Saturday, June 22, 2024

BVB: Linke kritisiert Sponsorendeal – „Rheinmetall steht für schlimmste Verkrüppelungen, Leid, Tod“

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Der Sponsoring-Deal von Champions-League-Finalist Borussia Dortmund mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall hat für heftige Kritik bei den Linken in Nordrhein-Westfalen gesorgt. „Sport soll die Völker und Menschen verbinden. Ein Werbevertrag mit einem Unternehmen, das für schlimmste Verkrüppelungen, Leid und Tod durch die Waffenproduktion mitverantwortlich ist, darf keine Vorbildwirkung in der Sporterziehung bekommen“, sagte Landessprecher Sascha H. Wagner.

Die Verbindung sei „ein böses Foulspiel“, sagte Wagner: „Der Rüstungskonzern lebt von dem Geschäft mit dem Tod.“ Man fordere deshalb den Verein auf, „in Anbetracht der derzeitigen kriegerischen Eskalationen, diesen unmoralischen Deal rückgängig zu machen“.

Der BVB und Rheinmetall hatten am Mittwoch die Zusammenarbeit in den kommenden drei Jahren öffentlich gemacht. Zum finanziellen Volumen wollte sich ein Sprecher der Düsseldorfer Firma nicht äußern. Die Partnerschaft umfasst den Angaben zufolge die Nutzung reichweitenstarker Werbeflächen, Vermarktungsrechte sowie Event- und Hospitality-Angebote im Stadion und auf dem Vereinsgelände. Rheinmetall wird zum „Champion Partner“ des BVB, also zum finanziell besonders wichtigen Sponsor. Nach Informationen der BILD bringt der Dreijahres-Vertrag dem BVB insgesamt 20 Millionen Euro ein.

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Für Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck ist der Deal des Rüstungskonzerns unterdessen Ausdruck einer neuen Lage. „Dass Rheinmetall jetzt einen Fußballverein sponsert, ist in der Tat erst einmal ungewöhnlich, aber es zeigt, wo wir stehen“, sagte der Grünen-Politiker am Mittwoch.

Man sei in ständigem Kontakt mit Rheinmetall, damit das Unternehmen noch mehr Munition zur Unterstützung der Ukraine produziere, sagte der auch für Rüstungsexporte zuständige Minister. „Wir wissen und müssen es leider zugeben, dass wir in einer anderen, bedrohlicheren Welt sind.“ Deswegen sei „die ja eingeübte und auch so verständliche Zurückhaltung“ im öffentlichen Umgang mit der Rüstungsbranche nicht mehr haltbar und richtig, sagte Habeck. „Insofern spiegelt dieses Sponsorship sicherlich auch ein Stück weit die Realität der Zeitenwende wider.“

Watzke weist auf Eckpfeiler der Demokratie hin

Das für Sport zuständige Bundesinnenministerium wollte den Rheinmetall-BVB-Deal nicht kommentieren. Man äußere sich grundsätzlich nicht zu Sponsoringvereinbarungen von Sportclubs, sagte ein Ministeriumssprecher.

BVB-Chef Hans-Joachim Watzke wies darauf hin, dass Sicherheit und Verteidigung Eckpfeiler der Demokratie seien. „Deshalb halten wir es für die richtige Entscheidung, uns sehr intensiv damit zu beschäftigen, wie wir diese Eckpfeiler schützen.“ Man freue sich auf die Zusammenarbeit und öffne sich „als Borussia Dortmund ganz bewusst für einen Diskurs“. Rheinmetall-Chef Armin Papperger zeigte sich zufrieden. „Mit dem BVB und Rheinmetall haben sich zwei Partner gefunden, die mit ihren Ambitionen, ihrer Haltung und ihrer Herkunft gut zueinanderpassen“, sagte der Rüstungsmanager.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke
Quelle: pa/firo Sportphoto/Ralf Ibing

Der von Watzke angesprochene Diskurs könnte für die Dortmunder zu einem ungünstigen Zeitpunkt erfolgen und von sportlichen Themen vor dem Champions-League-Finale am Samstag gegen Real Madrid (21.00 Uhr, im Sport-Ticker der WELT) ablenken. „Es gibt jetzt nur noch ein einziges Thema, und das ist dieses Finale“, hatte BVB-Sportdirekor Sebastian Kehl noch am Dienstag gesagt: „Ich würde mir wünschen, dass wir uns auf dieses Spiel konzentrieren.“

Kritik von BVB-Fans und Pazifisten

Es dürfte das erste Mal sein, dass ein Rüstungskonzern einen Fußballklub sponsert – dem Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) ist kein vergleichbarer Fall bekannt. Der Verband begrüßte den Schritt. „Das Sponsoring ist ein Weg, um einer breiten Schicht der Bevölkerung das Gefühl zu vermitteln, dass Waffen für die Erhaltung unserer Sicherheit und unseres Friedens nichts ‚Unappetitliches‘ sind, sondern eben ganz normal zu unserer gesellschaftlichen Realität gehören, wenn wir in Frieden und Freiheit leben wollen“, sagte BDSV-Hauptgeschäftsführer Hans Christoph Atzpodien.

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