Tuesday, July 23, 2024

EM 2024 Deutschland Nationalmannschaft, Leroy Sané: „Ich bin kein Ego-Typ“

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Leroy Sané stand im Achtelfinale gegen Dänemark erstmals bei der EM in der Startelf der deutschen Nationalmannschaft. Auch im Viertelfinale gegen Spanien am Freitag (21 Uhr, ARD, MagentaTV und im Liveticker bei WELT) hat der schnelle Außenstürmer des FC Bayern München gute Chancen, von Beginn an zu spielen.

Frage: Herr Sané, die Mannschaft kehrte nach dem Sieg gegen Dänemark in Stuttgart erst gegen 3 Uhr ins Quartier in Herzogenaurach zurück. Nehmen Sie uns einmal mit: Wie laufen die Stunden nach einem Sieg und in der Nacht beim DFB ab?

Leroy Sané: Der Trainer hält noch in der Kabine eine Ansprache, bei der es schon um taktische Details geht. In der Kabine und im Bus läuft Musik, wir versuchen das Spiel zu verarbeiten. Die Stimmung war top am Samstag. Im Camp sitzen wir noch kurz zusammen, quatschen – aber wenn es so spät ist wie nach dem Achtelfinale, geht es dann auch schnell auf die Zimmer und ins Bett. Wir haben ja noch etwas vor bei diesem Turnier.

Sané spielte im Dänemark-Spiel von Anfang an - konnte aber nicht glänzen.

Leroy Sané (li.) im Achtelfinale gegen Dänemark
Quelle: Christian Charisius/dpa

Frage: Was bekommen Sie von der EM-Stimmung im Land mit?

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Sané: Wenn wir mit dem Bus zum Stadion fahren oder dort zum Warmmachen den Platz betreten – das ist schon sensationell. Über Social-Media bekommen wir viel mit, auch wie ein Saxophon-Spieler die Fans heiß macht: Das ist richtig cool zu sehen und gibt uns noch mehr Energie fürs Spiel.

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Bundestrainer

Frage: Zur Mannschaft kam vergangene Woche Deutsch-Rapper Kontra K, nachdem 2021 Peter Maffay das Team besucht hatte. Was ist eher Ihr Stil?

Sané: Ich bin eher im Team Kontra K … Der Auftritt war richtig gut, ich habe danach auch ein bisschen seine Texte studiert. Es geht über das Leben, darüber, was er durchgemacht hat. Der Text zu „Erfolg ist kein Glück“ ist zum Motto unserer Mannschaft geworden, das verbindet uns alle. Wenn das im Stadion kommt, wissen wir alle, worum es geht, wofür wir hier sind.

Frage: Im Stadion und bei der EM wurde „Major Tom“ zum Hit. Musik nach Ihrem Geschmack?

Sané: In meiner Playlist ist der Song jetzt nicht (lacht). Es ist aber sehr schön, dass es nun ein Lied gibt, das uns mit den Fans verbindet. „Major Tom“ ist ein Partyhit, wir feiern dazu mit den Fans. Jeder fühlt sich im Moment wohl und freut sich für den anderen, akzeptiert seine Rolle. Wir haben super Charaktere im Team. Das schwappt mehr und mehr über zu den Fans.

Frage: Wie sehen Sie Ihre Rolle in diesem Gefüge? In der Vorrunde standen Sie noch nicht in der Startelf, im Achtelfinale gegen Dänemark dann schon.

Sané: Ich brauchte nach meiner Verletzung Zeit, musste erst wieder den Rhythmus finden. Das gute Gefühl ist jetzt wieder zurück, ich bin beschwerdefrei, fühle mich fit und bereit für die Startelf. Julian (Bundestrainer Nagelsmann; d. Red.) und ich haben immer super offen und direkt miteinander kommuniziert, es war klar, dass ich noch Zeit brauchte. Jetzt freue ich mich einfach auf Freitag, auf das Spiel gegen Spanien.

Frage: Sind Sie schon wieder bei 100 Prozent?

Sané: Der Plan ist total aufgegangen. Ich habe keine Schmerzen mehr, selbst nach dem langen Einsatz gegen Dänemark nicht.

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Frage: Sie jubelten auch als Ersatzspieler emotional mit. Früher gab es schon mal Ego-Vorwürfe in Ihre Richtung. Sind Sie ein anderer Typ als früher?

Sané: Ich bin kein Ego-Typ, generell nicht. Wenn man jünger ist, fehlt einem vielleicht ein bisschen der Blick auf das große Ganze, man schaut verständlicherweise mehr auf sich selbst. Mir geht es aber seit Längerem darum, wie wir als Team zum Erfolg kommen. Was können wir als Mannschaft verbessern, um erfolgreich zu sein? Mir ist bewusst, dass Leute von draußen früher anders auf mich geblickt haben, aber jeder, der mich kennt, weiß, dass ich alles für mein Team gebe. Ich gehe dabei auch sehr hart mit mir selbst ins Gericht, weiß genau, wann ich gut spiele und wann nicht.

