Sunday, July 14, 2024

Art Basel: „Die jüngsten Entwicklungen sprechen sehr für Paris“

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Überraschend kam die Nachricht nicht – die Art Basel Paris heißt jetzt auch offiziell so. Wir erinnern uns: Vor zweieinhalb Jahren fädelten Marc Spiegler (damals Global Director der Messe) und Chris Dercon (damals Chef der Vereinigung der Nationalmuseen und des Grand Palais – RMN) einen Coup ein, der die Traditionsmesse Fiac verdrängte und durch die Veranstaltung „Paris plus par Art Basel“ ersetzte. Den sperrig frankofonen Namen hatten sich die Stadtoberen erbeten, nun hat sich die globale Marke durchgesetzt.

Im Herbst 2024 zieht die Kunstmesse in den sanierten Bau des historischen Grand Palais um. Und während sich im beschaulichen Basel Nervosität breitmacht, ob man sich gegen das glamouröse Paris behaupten kann, steht Direktor Clément Delépine nach zwei wohlwollend beobachteten Probeläufen jetzt endgültig im Wettbewerb mit den anderen Messen unter der mächtigen Dachmarke – die Art Basel findet außer in Basel und Paris (vom 16. bis 20. Oktober) in Hongkong und Miami Beach statt.

WELT: Was wird von Ihnen als Chef der Art Basel in Paris erwartet?

Clément Delépine: Als Direktor muss ich sehr unterschiedliche Rollen spielen. Mal bin ich Diplomat, mal Hospitality Manager, mal Politiker. Meine Aufgabe ist jedoch immer dieselbe: Ich bin dafür verantwortlich, eine Veranstaltung von Weltrang auf die Beine zu stellen, die künstlerische Exzellenz, kuratorische Strenge und kulturelles Erbe in einer der schönsten Städte der Welt zelebriert – und die bestmögliche Umgebung für Galerien, Sammler und Kunstenthusiasten schafft. Der neue Name Art Basel Paris veranschaulicht in gewisser Weise diesen Auftrag.

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WELT: Dass sich die Stadt der Marke unterzuordnen hat?

Clément Delépine: Wir wollen erneut unser Engagement für die Stadt und ihr kulturelles Ökosystem zeigen, indem wir die Wirkung der globalen Marke Art Basel voll ausnutzen. Es gilt, die Messe weiter zu stärken und ihre Resonanz in Paris, Frankreich und der ganzen Welt zu erhöhen.

WELT: Was erhoffen Sie vom Umzug in das historische Grand Palais?

Clément Delépine: In erster Linie mehr Platz, und damit mehr Möglichkeiten, relevante künstlerische Praktiken zu präsentieren, die bei den ersten beiden Ausgaben nicht besonders sichtbar waren. Wir können nun 194 führende nationale und internationale Galerien beherbergen, das ist ein beachtlicher Zuwachs von 26 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr. Wir sind stolz darauf, die erste Messe zu sein, die nach der Schließung des Grand Palais wieder in diesem Gebäude stattfindet.

WELT: Wollen Sie der kommerziellen Veranstaltung einen musealen Anstrich verleihen?

Clément Delépine: Ich würde nie sagen, dass wir ein Museum sind, aber ich glaube, dass wir eine institutionelle Verantwortung haben. Das zeigen wir nicht nur durch die auf der Messe präsentierte Kunst, sondern auch durch die engen Beziehungen, die wir mit kulturellen Akteuren von Weltrang aufbauen.

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WELT: Was hat Ihre Messe – mal abgesehen von der Stadt Paris und dem ikonischen Veranstaltungsort –, was andere Messen nicht haben?

Clément Delépine: Wir streben danach, führend zu sein. Also suchen wir ständig nach neuen und innovativen Wegen, um unsere Galerien bestmöglich zu unterstützen und mit unseren Besuchern in Kontakt zu treten. In Paris unterstreichen wir die einzigartige Identität der Messe etwa mit der Initiative „Oh La La!“.

WELT: Oh La La?

Clément Delépine: Damit ermutigen wir die Galerien am Freitag und Samstag, selten gezeigte Arbeiten zu präsentieren. So entsteht ein spannender Parcours, der die zweite Hälfte der Messewoche belebt.

WELT: Die Art Basel zieht ein internationales Sammlerpublikum an. Was bieten Sie den Franzosen und Parisern?

Clément Delépine: Mehr als ein Drittel unserer Aussteller betreiben Galerien in Frankreich. Das ermöglicht uns, die Dynamik der lokalen Szene zu zeigen. Außerdem realisieren wir unser öffentliches Programm nicht nur in Zusammenarbeit mit der Stadt, sondern auch mit maßgeblichen Kultureinrichtungen. Die Möglichkeit, Kunst in ikonischen Räumen wie auf der Place Vendôme, im Palais d’Iéna oder auf dem Vorhof des Institut de France zu zeigen, ist einfach unvergleichlich.

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WELT: Was ist die Idee hinter dem neuen Messesektor „Premise“?

Clément Delépine: In diesem Bereich können Galerien besondere kuratorische Ideen vorstellen, wozu auch Werke aus der Zeit vor 1900 gehören können. Das ist Teil unserer Bemühungen, den kunsthistorischen Kanon umfassender zu definieren.

WELT: Eine Reminiszenz an die große Zeit von Paris?

Clément Delépine: Eher eine Innovation: „Premise“ ist die erste Sektion einer Art Basel, in der Galerien Werke aus dem 19. Jahrhundert zeigen könnte. Das ist einzigartig.

WELT: Können Sie schon konkreter werden?

