Monday, May 27, 2024

Bildungsranking: Wo die Chance auf das Gymnasium am höchsten ist

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Wenn Wissenschaftler Leistungsvergleiche zwischen den Bildungssystemen der Bundesländer erstellen, ist die Rangfolge seit vielen Jahren ähnlich: Bayern, Sachsen und Thüringen liegen meist vorn, am Schluss finden sich Brandenburg, Berlin und Bremen. So jedenfalls war es zuletzt wieder in dem vom arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) erstellten Bildungsmonitor zu lesen, der jährlich die Leistungsfähigkeit der Bildungssysteme von der Kita bis zur Hochschule vergleicht.

In einem Punkt aber kehren sich die Verhältnisse um. Beim Thema Chancengerechtigkeit nämlich liegen die Leistungs-Schlusslichter Berlin und Brandenburg ganz vorn. Das hat jetzt das Ifo-Institut in München in einer Studie mit dem Titel „Ungleiche Bildungschancen“ ermittelt. Nicht zuletzt durch das längere gemeinsame Lernen in der sechsjährigen Grundschule hätten Kinder aus weniger privilegierten Haushalten in Berlin und in Brandenburg deutlich bessere Chancen, ein Gymnasium zu besuchen als in vielen anderen Bundesländern, haben die Forscher ermittelt.

„Bildung und Einkommen der Eltern sind entscheidende Faktoren für die Bildungschancen von Kindern in Deutschland. Aber dies gilt in den Bundesländern in unterschiedlichem Ausmaß“, sagt Ludger Wößmann, Leiter des Ifo-Zentrums für Bildungsökonomik.

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Aufs Gymnasium oder nicht?

Die Studie vergleicht die Wahrscheinlichkeit eines Gymnasialbesuchs für Kinder aus benachteiligten Verhältnissen mit der für Kinder aus günstigen Verhältnissen. Als sozioökonomisch höherer Hintergrund gelten dabei Familien, in denen mindestens ein Elternteil Abitur hat und/oder die ein monatliches Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 5000 Euro haben. Dies trifft auf 45 Prozent der Kinder in Deutschland zu.

Kinder mit einem schwächeren Hintergrund haben weder ein Elternteil mit Abitur, noch fallen ihre Familien in das obere Viertel der Haushaltseinkommen. In dieser Gruppe befinden sich im Durchschnitt 55 Prozent der Kinder, wobei die Anteile je nach Bundesland stark variieren.

Für die Wahrscheinlichkeit, ob ein Kind das Gymnasium besucht oder eine niedrigere Schulform, ist die familiäre Herkunft laut Studie nach wie vor hochrelevant. Deutschlandweit besuchen im Schnitt 41,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen eines Jahrgangs ein Gymnasium. Bei den Kindern aus günstigen Verhältnissen sind es 59,8 Prozent, bei denen aus benachteiligten Verhältnissen aber nur 26,7 Prozent. Für die Ifo-Forscher ein Beleg für die auch in internationalen Studien immer wieder nachgewiesene Tatsache, dass es Deutschland zu wenig gelingt, Chancengerechtigkeit zu gewährleisten.

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Bildungsreform

„Selbstverständlich sind Gymnasium und Abitur nicht für jedes Kind die beste Lösung. Darum geht es nicht“, stellte Wößmann klar. „Es geht darum, dass die Chancen auf einen Gymnasialbesuch für alle Kinder gleich sind.“ Das sei auch für den weiteren Berufsweg bedeutsam, heißt es in der Studie. Menschen mit Abitur verdienten im Durchschnitt monatlich netto 42 Prozent mehr als Menschen ohne Abitur.

Für ihre Studie bildeten die Forscher mit Daten aus dem Mikrozensus 2018 und 2019 eine Stichprobe von bundesweit mehr als 100.000 Kindern und Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren und verfolgten ihren Bildungsweg. Als Kriterium für den Grad der Chancengerechtigkeit konzentrierten sich die Forscher ausschließlich auf den Übergang zum Gymnasium. Für andere Schularten, die ebenfalls zur Hochschulreife führen können, gebe es keine ausreichenden Daten, sagte Wößmann.

„Unterschiede lassen sich nicht wegerklären“

Den Ergebnissen zufolge wirkt sich ein ungünstiger familiärer Hintergrund am wenigsten negativ für Kinder in Berlin, Brandenburg und Rheinland-Pfalz aus: Hier ist es „nur“ etwa halb so wahrscheinlich (Berlin: 53,8 Prozent; Brandenburg: 52,8 Prozent, Rheinland-Pfalz 52,2 Prozent), dass Kinder aus benachteiligten Verhältnissen ein Gymnasium besuchen wie Kinder aus günstigen Verhältnissen. Chancengleichheit wäre demnach bei 100 Prozent erreicht. Bundesweit beträgt der Wert 44,6 Prozent. Am unteren Ende liegen Bremen mit 41,5 Prozent, Sachsen mit 40,1 und Bayern mit 38,1 Prozent.

Quelle: Infografik WELT

Das Ifo-Institut ist dabei auch der Frage nachgegangen, ob der Anteil der Gymnasialschüler insgesamt, der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund oder der Anteil von Kindern aus schlechter gestellten Haushalten signifikant mit den Ergebnissen zusammenhängt. Das konnten die Autoren verneinen.

So besuchten etwa in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern jeweils nur rund 35 Prozent der Kinder ein Gymnasium, deutlich weniger als in anderen Ländern. In Mecklenburg-Vorpommern haben Kinder mit niedrigerem Hintergrund aber deutlich mehr Chancen (50,1 Prozent) auf einen Gymnasialbesuch als in Bayern (38,1 Prozent). Auch der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund oder die wirtschaftliche Lage eines Bundeslandes habe keinen systematischen Zusammenhang mit dem Chancenverhältnis, sagte Studienautor Florian Schoner. „Die Unterschiede lassen sich nicht wegerklären.“

Man könne auch nicht davon ausgehen, dass Kinder aus sozioökonomisch schlechter gestellten Haushalten per se weniger geeignet für das Gymnasium wären, sagte Wößmann auf Nachfrage. Mit den genetischen Anlagen lasse sich nur ein Bruchteil der Unterschiede erklären. Das sehe man schon daran, dass es anderen Ländern viel besser gelinge, Chancengerechtigkeit herzustellen. „Zudem haben Fördermaßnahmen bei benachteiligten Kindern viel größere Effekte als bei Kindern, die schon im Elternhaus gut unterstützt werden.“ Ziel der Bildungspolitik müsse es daher sein, hier gezielter anzusetzen, auch durch frühe Sprachförderung.

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Kritisch äußerte sich Wößmann auch über die frühe Aufteilung der Kinder auf die verschiedenen Schularten bereits nach der Grundschule – außer in Berlin und Brandenburg also bereits nach der vierten Klasse. In Schweden und Finnland werde etwa erst nach der 10. Klasse geteilt. „Die Chancengerechtigkeit hat dadurch deutlich zugenommen“, sagte Wößmann. „Das Thema wird in Deutschland aber extrem ideologisch diskutiert.“

Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) kritisierte die Herangehensweise der Studie. „Die einseitige Betrachtungsweise, Chancengerechtigkeit einzig und allein an den Besuchsquoten des Gymnasiums festzumachen, ist mehr als fragwürdig und gesellschaftspolitisch geradezu fatal“, sagte Stolz. Bildungsgerechtigkeit bedeute für sie, alle Schüler bestmöglich nach individuellen Begabungen zu fördern.

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