Für Leroy Sané bietet sich nun die Perspektive auf ein erstes erfolgreiches großes Turnier mit der Nationalmannschaft.

Sané (li.) klatscht mit Bundestrainer Julian Nagelsmann ab
Quelle: Christian Charisius/dpa

Frage: Wie fanden Sie Ihr Spiel gegen Dänemark?

Sané: Es war okay, würde ich sagen. Es war sehr wichtig für mich, die Minuten zu bekommen, um in meinen Spielrhythmus zu gelangen. Ich weiß, dass ich noch viel besser spielen kann, hierfür hat mir aber das Spiel sehr geholfen. Ich bin in einem Alter, in dem ich Verantwortung für das Kollektiv übernehmen kann und auch möchte: Ich freue mich mehr über die Tore meiner Mitspieler als die eigenen. Da sind meine Arme zum Jubeln oft schon in der Luft, bevor der Ball im Tor landet (lacht).

Frage: Können Sie einem Mitspieler wie Florian Wirtz, der sieben Jahre jünger als Sie ist und seine erste EM erlebt, helfen?

Sané: Fußballerisch muss ich ihm nichts erklären – denn er hat alles drauf. Ich kann ihm aber mitgeben, dass er das Turnier einfach genießen und sich auf sein Spiel konzentrieren soll. Es macht richtig viel Spaß mit ihm, Flo und ich haben ein gutes Verhältnis. Er wird bei der EM noch sehr wichtig für uns sein.

Frage: Für Jamal Musiala läuft es bisher sehr gut. Was denken Sie über seine Auftritte beim Turnier?

Sané: Jamal ist ein super Junge, wir verstehen uns sehr gut. Er soll weiter seine Tore schießen: Ich wünsche mir, dass er Torschützenkönig wird. Er hat es sich verdient, dass es jetzt vor dem Tor noch besser klappt. Jamal arbeitet dafür sehr hart.

Frage: Musialas Traum ist es, irgendwann Weltfußballer zu werden. Trauen Sie ihm das zu?

Sané: Die Qualitäten dafür hat er auf jeden Fall. Wenn Jamal so weitermacht, hat er gute Chancen, bald Weltfußballer zu werden. Auch diesen Titel wünsche ich ihm.

Frage: Ihr Kumpel Antonio Rüdiger wurde gegen Dänemark Spieler des Spiels. Wie wichtig ist er nicht nur als Abwehrchef, sondern auch als Typ?

Sané: Toni ist ein super Typ mit einer ganz eigenen Art. Er pusht uns, da er auch die nötige Lockerheit mitbringt. Es macht Mega-Spaß mit ihm, er bringt alle zum Lachen: Toni ist ein Bindeglied im Team und natürlich ein Weltklasse-Verteidiger.

Frage: Würden Menschen, die Rüdiger für seine Art kritisieren, ihn anders beurteilen, wenn sie ihn richtig kennen würden?

Sané: Auf jeden Fall. Man kann eine Person erst dann beurteilen, wenn man sie richtig kennt. Deswegen sollten viele Menschen vielleicht etwas vorsichtiger rangehen, überlegen: Wie würden sie selbst mit so einer Kritik umgehen? Die Menschen, die Toni kritisch sehen, würden ihre Meinung ändern, wenn sie ihn richtig kennenlernen würden.

Frage: Im Viertelfinale wartet nun Spanien auf Deutschland. Ist es die bislang beste Mannschaft des Turniers?

Sané: Spanien ist sehr stark, sie spielen aggressiven Fußball, verteidigen stark. Sie sind bislang das beste Team des Turniers. Mit Lamine Yamal haben sie einen Spieler, bei dem ich mich frage: „Wie geht das in diesem Alter?“ Das ist bemerkenswert. Es macht riesig Spaß, ihm zuzusehen. Ich hoffe, dass er genau so weitermacht. Mit Rodri haben sie zudem einen Mann im Mittelfeld, den ich mit Toni Kroos vergleichen würde: Er ist das Bindeglied zwischen Defensive und Offensive. Rodri gibt das Tempo vor.

Frage: Zum Abschluss: Welche Schlagzeile würden Sie am Ende der EM gerne auf Seite 1 der SPORT BILD lesen?

Sané: „Deutschland ist Europameister!“ Und wer dann das entscheidende Tor geschossen hat, ist mir völlig egal. Von mir aus kann es auch gerne Julian Nagelsmann sein (lacht laut).

Das Interview wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, SPORT BILD, BILD) geführt und zuerst in SPORT BILD veröffentlicht.

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