Tuesday, June 25, 2024

Bastian Schweinsteiger im Interview: „Der Bundestrainer und Toni Kroos haben ja denselben Berater“

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Bastian Schweinsteiger war ein aufstrebender Youngster, als die Nationalmannschaft letztmalig ein großes Turnier im eigenen Land bestritt. Der Mittelfeldspieler wurde bei der WM 2006 nicht nur Teil des Sommermärchens, sondern legte in der Folge eine großartige Karriere hin, in der er 2014 Weltmeister werden sollte. Heute arbeitet der 39-Jährige als Experte für die ARD. Hier schätzt Schweinsteiger die Lage vor der Europameisterschaft ein.

Frage: Herr Schweinsteiger, vor zehn Jahren wurde Deutschland mit Ihnen Weltmeister. Wo stehen wir heute?

Bastian Schweinsteiger: Nicht mehr so weit oben. Wir waren nach dem großen Titel die Nummer eins der Weltrangliste und hatten es bei den Turnieren davor weit geschafft. Deswegen ist die Ausgangssituation jetzt vor der EM ein bisschen anders als die vor zehn Jahren. Aber du hast eben die große Chance, im eigenen Land vieles zurückzugewinnen. Das durften wir 2006 schon einmal miterleben, die Begeisterung zu entfachen ist fast schon wichtiger, als den Titel zu gewinnen.

Frage: Was heißt das?

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Schweinsteiger: Selbst wenn wir im Viertelfinale ausscheiden, aber einen tollen Fußball spielen und es der Nationalmannschaft gelungen ist, die Herzen der Fans wieder zurückzuerobern, dann haben wir einiges geschafft.

Frage: Wie weit kommt Deutschland?

Schweinsteiger: Ich hoffe, wir schaffen das Viertelfinale. Ein guter Auftakt gegen Schottland wäre extrem wichtig. Wenn du dort mit einem Sieg startest, dann springst du auf eine Euphoriewelle, die du dann mitnehmen musst. Wie bei uns 2006 mit dem 4:2 gegen Costa Rica.

Schweinsteiger mit Bundestrainer Nagelsmann

Schweinsteiger mit Bundestrainer Nagelsmann
Quelle: Getty Images/Alex Grimm

Frage: Was halten Sie von der Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Julian Nagelsmann vor der EM?

Schweinsteiger: Sie war auf der einen Seite richtig, weil du dir einen tollen Bundestrainer gesichert hast. Ob der Zeitpunkt der richtige war, weiß ich nicht. Wenn du jetzt nach der Gruppenphase ausscheidest, dann wirst du es als DFB mit Sicherheit wieder anzweifeln. Ich habe da keinen großen Zeitdruck gesehen. Ich hätte mir eher die Europameisterschaft angeschaut, wie alles läuft und hätte mich dann danach zusammengesetzt und geguckt, ob es weitergeht oder nicht. Aber vielleicht wollte die eine oder andere Seite das eben nicht so haben.

Frage: Hätte es für Sie als Spieler einen Unterschied gemacht, ob der Trainer eine „Lame Duck“ gewesen wäre?

Schweinsteiger: Ich fand es als Spieler nie belastend, wenn ich jetzt nicht gewusst habe, ob der Jogi Löw weitermacht oder nicht. Das hat keine Rolle gespielt.

Frage: Toni Kroos ist in die Nationalmannschaft zurückgekehrt. Wie hat er sich verändert, auch seit den Zeiten, als sie beiden noch zusammenspielten?

Schweinsteiger: Toni hat natürlich die guten und schlechten Erfahrungen bei der Nationalmannschaft bei den Turnieren mitgemacht. Da hat er beide Seiten gesehen. Toni hat sich im Vergleich zu 2014 gerade gegen den Ball extrem verbessert. Das fing damals bereits an. Mir gefällt es sehr, wie er die Zweikämpfe bestreitet. Dass Toni mit dem Ball ein exzellenter Spieler ist, weiß man. Wenn er seine Räume bekommt, dann ist er wie ein Quarterback. Wenn ihm natürlich jemand auf die Füße steigt, dann wird es auch für Toni schwieriger. Dann müssen eben andere einspringen.

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Frage: An wen denken Sie da?

Schweinsteiger: Da Joshua Kimmich jetzt als Rechtsverteidiger spielt, benötigst du einen defensiven Sechser, wie Robert Andrich, Emre Can oder auch Pascal Groß, die da die Position noch halten. Das ist extrem wichtig.

Frage: Hat Sie seine Rückkehr überrascht?

