Tuesday, July 23, 2024

Deutsche Unternehmen im Visier: 4 Branchen reizen arabische Investoren besonders

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Das Leben von Klaus Fröhlich ist so etwas wie ein Musterbeispiel für die verschlungenen Wege wahrhaft globaler Karrieren. Der in Mexiko geborene deutsche Manager hat in London studiert und anschließend für mehrere Investmentbanken gearbeitet. 17 Jahre stand er in Diensten des US-Instituts Morgan Stanley, für das er unter anderem das Geschäft im Nahen Osten leitete und in Frankfurt Börsengänge begleitete.

2016 wechselte Fröhlich, der mit seiner Familie schon damals seit vielen Jahren in Dubai lebte, als Finanzchef zur Saudi Binladin Group, dem größten Baukonzern der Golfregion. 2020 zog es ihn dann zur Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC).

Als „Investitionschef“ sollte er den staatlichen Ölkonzern der Vereinigten Arabischen Emirate auch durch Zukäufe fit für die Zukunft machen. Als Fröhlich vor wenigen Wochen in einem „Bloomberg“-Interview von einer „gesunden Pipeline“ sprach und erklärte, dass „komplexe Transaktionen“ Zeit bräuchten, klang das jedoch fast wie eine Entschuldigung.

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Denn so richtig viel war in Sachen Zukäufe seit seinem Amtsantritt nicht passiert. Mit dem österreichischen Ölkonzern OMV verhandelt Adnoc seit mehr als einem Jahr „ergebnisoffen“ über eine Fusion der Chemietöchter, das BASF-Tochterunternehmen Wintershall Dea, an dem die Araber angeblich interessiert waren, schnappte sich der britische Ölkonzern Harbour Energy.

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Und auch beim Werben um den Leverkusener Chemiekonzern Covestro ging es seit mehr als einem Jahr kaum voran. Ende Juni berichtete Vorstandschef Markus Steilmann dann jedoch von „guten Fortschritten“ und dem Eintritt in „konkrete Verhandlungen“. Zuvor hatte Adnoc bei seinem Angebot finanziell nochmals nachgebessert.

Mit einem Wert von rund zwölf Milliarden Euro wäre die Covestro-Übernahme ein Rekorddeal für einen arabischen Investor. Ihm könnten schon bald weitere folgen. Denn den ohnehin finanzkräftigen Unternehmen und Staatsfonds aus dem Mittleren Osten ist wegen des hohen Ölpreises zuletzt enorm viel Geld zugeflossen.

Damit können sie das Ziel forcieren, ihre Wirtschaft mit Investitionen unabhängiger von der Förderung fossiler Energieträger zu machen. Gleichzeitig benötigen viele deutsche Unternehmen allein schon für den Umbau zur Klimaneutralität enorm viel Kapital. Potente Geldgeber sind deshalb willkommen – und müssen kaum politische Interventionen aus Berlin fürchten.

Nicht jedes Investments im Westen wurde zum Erfolg

Aktuell sind arabische Interessenten noch bei einem weiteren großen Bieterverfahren für ein deutsches Ziel dabei. Seit Monaten arbeitet die Deutsche Bahn am Verkauf ihrer profitablen Logistiktochter DB Schenker. Mit dem erhofften Erlös von bis zu 15 Milliarden Euro will der Staatskonzern seine enorme Schuldenlast reduzieren und Spielraum für Investitionen in die marode Infrastruktur gewinnen.

Neben den dänischen Unternehmen DSV und Maersk soll auch der saudische Logistikkonzern Bahri weiter im Rennen sein. Zudem soll der Staatsfonds aus Abu Dhabi die Finanzinvestoren CVC und Carlyle bei ihrer Offerte unterstützen.

Eine solche Position in der zweiten Reihe war lange typisch für das Engagement arabischer Geldgeber, die sich meist mit überschaubaren Anteilen an westlichen Konzernen begnügten. Kuwait war schon vor 50 Jahren beim Autobauer Daimler eingestiegen, in jüngerer Zeit kauften sich Aktionäre aus Katar unter anderem bei Volkswagen und der Deutschen Bank ein.

