Tuesday, June 25, 2024

Elfriede Jelinek: Das steht im Stück der Nobelpreisträgerin über das „Remigrations“-Treffen

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Vor zehn Jahren wurde „Die Schutzbefohlenen“ von Elfriede Jelinek uraufgeführt. Es galt als „Stück der Stunde“: eine kollektive Anklage der Unmenschlichkeit und Doppelmoral in der Flüchtlingspolitik, basierend auf dem antiken Klassiker „Die Schutzflehenden“ von Aischylos. Später folgten mit „Appendix“, „Coda“ und „Epilog“ neue Stückteile, das Thema blieb aktuell. Nun verarbeitet die Literaturnobelpreisträgerin in „Die Schutzbefohlenen – Was danach geschah“ die Correctiv-Recherche über das rechte Treffen in Potsdam.

Wieder ist es ein Chor, dem die Autorin eine Stimme verleiht und der Klage erhebt. Und sich, typisch Jelinek, mit Kalauern behilft: „Kein Grund, kein Grundgesetz, keine Bürger – kein Bürgerrecht und keine Gleichheit, für niemanden, für uns schon gar nicht, wir verlieren die Rechte zuallererst, die Rechte will es so.“ Knapp 40 Seiten Text, nur durch ein paar Absätze gegliedert: „Bei uns haben Aussehen, Diskriminierung und Rassismus keinen Platz, sagen sie, in Afrika haben sie mehr Platz, ist doch gut.“

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Indem Jelinek den namen- und gesichtslosen Chor zum Protagonisten macht, schafft sie einen Gegenentwurf zu der Inszenierung von Kay Voges am Berliner Ensemble. Kurz nach Veröffentlichung wurde das Personal des Potsdamer Treffens – unterbrochen durch Correctiv-Werbeblöcke – satirisch überspitzt vorgeführt. Viel empörte Selbstgefälligkeit, die einer tieferen Kritik im Weg stand, wie auch bei den großen Demonstrationen gegen Rechts. Von Jelineks Chor darf sich hingegen auch die „Mitte der Gesellschaft“ angesprochen fühlen.

Am Schauspielhaus Bochum bringt Intendant Johan Simons am 2. Juni den Text nicht auf die Bühne, sondern auf die Treppen zum Vorplatz – als „Intervention in den Stadtraum“, bei freiem Eintritt. Schauspieler und Laien bilden einen bunten Chor, gegen völkische Reinheitsfantasien. Und gegen jene Wohlstandsverwahrlosten, die Freude nur empfinden, wenn sie seichte Popliebeshymnen mit ihrem dümmlichen Überlegenheitsgegröle zusätzlich verunstalten und sich so auf die EM eingrooven. Wie heißt es bei Jelinek? „Es wird Abend im Abendland.“

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