Tuesday, July 23, 2024

Friedenspreis für Anne Applebaum: Sie steht für einen Westen, der den Osten nie vergessen hat

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Anne Applebaum wird im Oktober mit dem diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Eine gute Entscheidung, denn die 1964 in Washington D.C. geborene Historikerin steht für einen Westen, der den von Moskau gekidnappten Osten Europas nie vergessen hat. Genauso wenig wie die systemischen Verwerfungen, die Kommunismus und Postkommunismus bei den Menschen – auch in Russland – angerichtet haben.

Applebaum, die noch zu Zeiten des Kalten Kriegs Russisch in Yale und Leningrad studierte und 1988 als Korrespondentin für den britischen „Economist“ nach Warschau ging, lehrte an vielen renommierten Hochschulen, aktuell an der John-Hopkins-Universität. Sie lebt in Polen, ist seit 2006 mit Radosław Sikorski verheiratet, dem amtierenden Außenminister der Tusk-Regierung. Als Autorin hat Applebaum Standardwerke publiziert, die über Machtprinzipien von Diktatur und Autokratie aufklären, etwa: „Der Gulag“ (2003), „Der Eiserne Vorhang“ (2012), „Roter Hunger“ (2019) und die „Die Verlockung des Autoritären“ (2021).

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Anne Applebaum, Journalistin und Historikerin

Natürlich könnte man frivol fragen: Hätte der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2024 ein Zeichen setzen können oder sollen, das noch stärker in die Zeit passt? Konnte sich der Stiftungsrat auf keinen Kandidaten zum Nahost-Konflikt einigen? Man sollte mit solchen Spekulationen aufpassen, sich nicht zu sehr in eine journalistische Nachrichtenlogik hineinzubegeben.

Auszeichnungen – zumal solche mit Staatsakt-Charakter wie der Friedenspreis, der alljährlich wie ein Hochamt zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche zelebriert wird – können sich nicht zu wohlfeil der Tagesaktualität beugen. Sie müssen Überzeitliches und Grundsätzliches im Blick behalten, sollen nicht nur Kommentar zur Gegenwart sein, sondern Preis für ein literarisches, publizistisches oder wissenschaftliches Lebenswerk, das oft schon stattfindet, bevor es zu einer Nachrichtenlage kommt. So wurde 2023 Salman Rusdie für seinen Mut ausgezeichnet. Spät, aber zum Glück nicht zu spät (die Fatwa galt seit 1989). In Zeiten gefährdeter Demokratien durch Desinformation und „Fake News“ sind Applebaums Analysen zu autokratischen Machtsystemen und ihren Agenten weiterhin gültig, alles andere als gestrig.

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