Tuesday, July 23, 2024

WDR-Intendantenwahl: Welcher der Kandidaten hat den Mut zur Reform?

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Beim WDR wird am Donnerstag, 27. Juni, ein neuer Intendant gewählt. Drei Männer und eine Frau bewerben sich um das Amt – und vielleicht noch mehr als bei anderen ähnlichen Entscheidungen steht die öffentlich-rechtliche Anstalt mit Sitz in Köln vor einer Richtungswahl. Mit Effekten nicht nur für den WDR selbst, das liegt auf der Hand, sondern für die gesamte ARD.

Der WDR ganz knapp in Zahlen: Im vergangenen Jahr flossen 1,3 Milliarden Euro aus Rundfunkbeiträgen nach Köln, der Gesamtertrag lag 2022 bei knapp 1,6 Milliarden Euro. 2022 erzielte der WDR nach einem verlustreichen Vorjahr einen kleinen Überschuss von knapp 7 Millionen Euro. Laut Geschäftsbericht hatte der Sender 2022 4150 Mitarbeiter, im Bericht der Finanzkommission KEF sind für Ende 2021 3760 feste und 1384 freie Mitarbeiter vermerkt.

Chef des Westdeutschen Rundfunk ist seit Juli 2013 Tom Buhrow. Sein Gehalt lag zuletzt bei rund 430.000 Euro im Jahr. Nach außen sendete Buhrow ironischerweise (die Oma-Umweltsau-Posse mal beiseitegelassen) seinen wichtigsten Beitrag durch eine Rede im November 2022, die er ausdrücklich nicht als Intendant gehalten haben wollte. Darin plädierte er für eine grundlegende Reform des beitragsfinanzierten Rundfunks und sagte in diesem Zusammenhang: „Deutschland scheint uns in zehn Jahren nicht mehr in dem Umfang haben zu wollen – und auch finanzieren zu wollen – wie heute.“ Seinen Posten gibt Buhrow ein Jahr früher auf, als es eigentlich vorgesehen war.

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Meinung Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Die Rede, im Kern ein Vorschlag für einen kleineren, dafür aber inhaltlich gestärkten öffentlich-rechtlichen Rundfunk, kam im Kreise der Kollegen von Buhrow nicht so gut an wie außen. Buhrow biete freiwillig eine Schrumpfung an, was strategisch falsch sei, war einerseits zu hören, denn schließlich müssten, wenn überhaupt, die Bundesländer Kürzungen der Struktur beschließen, warum also vorpreschen? Andererseits war Kritik an Buhrow zu hören, weil er erst gegen Ende seiner Amtszeit für große Reformen sprach, die er dann selbst nicht mehr umzusetzen habe.

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Fragt sich also, wie der Rundfunkrat des WDR, der am Donnerstag zur Wahl des Intendanten zusammenkommt, zur künftigen Strategie der Anstalt steht. Da derzeit die Rundfunkkommission der Bundesländer an einem Reformplan für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sitzt, der im Herbst beschlossen werden soll, kann es ein „Weiter so“ zwar ohnehin nicht geben. In der Stellenausschreibung war „Mut zur Veränderung“ als Qualifikation angegeben. Aber je nach Kandidatin oder Kandidat gibt es Abstufungen in der angenommenen Reformbereitschaft und -offenheit.

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Tom Buhrow

Westdeutscher Rundfunk

Zur Wahl stehen zwei interne Kandidaten, die WDR-Verwaltungsdirektorin Katrin Vernau und der WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn. Sowie zwei externe Kandidaten: Helge Fuhst, Zweiter Chefredakteur von ARD aktuell (u.a. „Tagesschau“, „Tagesthemen“) und Elmar Theveßen, ZDF-Studioleiter in Washington. Das ist, gemessen auch an anderen Intendantenwahlen wie zuletzt beim RBB und dem SWR, eine sehr gute Auswahl von Kandidaten – in einem bis zuletzt offenen Wettbewerb.

