Monday, May 27, 2024

Yes zu Progrock: Wenn beim Konzert der Sitzplatz wichtiger ist als die Musik

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Schon als junger Progster musste man sich entscheiden: Ist man eher Team Genesis oder Team Yes, also eher aggressiv-romantisch oder esoterisch-verfrickelt? Ich war immer ein Genesis-Mann. Aber wir sind ja nicht beim Fußball, also gehe ich seit Jahrzehnten selbstverständlich auch zu Yes. Bin immer ohne Erwartungen, nie enttäuscht, eher immer wieder und immer wieder positiv überrascht worden.

Im Berliner Theater am Potsdamer Platz war das nicht so leicht. Rockmusik braucht, gerade laut und live und auf der Bühne, Raum für Bewegung. Eine an der richtigen Stelle präzise in die Luft gestellte Schlagzeug-Bridge, überhaupt die Hände, die müssen fliegen, wenn es etwas in Text oder Musik zu unterstreichen gibt.

Und davon gibt es natürlich eine Menge im Progressive Rock. Man sollte auch mitsingen, das ist doch klar, Textsicherheit beweisen, Kennertum. Und ein bisschen mitleiden, wenn mal wieder die Welt untergeht.

Jetzt aber sitzt man da, Parkett, Reihe 11, Sitz 9, in plüschroter Kinobestuhlung und kämpft mit dem Nebenmann und der Nebenfrau um das Armlehnenrecht, wie in der Econonmy Class im Flieger nach Kreta.

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Warum die beiden hier sind, verstehe ich nicht ganz, denn offenbar wollen sie vor allem ihre Ruhe. Wie der Großteil des Publikums eher reserviert darauf reagiert, dass da echte Menschen auf der Bühne stehen. Gut, es muss auch nicht der Ausdruckstanz sein, den einige Substanzkonsumenten an den Seiten des Saales zelebrieren. Aber es kommt diesem Rock’n‘Roll-Ding doch deutlich näher als diese pikierten Blicke der Nachbarin auf meine Schlagzeughände.

Bestuhlte Konzerte sind eine Versündigung am Geist von Live-Konzerten und gehören verboten. Basta. Wer keine zwei Stunden stehen möchte, der bleibt gefälligst zu Hause und guckt eine BluRay. Und für die, die nicht stehen können, gibt’s hinten ein paar Stuhlreihen. Ging früher doch auch.

Ich meine: Steve Howe steht ja auch über zwei Stunden, ein 77-jähriger Hyperleptosom ohne eine Gramm Körperfett und beneidenswerter Fitness. Der ist hauptamtlich natürlich das amtierende Mega-Genie der derzeitigen Hochbegabten-Formation von Yes.

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Howes Spiel, absolut unverwechselbar, ist das, weshalb die meisten Leute hier sind. Er weiß, wie gut er ist, aber auf eine sympathische Art. Immer wieder neckt der das Publikum, er war schon einmal viel unzugänglicher auf der Bühne.

Dass Jay Schellen den verstorbenen und zuletzt stark von seinen Leiden gezeichneten Alan White ersetzt, macht Howe und Yes stabiler. Es gibt wieder mehr Raum zu Improvisationen und Abweichungen – sehr schön am Ende von „The South Side of The Sky“, als sogar Sänger Jon Davison auf allerlei ans Schellengewerk montierte Trommeln zimmerte und das ein richtig buntes, freies, chaotisches Yes-Gefrickel samt dreifach verzögertem Höhepunkt ergab.

Die Setlist auf dieser Tour ist eine abgeklärte Mischung aus Klassikern und Standards (aber nicht: „Owner of a lonely heart“), ein paar leichten Überraschungen und natürlich dem Kernstück des Abends. „Tales from Topopgraphic Oceans“, zusammengeschnurrt auf zwanzig Minuten.

„Tales“, dieses vierseitige Album, das man einst bis zum Exzess durchnudelte und dann lange, lange, lange – drei Jahrzehnte – gar nicht mehr hörte, weil man nicht mehr die Ruhe hatte oder am Ende sogar den Kritikern glaubte, die es für einen pompösen Schmarrn hielten, der durch Punk zertrümmert wurde.

Man hört es nun wieder, Sex mit der Ex für die Ohren und den Bauch, die Härchen an den Armen stellen sich sekundengenau auf, auch die Texte sind noch da. Und, nein, Yes sind keine sachte Hippietruppe mit Schmetterlingen im Kopf. Der Metallgehalt kann locker mit dem schwarzen Schlageralbum von Metallica mithalten.

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Das alles weckt auch die Besetzer der roten Tiefschlafstühle im Theater. Bei den Zugaben, „Roundabout“ und dem wie immer so unfassbar lässigen „Starship Trooper“, stehen ein paar Zuschauer auf und für den Applaus dann alle. Geht doch.

Wieder diese Yes-Magie: Schulterzuckend gekommen, auf ein Scheitern vorbereitet gewesen und dann doch eingenommen und gefangen von dieser wunderbaren Musik, die sich in mein Stammhirn eingebrannt hat, als ich zwölf oder dreizehn Jahre alt war. Was kommt, ist auch immer gleich: Die nächsten drei Wochen höre ich nur noch Yes. Und dann gar nicht mehr. Und dann kommt die nächste Tour.

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