Saturday, June 22, 2024

Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer (†86): Abschied von „Mister Finanzplatz“ – WELT

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Im Juni 1999 war Rolf-Ernst Breuer für kurze Zeit auf dem Gipfel der Welt angekommen. Mit dem Vollzug der im Vorjahr angekündigten Übernahme des US-Instituts Bankers Trust avancierte die von ihm damals seit zwei Jahren als Vorstandssprecher geführte Deutsche Bank für einen Moment zum größten Geldhaus der Welt. In der Rückschau war das ein zwiespältiger Triumph.

Schließlich festigte der Zukauf die Dominanz des Investmentbankings, dessen lange Zeit nur lax kontrollierte Risikokultur das Frankfurter Geldhaus Jahre später in zahlreiche Skandale verwickeln und an den Rand des Untergangs führen sollte. Bleibendes Verdienst des Deals sei es aber, „dass die Deutsche Bank heute ihre Kunden weltweit in allen Finanzfragen zur Seite stehen kann und über das dafür notwendige globale Netzwerk und die Expertise verfügt“, wie der amtierende Aufsichtsratschef Alexander Wynaendts sagt. Die Bedeutung Breuers für das Institut könne deshalb „gar nicht hoch genug geschätzt werden.“

Auf dem Gipfel angekommen: 1999 übernahm die Deutsche Bank unter Rolf Breuer das US-Institut Bankers Trust

Auf dem Gipfel angekommen: 1999 übernahm die Deutsche Bank unter Rolf Breuer das US-Institut Bankers Trust
Quelle: picture-alliance / dpa

Der schon als Schüler ehrgeizige Sohn eines Managers hatte direkt nach dem Abitur 1956 in Wiesbaden als Lehrling bei der Deutschen Bank angefangen, die er lediglich für sein Jurastudium mit anschließender Promotion verließ. Schon früh spezialisierte er sich auf das Kapitalmarktgeschäft, das damals noch nicht Investmentbanking hieß.

1974 übernahm er die Leitung der Börsenabteilung, 1985 rückte er in den Vorstand auf, dessen Führung er 1997 übernahm. Dabei fungierte er wie damals üblich als mit den anderen Mitgliedern formal gleichberechtigter Sprecher des Gremiums, erst sein Nachfolger Josef Ackermann erhielt die stärkere Position des Vorsitzenden.

In seiner Amtszeit richtete Breuer die Bank konsequent in die bereits von seinen Vorgängern Alfred Herrhausen und Hilmar Kopper eingeschlagene Richtung aus. Er lagerte die Beteiligungen an zahlreichen großen deutschen Industrieunternehmen in eine eigene Gesellschaft aus und verkaufte diese nach und nach, um mit den Erlösen den weiteren Ausbau des internationalen Geschäfts zu finanzieren.

Breuer (r.) und sein Vorgänger Hilmar Kopper im Jahr 1997 auf dem Internationalen Bankenabend in Frankfurt

Freundschaftliche Szenen: Breuer (r.) und sein Vorgänger Hilmar Kopper im Jahr 1997 auf dem Internationalen Bankenabend in Frankfurt
Quelle: picture-alliance / dpa

Auf dem Heimatmarkt musste Breuer dagegen eine empfindliche Niederlage hinnehmen. Die bereits fertig ausgehandelte und verkündete Fusion mit der Dresdner Bank scheiterte, treibende Kraft dahinter sollen die von Ackermann angeführten Investmentbanker gewesen sein. „Wir konnten die Intentionen zwar sehr gut nachvollziehen, doch waren wir im Vorstand hin- und hergerissen und vom Deal nicht überzeugt“, schreibt der Schweizer dazu in seinen in diesem Frühjahr veröffentlichten Erinnerungen. Mit Breuer persönlich habe er sich allerdings immer „gut verstanden.“

Der im Jahr 2000 gescheiterte Deal läutete das Ende von Breuers Amtszeit ein, sein Nachfolger Ackermann wurde ihm bereits vor dem offiziellen Machtwechsel 2002 an die Seite gestellt. Das von Breuer in die „Deutsche Bank 24“ ausgelagerte Privatkundengeschäft wurde wieder in den Konzern integriert. Kurz vor Ende gab Breuer dem Fernsehsender „Bloomberg“ dann noch ein Interview, das die kommenden Jahre überschatten sollte.