Das Medienmagazin DWDL hat die vier Kandidaten vorab nach ihren Zielen gefragt. Bei solchen Antworten werden üblicherweise alle Kästchen angetickt, die man in einer öffentlichen Bewerbung so anticken muss. Veränderung und Wandel also, aber auch Verlässlichkeit und Verwurzelung. Auffällig war dann aber doch, wie sehr die gewählten Begriffe sich auf der Seite der Reform ballten, also etwa „Tempo“ und „schlanker aufstellen“ (Schönenborn), „existenzielle Herausforderungen“, „schneller und konsequenter“, „flexibler, veränderungsbereiter und mutiger“ (Vernau), „aus Verteidigungshaltung herauskommen“ und „Vertrauen zurückgewinnen“ (Fuhst) und „große Reformen“ (Theveßen).

„Ich bring die Liebe mit“, hatte Buhrow gesagt

Die Favoriten der Reformtreiber sind eindeutig Katrin Vernau, die als Interims-Intendantin den finanziell taumelnden RBB wieder auf die Spur gebracht hat. Und Helge Fuhst, den mit 40 Jahren jüngsten Kandidaten, der bereits bei ARD aktuell für gute Veränderungen gesorgt hat und inhaltliche Neuerungen wie das Format „Mittendrin“ eingeführt hat. Zudem bringt er als ehemaliger Programmgeschäftsführer von Phoenix Managementerfahrung mit, die Vernau zwar ebenfalls reichlich hat, der aber die journalistische Grundierung fehlt. Dass die Kosten für die Sanierung des WDR-Filmhauses in den vergangenen Jahren in astronomische Höhen gestiegen sind, könnte der Verwaltungschefin als Makel angekreidet werden.

Der smarte Allround-Kandidat ist entsprechend Fuhst, wenn der Rundfunkrat mehrheitlich meint, es brauche jetzt vor allem die Exekution von strukturellen Reformen, dann ist Vernau vielleicht die bessere Wahl. Beide Kandidaten wären, falls sie gewählt würden, ein klares Signal vom Rundfunkrat für einen entschiedenen Reformprozess. So geschehen beispielsweise bei der Wahl von Florian Hager zum Intendanten des Hessischen Rundfunk vor gut zwei Jahren.

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Meinung Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Bei den beiden anderen Kandidaten, Schönenborn und Theveßen, wäre dieses Signal schwächer ausgeprägt. Der ZDF-Journalist hat ohnehin nur Außenseiterchancen, wenngleich seine Kandidatur (auch Buhrow war vor seinem Wechsel ins Management USA-Korrespondent) eine gute Ergänzung ist.

Schönenborn ist dagegen der in der Logik des öffentlich-rechtlichen Rundfunks natürliche Favorit. Er kennt den WDR in- und auswendig, hat dort großen Einfluss und ohnehin viele Fäden in der Hand. Es wäre keine Überraschung, spräche sich der Rundfunkrat mehrheitlich für ihn aus. Eine mutige Entscheidung wäre eine Wahl Schönenborns – trotz dessen Bekenntnis zum Wandel – allerdings nicht. Nun muss Mut allein kein Wert an sich sein, und viele Argumente sprechen aus interner Sicht für den Programmdirektor.

„Ich bring die Liebe mit“, hatte Tom Buhrow zu seinem Antritt vor elf Jahren gesagt. Und zu seinen Leuten beim WDR: „Macht ruhig Fehler! Das ist ein bisschen mein Credo. Bitte keine Angstkultur, sondern Mut zu Experimenten.“ Der Sound war gut, die Realität sah und sieht oft anders aus. Entscheidend war aber der Wunsch, im Sender keine Angstkultur zu entwickeln. Die ebenso wenig sinnvoll ist wie eine Wagenburgmentalität, die in vielen öffentlich-rechtlichen Anstalten in früheren Jahren kultiviert wurde. Aber aus Worten müssen natürlich immer auch Taten werden.

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