Schweinsteiger: Der Bundestrainer und Toni haben ja denselben Berater. Er hat auch als Spieler eine Chance gesehen, die Bilanz nach den schlechteren Turnieren der vergangenen Jahre etwas aufzupolieren. Er hat die Chance, es allen zu zeigen, denn es ist schon der Fall, dass wir in Deutschland den Toni nicht immer wertgeschätzt haben oder er ein bisschen zu kurz kam. Das gibt dir als Spieler natürlich die Motivation, es allen zu beweisen. Die Rückkehr ist für mich total verständlich, obwohl ich nicht gedacht hätte, dass er es macht.

Frage: Welche Bedeutung haben Florian Wirtz und Jamal Musiala aus Ihrer Sicht?

Schweinsteiger: Es ist extrem wichtig für uns, dass die beiden auf dem Platz stehen, mit ihrer Art und Weise, wie sie Fußball spielen. Da spreche ich nicht nur von dem Fußball mit dem Ball, sondern auch gegen den Ball. Da beeindrucken sie mich beide. Du merkst einfach den Unterschied, ob sie auf dem Platz stehen oder nicht. Wenn beide in Topform spielen, sind wir eine ganz andere Mannschaft.

Frage: Trauen Sie es den beiden zu?

Schweinsteiger: Wirtz und Musiala sind noch sehr jung, aber beide durften schon ihre Erfahrungen auf höchstem Niveau machen. Ich hoffe, dass die Spieler, die schon mehrere große Turniere gespielt haben, die beiden in die richtige Position auf dem Platz bringen und sie auch mental hineinversetzen. Damit sie auch verstehen, welche Bedeutung es hat. Da mache ich mir persönlich keine Sorgen.

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Frage: Kimmich wird als Rechtsverteidiger aufgestellt. Wie hätten Sie damals reagiert, wenn man Sie woanders hingeschoben hätte?

Schweinsteiger: Bei Joshua ist es ja so, dass man weiß, wie gut er als Rechtsverteidiger spielen kann. Das ist ein Luxusproblem im Mittelfeld. Hätten wir einen Top-Rechtsverteidiger gehabt, dann wäre die Situation für Joshua natürlich anders gewesen. Aber den haben wir aktuell nicht. Daher musste Nagelsmann allgemein schauen, wie er die Mannschaft insgesamt verbessern kann. Es hat auch nicht so gut geklappt, als Joshua in der Mitte gespielt hat. Deswegen finde ich Joshua auf der rechten Seite einfach exzellent. Auch bei Bayern beteiligt er sich mit dem Ball am Spiel. Das ist enorm wichtig, weil er uns da unglaublich viele gute Impulse geben kann.

Frage: Die Innenverteidigung war lange eine Baustelle. Hat man diese jetzt mit Antonio Rüdiger und Jonathan Tah geschlossen?

Schweinsteiger: So wie die beiden gespielt haben, hat es sehr gut harmoniert. Tah hat auch davon profitiert, dass er Spieler wie Andrich aus Leverkusen kennt. Toni Kroos lässt sich im Ballbesitz fallen, und dann sind sie zu dritt im Spielaufbau. Ich finde persönlich, Nico Schlotterbeck hat es in den wichtigen Spielen auch sehr gut gemacht. Er gibt der Mannschaft schon sehr viel, auch mit seinem starken linken Fuß. Dieser Spielertyp gefällt mir persönlich schon sehr. Man muss ihn nur ein bisschen führen, und dann wird er auch konstant seine Leistung bringen. Aber ich glaube, mit Jonathan Tah, der sich bei Leverkusen unfassbar gut entwickelt hat, und Antonio Rüdiger hast du schon mal zwei Fixpunkte.

Frage: England ist bei den Wettanbietern der Favorit. Wem rechnen Sie die größten Chancen aus?

Schweinsteiger: Frankreich, England und Kroatien. Frankreich hat einfach den besten Kader. Mal schauen, ob die Gier noch da ist. Zuletzt bei den Länderspielen hat man die nicht mehr so gehabt. Die Engländer habe ich auf der Rechnung wegen Spielertypen wie Jude Bellingham, Phil Foden, Kyle Walker, Bukayo Saka und Declan Rice. Mit ihnen können sie den Glauben haben, etwas gewinnen zu können. Kroatien ist über die letzten Jahre immer etwas abgetaucht vom Radar, aber sie waren dann eigentlich immer mindestens im Halbfinale. Die Überraschungsmannschaft wäre für mich ganz klar Österreich. Leider haben sich Alaba und Schlager verletzt. Das tut ihnen weh. Aber sie sind eine Mannschaft, die extrem schwierig zu bespielen ist.

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Das Interview wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, SPORT BILD, BILD) geführt und zuerst in SPORT BILD veröffentlicht.

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