Auf die Frage nach der Stabilität des damals bereits angeschlagenen Medienkonzerns von Leo Kirch antwortete der Deutsche-Bank-Chef: „Was man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- und Eigenmittel zur Verfügung zu stellen.“ Der umständliche Satz hatte nicht die unmittelbare öffentliche Wirkung der von Breuers Vorgänger Hilmar Kopper bemühten „Peanuts“, hallte aber wesentlich länger nach. Denn fortan machte Kirch diese Äußerung für seine spätere Insolvenz verantwortlich („Erschossen hat mich der Rolf“) und überzog die Bank und Breuer persönlich mit zahlreichen Klagen.

2006 räumte Breuer deshalb seinen Posten als Aufsichtsratschef, regelmäßig musste er zu einem Zivilprozess in München erscheinen, der sich für viele überraschend zu Ungunsten der Bank entwickelte. Schließlich zahlte das Institut in einem Vergleich eine Milliarde Euro an die Erben Kirchs, ein sich an das Verfahren anschließender Strafprozess gegen Breuer und andere Vertreter der Deutschen Bank endete 2016 mit einem Freispruch.

Breuer (r.) im Jahr 2016 im Oberlandesgericht München mit seinem Verteidiger Dr. Norbert Scharf

Breuer (r.) im Jahr 2016 im Oberlandesgericht München mit seinem Verteidiger Dr. Norbert Scharf
Quelle: picture alliance / Sven Simon

Ähnlich großen Einfluss wie auf die Deutsche Bank dürfte Breuer auf den Börsenplatz Frankfurt gehabt haben. Schon Ende der 1980er-Jahre forderte er die Umstellung auf den digitalen Handel, Anfang der 1990er-Jahre schlossen sich auch auf seine Initiative hin einige bis dahin staatliche Gesellschaften zur Deutschen Börse zusammen, deren Börsengang im Jahr 2001 Breuer als Aufsichtsratschef eng begleitete. Den Posten musste er räumen, als die auch von ihm forcierte Übernahme der Londoner Börse im Jahr 2005 scheiterte.

Seinem Ruf als „Mister Finanzplatz“ tat das keinen Abbruch. Den hatte er nicht nur als Gründer einer entsprechenden Initiative, sondern auch als Präsident des Bundesverbands deutscher Banken und Mitinitiator des Center of Financial Studies an der Frankfurter Goethe-Universität begründet. Noch lange nach seinem Abschied von den offiziellen Funktionen ließ sich Breuer immer mal wieder bei den wichtigen Branchentreffen sehen.

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Dabei sei er eigentlich eher zufällig beim Banking gelandet, sagte der Manager in einem Interview zu seinem 80. Geburtstag. Schon sein Vater habe eine Lehre absolviert, ihm allerdings ursprünglich zu einem Studium der Chemie geraten. „Ich hatte keine Ausnahmebegabung“, sagte Breuer, zum professionellen Musiker habe es ebenso wenig gereicht wie zum Regisseur. Bereut habe er die Berufswahl nicht.

„Ich hatte es gut, das waren goldene Zeiten für das Finanzwesen und für die Deutsche Bank insbesondere. Aber ich sehe das nicht wiederkommen“, sagte er. Wenn einer seiner Enkel ihn frage, ob er in die Bank gehen solle, würde er ihm abraten. Am Mittwoch ist Breuer nach längerer Krankheit im Alter von 86 Jahren gestorben.

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