Tuesday, July 23, 2024

EM 2024: Fliegende Bierbecher Richtung Southgate als Antwort auf eine indiskutable Leistung

- Advertisement -
- Advertisement -

Den Mut zum offensiven Fußball kann man Gareth Southgate absprechen, muss man wohl sogar – eine gewisse Courage aber trotzdem nicht. Nach dem Schlusspfiff ging Englands Trainer vor der Fan-Tribüne entlang und bedankte sich „für die Unterstützung“, wenn er auch in einem gewissen Sicherheitsabstand. Das war ratsam: Es gab nicht nur Buhrufe – es flogen auch Bierbecher in seine Richtung. Noch besser war es, dass ihm seine Mannschaft auf diesem Weg erst mit einigen Metern Abstand folgte – so gab für sie tatsächlich nicht nur Pfiffe, sondern auch vereinzelten höflichen Applaus.

„Ich ermuntere die Spieler immer mutig zu sein. Sie sollen zu den Fans gehen und keine Angst haben, ausgebuht zu werden“, erklärte Southgate anschließend. Die Fans würden ihnen ja deutlich positiver gegenüberstehen als ihm selbst. Das scheint nicht übertreiben, schaut man sich die Kommentare der englischen Blätter an.

Southgate gestikuliert nach dem Spiel in Richtung Fankurve. Die Antwort kam geflogen und war aus Plastik

Southgate gestikuliert nach dem Spiel in Richtung Fankurve. Die Antwort kam geflogen und war aus Plastik
Quelle: AFP/JAVIER SORIANO

Etwa den der „Sun“: „Uninspiriert. Gareth Southgate hat die besten Spieler der Premier League, der Bundesliga und spanischen Liga zur Verfügung. Und trotzdem konnte England eine Mannschaft, die auf Platz 57 der Weltrangliste steht, nicht besiegen.“ Er selbst wisse ja, räumte Southgate ein, dass er derzeit nicht gut gelitten sei. „Doch eines ist klar“, sagte der 53-Jährige: „Wir werden nur erfolgreich sein, wenn wir zusammenbleiben.“

Ob dies gelingt, ist allerdings mehr als fraglich. Trotz des Einzugs ins Achtelfinale und des Gruppensiegs, der mit gerade einmal zwei erzielten Toren gelang. Denn was das englische Team bei dieser EM spielt, ist schwer zu ertragen. Es strapaziert die Nerven einer ganzen Fußballnation. Auf das 1:0 gegen Serbien, bei dem es zumindest eine akzeptable erste Halbzeit zu sehen gab, folgte ein 1:1 gegen Dänemark, bei dem die Mannschaft deutlich näher an einer Niederlage war als der kommende Achtelfinal-Gegner der Deutschen. Am Dienstag in Köln nun gab es beim 0:0 gegen Slowenien einen neuen Tiefpunkt. England spielte weitgehend ohne Tempo, ohne Ideen – und ohne Mut.

„Es war wirklich schwer anzuschauen“

Das sahen so ziemlich alle so. Der wenig inspirierende Auftritt wurde medial zerrissen – und vor allem der Trainer, der dafür verantwortlich ist. „Wir haben Cole Palmer, Bukayo Saka, Jude Bellingham, Koobbie Mainoo, Phil Foden – alles große, große Talente. Aber wir können uns einfach nicht erlauben, sie so spielen zu lassen“, sagte der frühere Nationalspieler Gary Neville bei ITV. Das ganze Spiel sei „ein Krampf gewesen. Es war wirklich schwer anzuschauen“. Zuvor hatte Ex-Nationalspieler Wayne Rooney bereits erklärt: „Es stimmt etwas nicht.“ Diese Reaktionen und die der Fans sind ein mehr als deutliches Warnsignal.

Lesen Sie auch
Land Rover Reveals New Range Rover At The Royal Opera House In London

Fitness und Ernährung

Dies allerdings scheint bei Southgate bis jetzt nicht anzukommen. „Es war unser erstes Ziel, uns für das Achtelfinale zu qualifizieren, unser zweites war es, die Gruppe zu gewinnen. Das haben wir geschafft. Und heute haben wir Verbesserungen gezeigt“, sagte er. Dann verwies er darauf, dass die Slowenen, 52 Weltranglistenplätze hinter England gelistet, gut verteidigt haben und seine Mannschaft in der zweiten Halbzeit nach den Einwechselungen von Mainoo, Palmer, Alexander-Arnold und Gordon schließlich etwas druckvoller gespielt habe.

„Das war ein wichtiges Signal der Mannschaft“, erklärte er. Das mutet verwegen an: England hatte im kompletten Spiel gerade drei Torchancen. Wer Southgate in der Presskonferenz zugehört hat, musste sich fragen, ob er das, was er sagte, tatsächlich ernst meint. Für den „Kicker“ lag die Antwort auf der Hand: Das sei „die Kunst des Selbstbetrugs“ gewesen.

So feiert Slowenien den Einzug ins Achtelfinale