Sunday, June 16, 2024

Bochums Wunder: „Als der letzte Schuss übers Tor geht, bricht es aus dir raus, das ist Ekstase pur“

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Er zählte nicht zu den strahlendsten Helden an diesem denkwürdigen Abend. Während die Spieler Freudentränen verdrückten und ihren Torwart Andreas Luthe in die Höhe warfen, stand Bochums Sportchef Patrick Fabian ein wenig abseits und ließ den sensationellen Ausgang der Relegation auf sich wirken. Er sei „einfach nur leer“, sagte Fabian, der es noch gar nicht fassen konnte, dass es dem VfL doch noch gelungen war, die Klasse zu halten und in der ersten Liga zu bleiben.

Das Drama von Düsseldorf hatte ihn mitgenommen. Die Bochumer waren mit einer 0:3-Hypothek aus dem Hinspiel angereist, hatten sich im Rückspiel erst in die Verlängerung gekämpft und schließlich im Elfmeterschießen doch noch das rettende Ufer erreicht. „Als der letzte Schuss übers Tor ging, bricht es aus dir raus, das ist Ekstase pur“, erklärte Fabian: „Aber trotzdem bist du platt, die ganzen letzten Wochen waren Wahnsinn.“

Trainer Letsch entlassen

Diese Wochen, tatsächlich waren es eher Monate, waren an die Substanz gegangen – psychisch wie auch physisch. Am 18. Februar, der VfL hatte den FC Bayern 3:2 besiegt, galten die Bochumer bereits als nahezu gerettet: Tabellenplatz elf, neun Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Was sollte da schon noch passieren?

Fabian wurde für die Mannschaft gelobt, die er mit wenig Mitteln zusammengestellt hatte. Er ging damals daran, die Zukunft für ein sicher geglaubtes weiteres Jahr in der ersten Liga zu planen. So etwas ist für den finanzschwachen VfL nie eine Selbstverständlichkeit.

Relegation Play-Offs - Final - Second Leg - Fortuna Dusseldorf v VfL Bochum

Patrick Fabian (r.) gemeinsam mit Bochums Torwart Andreas Luthe, der nach dem Spiel seinen Rücktritt erklärt
Quelle: REUTERS

Doch von da an ging so gut wie nichts mehr. Es folgte Niederlage auf Niederlage. Als dann am 28. Spieltag trotz einer 1:0-Führung beim 1. FC Köln noch 1:2 verloren wurde, entschloss sich Fabian zu einem Schritt, den er kurz zuvor noch komplett ausgeschlossen hatte: Er trennte sich von Trainer Thomas Letsch, dem Mann, mit er eigentlich die Zukunft gestalten wollte.

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Die Nachfolgesuche geriet zum Fiasko: Es hagelte Absagen – von einem Kandidaten, Peter Stöger, wurde Fabian sogar öffentlich vorgeführt. Der österreichische Trainer sagte, er hätte zwar „überlegt, den Job anzunehmen, um mich wieder ins Gespräch zu bringen“, dann aber trotzdem abgesagt. Fabian stand im Regen.

Patrick Fabian

Bochum-Manager Patrick Fabian
Quelle: dpa/Tim Rehbein

Also machte er Heiko Butscher, so etwas wie die ewige Bochumer Notlösung, zum Interimscheftrainer. Es blieb holprig und hagelte Kritik – an Butscher, an den Spielern und an Fabian. „Was man da alles wegmoderieren musste, womit man da konfrontiert wurde – ey, Leute, es geht auch immer noch um Menschen da draußen“, sagte der Sport-Geschäftsführer am Montag.

Die Heftigkeit der Vorwürfe hätten ihn getroffen. „Das hat extrem viel Kraft gekostet. Es wurde so viel erzählt, so viel Bullshit verbreitet. Das geht auf keine Kuhhaut. Damit tue ich mich auch ganz, ganz schwer“, erklärte Fabian. Es habe ihn vor allem deshalb getroffen, weil er geglaubt habe, „dass wir beim VfL diesen Weg nicht so mitgehen.“ Ein bisschen mehr Verständnis, ein bisschen mehr Maß habe er erwartet.

Plötzlich nicht mehr erstligareif?

Damit meinte Fabian vor allem die spätestens seit der 0:3-Hinspiel-Niederlage in der Relegation wabernden Gerüchte: Von der bevorstehenden Abberufung von Sportdirektor Marc Lettau, Fabians wichtigstem Mitarbeiter, war die Rede. Auch Fabian selbst solle vor dem Aus stehen, hatte es geheißen. Denn die von ihnen zusammengestellte Mannschaft, die noch bis in den Februar hinein so gelobt wurde, sei nicht erstligareif – hatte es geheißen.

Zumindest die Antwort darauf hätten die Spieler am Montag in Düsseldorf gegeben – in einer schier ausweglos erscheinenden Situation. Das mache ihn stolz, sagte Fabian. „Von daher genießen wir erstmal alle diesen Triumph hier. Was wir geschafft haben, zählt zu den größten Comebacks der Fußball-Geschichte“, erklärte er. Wie es weitergeht, werde man sehen – auch in eigener Sache.

Seine persönliche Zukunft ließ Fabian zu dieser mitternächtlichen Stunde in Düsseldorf jedenfalls bewusst offen. „Ich bin ehrlich, das werden wir sehen. Mir haben viele Dinge in den letzten Wochen und Monaten nicht gefallen. Das hat sich auch durch diesen Sieg nicht geändert“, sagte er. Dabei schien der 36-Jährige auch an all den Stress, den Ärger und die Kritik zu denken, die eine exponierte Position in diesem Geschäft so mit sich bringt. Besonders dann, wenn man sie für einen Klub ausübt, der nicht auf Rosen gebettet ist.

Bereits vor einem Jahr hatte Fabian dies gespürt. Im März 2023 hatte er sich aus gesundheitlichen Gründen eine viermonatige Auszeit genommen. Details wurden damals nicht bekannt. Fabian hatte um Rücksicht auf seine Privatsphäre gebeten. „Manchmal gibt es Themen, die größer sind als Fußball“, hatte er gesagt.

Nach der Last-Minute-Rettung von Düsseldorf kündigte Fabian an, sich in den kommenden Tagen mit der Klubführung zusammensetzen zu wollen. Dann soll darüber gesprochen, wie es weitergehen wird – sportlich und überhaupt. Bis dahin wird er für sich eine Antwort darauf finden müssen, ob es das alles wert sei.

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