Sunday, June 16, 2024

Hisbollah: Mit diesem Schritt wächst die Gefahr einer Eskalation im Nahen Osten

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Die Musik ist dramatisch. Wie bei einem US-Thriller wird das Ziel im Norden Israels auf einer digitalen Karte fokussiert, stilecht piepst es dazu. Dann sieht man das Bild der Drohnen-Kamera, eine Raketenbatterie kommt immer näher und näher. Dann nur noch Qualm. Wenn das Video der libanesischen Hisbollah-Miliz vom Donnerstag authentisch ist, dann zeigt es die erste Zerstörung einer Anlage des israelischen Raketenabwehrsystems Iron Dome durch eine Drohne der Hisbollah. Es wäre das Dokument einer Eskalation, durch die das Risiko einer Ausweitung des Gaza-Krieges auf die Region heute höher ist als jemals seit den ersten Tagen des Konflikts.

Bisher blickt die Welt wie gebannt auf den Gaza-Streifen im Süden Israels. Doch in Israel selbst spitzt sich eine Debatte über eine Ausweitung des Krieges gegen die schiitische Hisbollah im nördlichen Nachbarland des jüdischen Staates zu. „Wir sind bereit zu einer extrem machtvollen Aktion im Norden“, schrieb Israels Premierminister Benjamin Netanjahu auf X nach einer Sondersitzung des Kriegskabinetts.

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Ausweitung der Kämpfe

Generalstabschef Herzl Halevi kommentierte die Lage im Norden mit den Worten: „Starke Verteidigung, Bereitschaft für eine Offensive – wir nähern uns dem Moment einer Entscheidung.“ Vorausgegangen waren Drohnen- und Raketenangriffe der Hisbollah gegen den Ort Hurfesch im Norden Israels, bei denen elf Menschen starben, und weitere Attacken, die große Waldbrände in der Gegend der Stadt Kiriat Schmonah ausgelöst hatten.

Und eben jener Drohnenangriff auf die Luftabwehrstellung bei Ramot Naftali. Es sind Angriffe einer neuen Qualität. In den vergangenen Monaten schien der Schlagabtausch zwischen Israel und der Hisbollah lange symbolischen Charakter zu haben.

„Hisbollah ist effektiver als gedacht“

Selbst als Israel dazu überging, Hisbollah-Kommandeure aus der Luft zu liquidieren und schließlich hochrangige Befehlshaber der mit der Hisbollah verbündeten iranischen Revolutionsgarden bei einem Schlag gegen das iranische Konsulat in Damaskus tötete, reagierte zwar der Iran mit einem Großangriff, doch die Hisbollah hielt sich weiter zurück.

Nun geraten jedoch zunehmend israelische Bevölkerungszentren ins Visier der libanesischen Miliz. Wie der Schlag gegen die Iron-Dome-Batterie zeigen sie: Israel ist im Norden überraschend verwundbar. „Die Hisbollah ist effektiver, als wir gedacht hatten“, sagt eine hochrangige Quelle aus Israels militärstrategischem Analyseapparat.

„Das fördert in Teilen des Generalstabs das Bedürfnis, die Abschreckungsfähigkeit im Norden wieder herzustellen. Im Moment liegen alle Optionen auf dem Tisch, bis hin zu einem Bodenkrieg. Die Debatten sind derzeit sehr intensiv.“

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Naher Osten

Nach Medienberichten hatte Israels Verteidigungsminister Joav Gallant schon direkt nach dem Angriff der Terrormiliz Hamas am 7. Oktober nicht nur ein Vorgehen gegen deren Bastion im Gaza-Streifen gefordert, sondern auch einen Krieg gegen die mit der Hamas verbündete Hisbollah. Das Eingreifen der USA verhinderte dies in letzter Minute. Nicht ohne Grund fürchtet Washington, dass sich ein Krieg mit der Hisbollah zu einem Großkonflikt in der Region ausweiten könnte.

Wie die Hamas ist die Hisbollah mit dem Iran verbündet, aber sie ist weitaus wichtiger für die Kleriker-Führung in Teheran. Mit ihrem Arsenal von etwa 150.000 Raketen und Marschflugkörpern kann die Hisbollah Israels Raketenabwehr stark unter Druck setzen und große Verluste unter der israelischen Zivilbevölkerung verursachen.

Sorge vor dem Armageddon

Letztlich ist dieses Arsenal aber auch die beste Lebensversicherung der iranischen Führung. Denn die eigenen Raketen des Iran sind zu weit entfernt stationiert, um von den israelischen Systemen nicht erkannt und abgefangen zu werden. Die iranische Luftwaffe ist durch die jahrzehntelangen Technologie-Sanktionen so ausgezehrt, dass sie kaum einen wirksamen Schutz darstellt.

Verliert der Iran die Raketen der Hisbollah, dann steht er weitgehend schutzlos dar. Und wie beim israelischen Generalstab gilt auch in der iranischen Führung: Der Eindruck von Schwäche erhöht den Druck, präventiv zuzuschlagen.

Darum könnte ein Krieg gegen die Hisbollah dazu führen, dass Teheran selbst gegen Israel eingreift und verbündete Milizen in anderen Ländern der Region Israel und dessen westliche wie arabische Verbündete angreifen lässt, etwa die Huthi-Rebellen im Jemen oder die Kataib Hisbollah und andere schiitische Milizen im Irak. Es wäre das Armageddon, vor dem sich die Region seit Jahren fürchtet.

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Vorschlag aus den USA

Hinter den Kulissen täten die USA derzeit alles, um Israel von einem großen Gegenschlag abzuhalten, schreibt der Journalist Barak Ravid im Nachrichtenportal Axios. Selbst ein begrenzter Krieg gegen die Hisbollah könne den Iran zur Intervention verleiten, warnten US-Offizielle. Aber auch im israelischen Generalstab gebe es Zweifel an der Kontrollierbarkeit einer Eskalation. Sie könne zahllose Israelis das Leben kosten. „Das man muss man verstehen, bevor man eine Entscheidung trifft“, so zitiert Ravid einen israelischen Militär.

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