Tuesday, July 23, 2024

Christian Drosten: „Ich denke, wir sollten mit offenem Visier an die Sache herangehen“

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Der Virologe Christian Drosten hat sich erneut für eine offene Aufarbeitung der Corona-Pandemie ausgesprochen. „Oft heißt es, eine Aufarbeitung befördere nur falsche Diskussionen. Aber ich denke, wir sollten mit offenem Visier an die Sache herangehen“, sagte Drosten der „Süddeutschen Zeitung“. Das Thema sei nicht weg, es köchele im Hintergrund. „Man sollte es nicht denen überlassen, die gerne köcheln.“

Konkret sollten Politik, Medien und Wissenschaft die Aufarbeitung übernehmen. So müsse sich die Wissenschaft „mit ihrer Kommunikation und ihrem öffentlichen Auftreten beschäftigen“. Es gehe etwa um die Frage, wie man eine Botschaft in die Öffentlichkeit setze, ohne dass sie verdreht werde, so der Virologe.

Drosten hat gemeinsam mit dem Journalisten Georg Mascolo ein Buch über die Pandemie geschrieben. Er wolle damit noch einmal „belegen, was gewesen ist“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. „In der Öffentlichkeit kursieren mittlerweile allerhand verdrehende Interpretationen zur Pandemie.“ Es ärgere ihn beispielsweise, „wenn so getan wird, als wäre am Anfang schon alles so harmlos gewesen wie nach zwei Jahren Impfprogramm“.

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Über die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte er in dem Interview: „Sie hat sich eingedacht in das Thema, ich habe mich von ihr als Wissenschaftler verstanden gefühlt – und auch geschützt.“ Von Merkel habe man nie „auch nur den geringsten Impuls“ gehört, Entscheidungen auf Wissenschaftler zu schieben. „Das habe ich leider von anderen Spitzenpolitikern durchaus erlebt.“

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Seine „größte Fehleinschätzung“ während der Pandemie sei gewesen, „dass ich nicht glauben konnte, dass die Alpha-Variante so viel übertragbarer war als die bisherige“, sagte Drosten. Die durch Mutation entstandene Variante verbreitete sich in Deutschland ab Anfang 2021, bevor sie von der Delta-Variante verdrängt wurde.

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Mit Blick auf ein Papier, in dem die Virologen Hendrik Streeck und Jonas Schmidt-Chanasit vor der Winterwelle 2020/21 gemeinsam mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) deutlich weniger Maßnahmen gefordert hatten, sagte Drosten, dies sei in Fachkreisen „eine Minderheitenmeinung“ gewesen. Die Gesellschaft für Virologie und die großen Wissenschaftsorganisationen hätten sich dagegengestellt.

„Ich dachte also, die zentrale Position der Wissenschaft wäre klar.“ Stattdessen habe die Minderheitenmeinung in den Medien „das gleiche Gewicht“ bekommen wie die Mehrheitsmeinung, kritisierte Drosten. „Ich konnte nicht mehr sagen, da stelle ich mich jetzt als Person dagegen, das wurde einfach zu kontrovers.“ Er bedauere, dass er zu diesem Zeitpunkt nicht deutlicher gewarnt habe.

„Reine Politik, in die ich nicht involviert war“

Erneut widersprach Drosten der Darstellung, er habe früh zu Schulschließungen geraten. In der Ministerpräsidentenkonferenz am 12. März 2020 habe er dies nicht getan, Schulschließungen stünden auch nicht im Ergebnisprotokoll der Sitzung. „Dass dennoch am nächsten Tag ein Bundesland nach dem anderen die Schulen schloss, war reine Politik, in die ich nicht involviert war.“

Als im Herbst 2020 schließlich klar war, dass sich Kinder und Erwachsene gleich häufig infizierten, sei die Infektionskontrolle „eine politische Güterabwägung“ gewesen. „Schulen, Arbeitsstätten, Gastronomie – so die groben Kategorien.“ In Deutschland habe die Politik stärker bei den Schulen angesetzt. Er selbst sei zu diesem Zeitpunkt „nur noch wenig in die Politikberatung eingebunden“ gewesen, betonte der Virologe.

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