Im vergangenen März stieg das Emirat über seinen milliardenschweren Staatsfonds dann auch noch beim Energiekonzern RWE ein. Nicht immer haben die Investments im Westen gehalten, was die Investoren erhofft hatten. So war die Saudi National Bank der größte Aktionär der Schweizer Großbank Credit Suisse, als sich diese Anfang 2023 in eine Notfusion mit UBS flüchten musste. Komplett übernahmen Araber vor allem feudale Immobilien und andere prestigeträchtige Trophäen wie den Fußballclub Paris St. Germain.

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Nun aber fühlen sich die Investoren aus der Golfregion offensichtlich bereit für höhere Aufgaben. „Während sie sich früher meistens anderen Investoren angeschlossen haben, trauen sie sich heute auch zu, große Deals allein zu machen“, sagt Marcus Schenck, Co-Chef der Investmentbank Lazard in Deutschland.

Dabei agierten sie „voll auf Augenhöhe“, ihre Manager seien hervorragend ausgebildet und hätten oft in der westlichen Finanzbranche gearbeitet. „Sie haben viel Kapital, viel Wissen und deshalb auch viel Selbstbewusstsein.“ In Bieterverfahren nähmen arabische Gesellschaften heute oft den Platz ein, den bis vor einigen Jahren mögliche Käufer aus China besetzten.

Dass diese heute kaum noch eine Rolle spielen, liegt vor allem an der gewachsenen politischen Skepsis. Selbst kleinere Beteiligungen wie jene des chinesischen Staatskonzerns Cosco an einem Containerterminal im Hamburger Hafen haben lange Debatten über mögliche Folgen für die nationale Sicherheit nach sich gezogen.

In Deutschland fehlt es nicht an möglichen Zielen

Auch Investoren aus dem Mittleren Osten werden genau beäugt. „Investitionsprüfungen haben hohe Relevanz, und der Aufwand für die Verfahren hat in den vergangenen Jahren sehr stark zugenommen“, sagt Jan Bonhage, bei der Kanzlei Hengeler Mueller.

So werde genau ermittelt, wer letztlich wirtschaftlich hinter dem Käufer stehe, bei staatlichen Eigentümern sei die Aufmerksamkeit besonders groß. Im internationalen Vergleich agiere Deutschland hier aber relativ moderat. „Bisher gab es keine grundsätzlichen Einwände gegen arabische Investoren“, sagt Bonhage. „Und es sieht derzeit nicht danach aus, dass sich daran etwas ändern wird.“

In Deutschland fehlt es nicht an möglichen Zielen. „Besonders im Fokus stehen Zukunftsbranchen wie erneuerbare Energien, Technologie, Gesundheit und Telekommunikation“, sagt Sebastian Bladt, der bei der US-Bank J.P. Morgan das deutsche Geschäft mit Fusionen und Übernahmen leitet.

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Viele Unternehmen im Visier seien grundsätzlich zu Gesprächen bereit, weil sie aufgrund der erforderlichen Transformation ihres Geschäftsmodells einen enormen Investitionsbedarf hätten. Dabei sei das gewachsene Interesse „kein Zeichen für einen Ausverkauf deutscher Industrie“, sagt Berthold Fürst, der das europäische Investmentbanking bei der Deutschen Bank leitet.

Die arabischen Investoren seien sich kultureller Unterschiede wie der Mitbestimmung in deutschen Unternehmen sehr bewusst und agierten sensibel. Gleichzeitig gingen sie sehr professionell und strategisch vor. „Oft geht es darum, die Wertschöpfungskette um weitere Stufen auszubauen“, meint Fürst.

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Adnoc-Vorstandschef Sultan Ahmed Al-Jaber hat erklärt, mit dem Unternehmen in Geschäftsfelder wie neue Energien, kohlenstoffarme Brennstoffe sowie Chemikalien vorstoßen zu wollen, die Übernahme von Covestro könnte ein großer Schritt auf diesem Weg sein.

An den bisherigen Strategie- und Klimazielen dürfte der deutsche Konzern auch künftig festhalten. Die Debatten um Nachhaltigkeit sind Al-Jaber, der nebenbei als Industrieminister der Emirate amtiert, schließlich bestens bekannt. Vor wenigen Monaten leitete er die bislang letzte UN-Klimakonferenz in Dubai – und hielt das trotz intensiver Kritik für bestens vereinbar mit seiner Rolle als Chef eines Ölkonzerns.

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