Tuesday, June 25, 2024

Benzin: Viele Tankstellen wollen E5 jetzt abschaffen – WELT

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Geht es um die Benzinsorten an den Tankstellen, dann sind andere Länder deutlich konsequenter im Umgang mit den Autofahrern, als das in Deutschland der Fall ist. So hat Österreich erst vergangenes Jahr Superbenzin E10 eingeführt, damit aber direkt auch das herkömmliche Superbenzin E5 abgeschafft. E10 steht für einen Anteil von zehn Prozent Bioethanol, E5 für fünf Prozent. Der Bioanteil senkt den CO₂-Ausstoß der Automotoren.

Nachdem im Nachbarland die alten Tanks geleert sind und es keinen Nachschub mehr gibt, ist bis auf wenige Ausnahmen nur noch die Sorte Superbenzin E10 an den rund 2700 Stationen zu finden. Ähnlich läuft es in der Tschechischen Republik, auch dort schafft der Staat gerade das Superbenzin E5 ab und ersetzt es durch Superbenzin E10. Die Regierung in Prag begründet den Schritt mit den Klimaschutzzielen und der Pflicht zur Erfüllung von EU-Vorgaben. Ebenso halten es einige Länder Skandinaviens.

Ganz anders ist das Bild in Deutschland – zumindest bislang. Noch steht der Staat davor, dass Superbenzin E5 abgeschafft werden darf. Die Benzinsorte wird im Gesetz als „Schutzsorte“ definiert und muss von den Tankstellen vorgehalten werden. Eine Ausnahme bilden Tankstellen an Supermärkten.

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„Zielverfehlung“

Laut Daten des Automobilclubs ADAC entfallen vom Kraftstoffabsatz aktuell etwa 26 Prozent auf Superbenzin E10 und weitere drei Prozent auf das teurere Super Plus sowie einige wenige Premiumsorten. Das heißt aber auch: 13 Jahre nach der Markteinführung von Superbenzin E10 tanken noch immer rund 70 Prozent der Fahrer von Autos mit Benzinmotoren Superbenzin E5. Und das, obwohl diese Sorte an den meisten Stationen sechs Cent je Liter teurer verkauft wird.

Doch nun gibt es offensichtlich einen Stimmungswandel, auch wenn dieser Wandel zunächst nur den Mittelstand des Tankstellengewerbes erfasst. Deren Verbände wollen beim Gesetzgeber erreichen, dass sich der Tankstellenbetreiber für eine der beiden Sorten entscheiden darf. Ein Grund dafür ist der Platzbedarf an den Zapfsäulen. Ein Teil der Branchenunternehmen führt gerade eine neue Dieselsorte ein, HVO 100 genannt.

Das Kürzel bedeutet Hydrotreated Vegetable Oils (also: „mit Wasserstoff behandelte Pflanzenöle“), der Kraftstoff wird aus biogenen Rest- und Abfallstoffen wie gebrauchtem Speiseöl hergestellt. Er senkt nach Angaben der Tankstellenverbände den CO₂-Ausstoß um bis zu 90 Prozent. Gerichtet ist das Angebot vor allem an Flottenbetreiber von Dieselfahrzeugen. Ob es die Einführung von HVO 100 betrifft oder ob es neue synthetisch hergestellte Benzinsorten sein werden – Fakt ist, dass die Tankstellenpächter Platz an der Zapfsäule benötigen.

„Mittelfristig brauchen wir nur zwei Benzinsorten und nicht drei. In unseren Nachbarländern ist das längst der Fall“, sagt Duraid El Obeid, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands freier Tankstellen und Geschäftsführer des BMV Mineralöl Handel. Der Verband vertritt mittelständische Unternehmen mit zusammen 2800 Stationen.

Noch keine gemeinsame Forderung

Allerdings soll es – anders als in unseren Nachbarländern – eine längere Übergangsfrist geben. „Ich könnte mir vorstellen, dass der Verkauf von Superbenzin E5 zum Jahresende 2025 eingestellt wird“, sagt El Obeid. Derzeit werde über das Thema mit der Politik debattiert, eine gemeinsame Forderung der Branche existiere noch nicht.

Auch der Branchenverband Uniti, in dem rund 6000 mittelständische Tankstellen organisiert sind, fordert eine Reform des Gesetzes. „Dass das federführende Bundesministerium für Umwelt- und Naturschutz bislang nicht auf die entsprechenden Wünsche der Kraftstoffbranche eingegangen ist, halten wir für ärgerlich und unverständlich“, sagt Uniti-Hauptgeschäftsführer Elmar Kühn.