Clément Delépine: Beim Auftakt sind neun Galerien vertreten, alles Neulinge auf der Messe. Unser Fokus liegt auf überzeugenden, aber wenig bekannten künstlerischen Positionen. Die Düsseldorfer Galerie Sies + Höke bringt fotografische Arbeiten von Sigmar Polke und Gerhard Richter ein. Mohamed Melehi, ein bahnbrechender marokkanischer Künstler der 1960er- bis 1980er-Jahre, wird von der Loft Art Gallery aus Casablanca ausgestellt. Ich persönlich bin sehr neugierig auf die türkische Künstlerin Nil Yalter und ihre halb-fiktionale Erkundung der Macht von Kleidung. Es wird aber auch erotische Underground-Comics des spanischen Illustrators Nazario oder Gemälde der ukrainisch-amerikanischen Künstlerin Janet Sobel zu sehen geben.

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WELT: Der „Art Market Report 2024“ von Art Basel und UBS notiert, dass der weltweite Umsatz im Kunstmarkt auf 65 Milliarden Dollar gesunken ist, das sind vier Prozent weniger als im Vorjahr. Welche Auswirkungen hat die Schrumpfung auf die Messestrategie?

Clément Delépine: Wir wissen, dass der weltweite Kunstmarkt zwar widerstandsfähig ist, aber dennoch einen Umsatzrückgang erlebt. Es ist jedoch wichtig, sich daran zu erinnern, dass der Markt dennoch über dem Niveau vor der Pandemie von 64,4 Milliarden Dollar liegt und das Transaktionsvolumen um vier Prozent gestiegen ist. Die Priorität der Art Basel liegt darin, unsere Galerien und Sammler zu unterstützen – das ist unsere Rolle im Ökosystem der Kunst.

WELT: Wie können Sie Galerien in Zeiten unterstützen, in denen der Markt schwächer wird?

Clément Delépine: Wir glauben fest an die wichtige Rolle, die kleinere Galerien in diesem Ökosystem spielen. Deshalb folgt auch die Art Basel Paris bei den Standpreisen einem gleitenden Modell, das sicherstellt, dass jüngere und mittelgroße Galerien nicht durch übermäßige Kosten benachteiligt werden. Dieses Staffelpreissystem sorgt für mehr Chancengleichheit. Überdies bieten wir einen ermäßigten Tarif für Aussteller in den Sektoren „Emergence“ und „Premise“ an. Sie zahlen dort 50 Prozent respektive 25 Prozent weniger als im Hauptsektor.

WELT: In den vergangenen beiden Ausgaben der Messe gab es die Möglichkeit für Galerien, sich Stände zu teilen. Halten Sie daran fest?

Clément Delépine: Wir haben jedenfalls ein großes Interesse an gemeinsamen Bewerbungen festgestellt. Zehn Galerien planen, sich einen Stand auf der Messe zu teilen, was ihren Einfallsreichtum und ihre gegenseitige Unterstützung unterstreicht. Ich erwarte, dass diese gemeinschaftlichen Stände, zu den attraktivsten der Messe in diesem Jahr gehören werden.

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WELT: Der „Artsy Fair Report 2024“ sieht New York als den mit Abstand wichtigsten Kunstmessestandort, gefolgt von Basel, London und Miami. Paris folgt erst auf Platz 5, wiederum mit deutlichem Abstand. Welches Potenzial möchten Sie ausschöpfen, um den Anschluss nicht zu verlieren?

Clément Delépine: Laut unserem „Art Market Report 2024“ hat Frankreich seinen Platz auf dem globalen Kunstmarkt gefestigt und ist trotz der schwächeren Weltkonjunktur der viertwichtigste Markt geblieben. Eine weitere, im Jahr 2023 vom Comité Professionnel des Galeries d’Art in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass 50 Prozent aller Kunsttransaktionen in der Europäischen Union in Frankreich getätigt werden.

WELT: Deutschland hat nach langem Zögern die Bedeutung des Kunsthandels erkannt und führt 2025 den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Kunst wieder ein.

Clément Delépine: Lokale und nationale Regierungsstellen in Frankreich haben ebenfalls eine starke Unterstützung für die Branche gezeigt: Im Jahr 2023 wurde nicht nur die Beibehaltung eines ermäßigten Mehrwertsteuersatzes von 5,5 Prozent für Erstverkäufe und Importe von Kunstwerken aus Ländern außerhalb der EU beschlossen, sondern auch auf den gesamten Verkaufs- oder Wiederverkaufspreis ausgedehnt. Ich glaube, dass die jüngsten Entwicklungen sehr für Paris sprechen, nicht dagegen.

WELT: Frankreich steht an diesem Sonntag vor der entscheidenden Parlamentswahl. Der Rassemblement National hat zeitgenössische Kunst und Kultur als elitär und snobistisch kritisiert und fordert etwa die Abschaffung der regionalen Kunstsammlungen. Was würde ein Sieg der extremen Rechten für den Kunsthandel und die Art Basel Paris bedeuten?

Clément Delépine: Der Rassemblement National führt in seinem Programm für 2024 keine offiziellen Maßnahmen auf, die sich speziell auf den Kunstmarkt beziehen. Bis jetzt konnte die Art Basel konstruktiv mit dem französischen Kulturministerium und dem Grand Palais RMN zusammenarbeiten, um eine erstklassige Kunstmesse in Paris zu veranstalten. Dadurch konnten wir aktiv zur Attraktivität des französischen Marktes beitragen. Wir hoffen, dass die Unterstützungsmaßnahmen und Schutzvorkehrungen, die den weltweiten Erfolg der französischen Kulturwirtschaft, einschließlich des dynamischen Kunstmarktes, sichergestellt haben, in Zukunft Bestand haben werden.

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