Monday, July 15, 2024

Formbarometer Frankreich ohne Mpappé zahnlos – und niemand beeindruckt bislang so sehr wie Spanien

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Rund um die Nikolaikirche war schon am Freitagnachmittag alles in Orange gehüllt. Tausende Fans der niederländischen Nationalmannschaft bevölkerten die Fußgängerzone in der Nähe des ältesten Wahrzeichens von Leipzig und stimmten sich in den Bars und Cafés auf die abendliche Highlightbegegnung ein: das Spiel gegen Frankreich.

Einige Fans trugen Trikots der alten Helden wie Frank de Boer oder Wesley Sneijder spazieren, die meisten aber hatten die aktuellen Sweater mit dem Rückenaufdruck von Virgil van Dijk oder Memphis Depay angezogen. Alle vereint gekleidet in der Signalfarbe Orange.

Gäbe es nach Zweidritteln der absolvierten Vorrundenspiele bei der Fußball-Europameisterschaft einen Fanpokal zu verteilen – die begeisterungsfähigen und friedfertigen Anhänger des Nachbarlandes von der Nordsee hätten ihn mehr als verdient. Was sich schon beim Auftakt in Hamburg gegen Polen (2:1) in beeindruckenden Choreografien und lustigen Fanmärschen gezeigt hatte, setzte sich nun in Sachsen fort.

Griezmann mit Slapstick-Einlage

Ein paar Stunden später war auch ein Großteil der Arena fest in Hand der Niederländer. Und zwar nicht nur auf den Tribünen, sondern zumindest zu Beginn des Spiels auch auf dem Platz. Bereits in der ersten Minute hätte Leverkusens Jeremie Frimpong die eigenen niederländischen Zuschauer in Ekstase versetzen können, doch bei seinem Versuch von Rechtsaußen bekam er nicht mehr genügend Druck auf den Ball, sodass Mike Maignan ohne Probleme parieren konnte.

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Auf der Gegenseite prüfte Antoine Griezmann mit einem Fernschuss Torwart Bart Verbruggen (4.). Zehn Minuten später hätte der Kapitän der Franzosen das 1:0 – pardon, verzeihen Sie – MACHEN MÜSSEN, als er einen kurzen Pass von Adrien Rabiot nur noch mit rechts hätte einschieben müssen. Stattdessen schlug Griezmann ein Luftloch.

Kapitän Antoine Griezmann (r.) scheitert an Bart Verbruggen im Tor der Niederländer

Kapitän Antoine Griezmann (r.) scheitert an Bart Verbruggen im Tor der Niederländer
Quelle: AP/Hassan Ammar

Zumindest in dieser Szene schien es so, als wären die Franzosen ohne den verletzten Kylian Mbappé (Nasenbeinbruch) im Angriff nur die Hälfte wert. Und auch nach dem Wechsel war es Griezmann, der erneut kläglich scheiterte, als er frei vor Verbruggen den zweiten Hochkaräter der Partie vergab und nur den Torwart traf, der den Ball noch zur Ecke abwehren konnte (65.).

Noch zur Tatenlosigkeit verdammt: Kylian Mbappé verschlägt es auf der Ersatzbank der Franzosen die Sprache

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Quelle: REUTERS

Und dann sah es kurzzeitig so aus, als würde sich der ganze Chancenwucher von Griezmann tatsächlich noch rächen. RB Leipzigs Xavi Simons traf fulminant rechts unten in das Tor der Franzosen, doch nach einer gefühlt elend langen Unterbrechung wurde der Treffer vom Videoschiedsrichter wegen einer Abseitsstellung von Denzel Dumfries aberkannt (68.).

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Danach hielt das Spiel kaum mehr das, was sich die Fans beider Lager vorher versprochen hatten: eine der besten Vorrundenbegegnungen der EM. Beide Titelkandidaten brachten das torlose Remis ohne größere Aufregung insZiel. Mit vier Zählern nach zwei Spielen haben beide in der Staffel D beste Chancen auf den Achtfinaleinzug.

Furiose Spanier

Mit der Partie in Leipzig waren 21 der insgesamt 51 EM-Spiele absolviert. Grund genug, eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen und die Mannschaften mit den besten Aussichten auf den Titelgewinn am 14. Juli im Berliner Olympiastadion zu beleuchten.

Die Nation, die bei den 17. kontinentalen Titelkämpfen bislang am meisten beeindruckt hat, ist Spanien. Wo früher das von Pep Guardiola beim FC Barcelona eingeführte Tikitaka mit endlosen (und manchmal auch enervierenden) Ballstafetten auch zur DNA der „Furia Rocha“ zählte, ist nun eine komplette Abkehr von diesem Spielstil zu erkennen. Für die Auswahl von Luis de la Fuente scheint es nur eine Richtung auf dem Feld zu geben: ab nach vorn.

Juvenile Flügelzange: Lamine Yamal (l.) und Nico Williams

Juvenile Flügelzange: Lamine Yamal (l.) und Nico Williams
Quelle: AFP/KENZO TRIBOUILLARD

Angetrieben von den beiden Mittelfeldstrategen Rodri und Fabian ist es vor allem die Flügelzange, die bislang bei dieser EM ihresgleichen sucht. Der erst 16-jährige Lamine Yamal treibt über die rechte Außenbahn an, sein Pendant auf links ist Nico Williams (21). Zusammen mit einer Abwehr, die gegen die beiden Mitfavoriten aus Kroatien (3:0) und Italien (1:0) fast nie in Gefahr geriet, scheint diese Mannschaft extrem titelbereit zu sein.

Das trifft auch auf die deutsche Auswahl zu, wenngleich nicht die gleiche spielerische Wucht wie bei den Spaniern zu beobachten ist. Trotzdem stimmen beide Auftritte des Teams von Bundestrainer Julian Nagelsmann gegen Schottland (5:1) und Ungarn (2:0) durchaus optimistisch.

Florian Wirtz, Jamal Musiala

Die deutschen Hoffnungen auf einen EM-Triumph werden vor allem von Florian Wirtz (l.) und Jamal Musiala getragen
Quelle: dpa/Sven Hoppe

Nach schmachvollen Leistungen mit dem zweimaligen WM-Vorrundenaus und der Achtelfinalpleite vor drei Jahren bei der EM gegen England steht wieder eine echte Mannschaft auf dem Feld, die mit dem Heimfaktor im Rücken nach Spanien allerbeste Aussichten auf den EM-Triumph besitzt. Allerdings könnten sich die Wege der beiden bislang beeindruckendsten Nationen schon im Viertelfinale kreuzen.

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Ungeimpfter Fußballstar

Während die gleichsam hoch gehandelten Mannschaften aus England, Belgien und Portugal noch rätselhaft bei der EM unterwegs sind und bislang nicht an ihr Limit gehen konnten, zählt die Türkei zu den positiven Überraschungen der EM.

Das 3:1 gegen Georgien in der Wasserschlacht von Dortmund bot alles, wofür man den Fußball liebt: konsequentes Spiel nach vorn, Traumtore und viel Leidenschaft. Das wird zwar am Ende nicht zum Titelgewinn führen, ist aber angesichts des peinlichen Auftretens bei der EM 2021 mit drei Niederlagen in drei Spielen eine recht bemerkenswerte Leistungsexplosion.

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