Auch der Umweltschutz spielt in der Argumentation eine Rolle. „Wenn wir die hohen Ansprüche bei der Reduzierung der CO₂-Emissionen erreichen wollen, kommen wir um ein Ende von Superbenzin E5 nicht umhin“, sagt Unternehmer El Obeid. Schließlich reduziert Superbenzin E10 effektiver die Emissionen. Auch eine Verdoppelung des Bioanteils ist möglich. Derzeit laufen Tests etwa in Mannheim mit Superbenzin E20.

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Hoffnung für Energiewende

Die großen Ketten warten die Situation ab. „Wir planen aktuell keine Benzinsorte aus dem Angebot zu nehmen, das betrifft Superbenzin E5 wie auch Superbenzin E10“, sagte kürzlich BP-Europachef Patrick Wendeler im WELT-Gespräch. Zu BP gehört die größte deutsche Tankstellenkette Aral.

Unterstützung kommt dagegen aus einigen Bundesländern. In Bayern wirbt Landeswirtschaftsminister Hubert Aiwanger für das Ende von Superbenzin E5. Gemeinsam mit dem Nachbarland Baden-Württemberg hat Aiwanger eine entsprechende Initiative über den Bundesrat gestartet. Ziel ist es, den Tankstellen zu überlassen, welche Sorten sie anbieten wollen.

Aus der Autofahrer-Lobby kommen Bedenken. „Aus unserer Sicht ist es noch zu früh, Superbenzin E5 einzustellen und nicht mehr anzubieten“, sagt Christian Laberer, Kraftstoffmarktexperte beim ADAC. Mittelfristig könne sich diese Position des ADAC ändern, wenn sich das Verbrauchervertrauen erhöhe. Umso wichtiger sei Klarheit in der Frage, welche Autos nicht für diese Benzinsorte freigegeben sind. „Früher oder später ist denkbar, dass dafür an den Tankstellen eine vorhandene Benzinsorte wegfällt, um Platz für neue, klimaschonendere Kraftstoffsorten zu schaffen“, sagt Laberer.

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Die hohe Absatzmenge der herkömmlichen Benzinsorte verwundert jedoch auch beim ADAC. „Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind. Fast immer unbegründete technische Bedenken sind nach wie vor der Hauptgrund für Autofahrer, Superbenzin E5 statt Superbenzin E10 zu tanken“, sagt Laberer.

Das Argument, dass diese Autofahrer auf Super Plus oder gar Premiumsorten ausweichen können, verfängt beim ADAC dennoch nicht. „Super Plus ist um etwa zehn Cent je Liter teurer als Superbenzin E5, Premiumsorten liegen nochmal deutlich darüber“, sagt Laberer. Nutzer der betroffenen, zumeist älteren Fahrzeuge könnten sehr wohl auch Studenten oder alleinerziehende Mütter sein, die auf ihr Geld schauen müssten und auf ihr Auto angewiesen seien.

Beim Umweltschutz spricht aus Sicht des ADAC vieles für Veränderungen im Angebot an der Tankstellen. Die angestrebten Reduktionsziele der Emissionen im Autoverkehr könnten nur über den Einsatz neuartiger Kraftstoffe erreicht werden. „Wir brauchen mehr Klimaschutz auch bei den Bestandsfahrzeugen“, sagt Laberer.

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Laut Wissenschaftlern des Instituts Automotive Powertrain benötigen nur wenige Autos Superbenzin E5. Die Forscher kommen auf die Zahl von knapp einem Prozent unter den Automodellen der fünf großen Hersteller Volkswagen, Mercedes-Benz, Opel, Ford und BMW. Zumeist sind es ältere Modelle aus dem vergangenen Jahrtausend. „Bei den wenigen Fahrzeugen und in Anbetracht der erheblichen CO₂-Einsparung ist es den Fahrzeughaltern zuzumuten, Super-Plus zu tanken“, sagt Thomas Heinze, Leiter dieses Instituts an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes.

Würden alle Benzinfahrzeuge, die Superbenzin E10 vertragen, damit auch betrieben, könnten nach diesen Daten im Verkehrssektor in Deutschland etwa 2,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart werden. Die Studie hat der Uniti-Verband der mittelständischen Tankstellenbetreiber in Auftrag gegeben.

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