen Musikerin Annie the Clumsy verkörpert wird. Bald sind die drei Frauen (einschließlich Sunny, die, wie sie betont, allerdings „nicht menstruiert“) halb auf der Suche nach Masas Botschaft und halb auf der Flucht vor der japanischen Yakuza, die dessen Geheimnis offenbar auch ergründen will.

Sünder oder Heiliger? Hidetoshi Nishijima als Masa

Sünder oder Heiliger? Hidetoshi Nishijima als Masa
Quelle: Apple TV

Sehr vielen weiblichen Charakteren, zu denen auch Suzies komisch verquere Schwiegermutter und eine comichaft böse Yakuza-Tochter zählen, stehen dabei deutlich weniger Männerfiguren gegenüber, deren auffälligstes Merkmal nicht selten ihre Ganzkörpertätowierung ist. Atemberaubende Spannung aber ist nicht, worauf „Sunny“ es anlegt. Gerade in den ersten Folgen der Serie geht es manchmal fast so bedächtig zu wie bei einer japanischen Teezeremonie.

Tatsächlich ist der bittersüße Teil der Geschichte, der Suzies psychologisches Drama erzählt, weit stärker und auch die Erklärung dafür, warum „Sunny“ eigentlich in Japan spielt. Denn insgeheim zählt auch Suzie zu den Opfern jener modernen Einsamkeitsepidemie, für die es allein in Japan einen Namen gibt: Die Hikkimori – „die, die sich einschließen“ – haben dort aller sozialen Interaktion den Rücken gekehrt.

Erst mit Sunny und dann mit Mixxy, die also einen sprechenden Namen trägt, lernt Suzie, sich wieder unter die Leute zu mischen – die Digitalisierung, die Roboter Sunny geradezu verkörpert, wird damit auf ihren ersten Impuls zurückgeführt, nämlich auf die Sehnsucht scheuer Nerds in einem geschützten Raum zu kommunizieren. Auch Suzies verschollener Ehemann Masa, Sunnys Erfinder, hat Jahre isoliert in seinem Zimmer verbracht.

Und so gesellt sich zum Salzigsauren und Bittersüßen nach ein paar Folgen auch der komplexe Umami-Geschmack, denn am Ende will diese Serie nicht weniger als das ganze Tech-Märchen erzählen: von den ersten schüchternen E-Mails bis zur anstehenden Vermählung von Robotik und KI. Ob es ein gutes Ende nimmt? Roboterkämpfe, Sex mit dem Homebot und KI-Assassinen – also alles, was die Yakuza interessiert – sprechen hier dagegen. Der Wunsch nach einer besseren Welt spricht auch in „Sunny“ noch dafür.

„Sunny“ ist ab dem 10. Juli bei Apple TV+ zu sehen.

An dieser Stelle finden Sie Inhalte von Drittanbietern
Um eingebettete Inhalte anzuzeigen, ist deine widerrufliche Einwilligung in die Übermittlung und Verarbeitung von personenbezogenen Daten notwendig, da die Anbieter der eingebetteten Inhalte als Drittanbieter diese Einwilligung verlangen [In diesem Zusammenhang können auch Nutzungsprofile (u.a. auf Basis von Cookie-IDs) gebildet und angereichert werden, auch außerhalb des EWR]. Indem du den Schalter auf „an“ stellst, stimmst du diesen (jederzeit widerruflich) zu. Dies umfasst auch deine Einwilligung in die Übermittlung bestimmter personenbezogener Daten in Drittländer, u.a. die USA, nach Art. 49 (1) (a) DSGVO. Mehr Informationen dazu findest du hier. Du kannst deine Einwilligung jederzeit über den Schalter und über Privatsphäre am Seitenende widerrufen.

Weiterlesen…….

- Advertisement -
Latest news

Schüsse auf Trump: „Biden wird versuchen, die Gräben zu schließen“ – Video

Das Attentat auf Donald Trump löst weltweit Entsetzen aus. „Es ist eine schreckliche Verrohung der politischen Debatte“, sagt Politikwissenschaftlerin Prof. Andrea Römmele bei WELT...
- Advertisement -

Christian Dürr: „Das neue Bürgergeld wird teilweise härter sein als Hartz IV“

Bürgergeld-Bezieher werden infolge der geplanten Verschärfungen nach Darstellung des FDP-Fraktionschefs Christian Dürr teils stärker gefordert werden als im früheren Hartz-IV-System. „Das neue Bürgergeld wird...

Donald Trump: „NYT“-Fotograf hält fest, wie knapp der Politiker dem Tod entronnen ist

Es gibt eindrückliche Fotos vom versuchten Mordanschlag auf Donald Trump. Einige von ihnen stammen von Doug Mills. Der „New York Times“-Journalist schildert die...

Gaza-Streifen: Kein Abbruch der Verhandlungen – Hamas dementiert eigene Mitteilung

Ein Vertreter des politischen Flügels der islamistischen Terrororganisation Hamas widerspricht Berichten, wonach die indirekten Verhandlungen mit Israel über eine Waffenruhe und die Freilassung von...
Related news

Schüsse auf Trump: „Biden wird versuchen, die Gräben zu schließen“ – Video

Das Attentat auf Donald Trump löst weltweit Entsetzen aus. „Es ist eine schreckliche Verrohung der politischen Debatte“, sagt Politikwissenschaftlerin Prof. Andrea Römmele bei WELT...

Christian Dürr: „Das neue Bürgergeld wird teilweise härter sein als Hartz IV“

Bürgergeld-Bezieher werden infolge der geplanten Verschärfungen nach Darstellung des FDP-Fraktionschefs Christian Dürr teils stärker gefordert werden als im früheren Hartz-IV-System. „Das neue Bürgergeld wird...

Donald Trump: „NYT“-Fotograf hält fest, wie knapp der Politiker dem Tod entronnen ist

Es gibt eindrückliche Fotos vom versuchten Mordanschlag auf Donald Trump. Einige von ihnen stammen von Doug Mills. Der „New York Times“-Journalist schildert die...

Gaza-Streifen: Kein Abbruch der Verhandlungen – Hamas dementiert eigene Mitteilung

Ein Vertreter des politischen Flügels der islamistischen Terrororganisation Hamas widerspricht Berichten, wonach die indirekten Verhandlungen mit Israel über eine Waffenruhe und die Freilassung von...
- Advertisement -