Sunday, June 16, 2024

„Polizeiruf“ Magdeburg: Achtung, Klischee-Alarm! – So war der Krimi

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Wenn wir Alten uns mit diesem Internet, diesen vermeintlich sozialen Medien beschäftigen, bekommen wir ja gern so ein Gesicht, als hätten wir gerade in eine Zitrone gebissen. Claudia Michelsen kann dieses Gesicht ganz besonders gut. Sie sieht dann sehr sorgenvoll aus. Als würde sie gern woanders sein mit ihrem Gesicht. In einer guten Geschichte vielleicht.

In der vom letzten Magdeburger „Polizeiruf“ zum Beispiel, in dem sie ihr Zehnjähriges als widerborstige, empathische Kommissarin Doreen Brasch beging, der „Du gehörst mir“ hieß und ein geradezu archaisches Menschendrama war. Ohne Moralisieren, ohne billigen Versuch, in einem Sonntagabendkrimi die Gegenwart von einer vermeintlich höheren Warte aus analysieren, erklären zu wollen. Oder in der Geschichte vom nächsten Magdeburger „Polizeiruf“ vielleicht, die wir noch nicht kennen.

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ARD/MDR POLIZEIRUF 110: DU GEHÖRST MIR, am Sonntag (27.08.23) um 20:15 Uhr im ERSTEN. INGA WERNER (Franziska Hartmann) nimmt kurz nach dessen Entführung den Säugling in Augenschein. © MDR/Felix Abraham, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter MDR-Sendung bei Nennung "Bild: MDR/Felix Abraham" (S2+). MDR/HA Kommunikation, 04360 Leipzig, Tel: (0341) 300 6477 oder - 6463

So wird der „Polizeiruf“

Auf jeden Fall nicht in der Geschichte dieses Magdeburger „Polizeirufs“, der „Unsterblich“ heißt und tatsächlich unsterblich werden könnte, weil man ihn in allen Filmhochschulen dieser Republik vorführen müsste, um zu zeigen, dass man, wenn man bloß genug an billigen Klischees und Haltungen und Moral auf eine Palette drückt, nicht zwangsläufig ein passables Gegenwartsgemälde auf die Leinwand bekommt.

Der Fall ist ungefähr folgender. Aalisha Mansour, mit ihrer hartarbeitenden, traditionell denkenden Familie vor Assads Regime aus Syrien geflohen, hatte es geschafft. War ein Gesicht in der Menge geworden. Anderthalb Millionen Follower.

War eine Marke geworden mit erdbeerrotem Haar. Hatte sich selbst gebrandet, bis sie sich verbrannte wie die Motte im Licht, als sie Werbung machte für ein Abnehmmittel, das ein Fake war wie ihre ganze Existenz. Womit wir jetzt schon mitten im Klischeemeer wären (traditionelle Familie, hartarbeitend, Fakeexistenz etc.).

Es war Liebe, aber sie war einseitig: Leonie (Katharina Stark) und Aalisha (Hannah Gharib, l.)

Es war Liebe, aber sie war einseitig: Leonie (Katharina Stark) und Aalisha (Hannah Gharib, l.)
Quelle: MDR/filmpool fiction/Stefan Erha

Und dann stürzt eines Abends eine Frau, die aussieht wie Aalisha Mansour, durch das Glasdach eines Magdeburger Einkaufszentrums. Videos werden gemacht und versendet, von den jungen Leuten, die hier Rolltreppe fahren. „Hier gibt es alles im Überfluss, nur keine Empathie“, darf der Gerichtsmediziner sagen (Achtung: Klischeemeer). Sehr viel besser und tiefenschärfer wird „Unsterblich“ kaum. Aber das wissen wir zu dem Zeitpunkt natürlich noch nicht.

Sie, also „Lisha“, hatte so etwas angekündigt auf ihrem Kanal. Irgendeine Breaking News. Claudia Michelsen kommt und macht ihr Zitronengesicht. Weil sie jetzt schon ahnt, dass sie vielleicht besser ohne über Los zu gehen in den nächsten Fall wechseln sollte. Sie tut trotzdem ihr Bestes. Betreibt Ironie und Empathie.

Sie kommt aber nicht gegen Michael Gantenberg an. Der hat das Drehbuch geschrieben. Da darf alles sein, wie es in der Fantasie von uns Alten so ist, also uns Alten, die im Durchschnitt linear Sonntagabendkrimi gucken.

Höhepunkt der Zitronengesichthaftigkeit

Lesbische Pärchen sind selbstverständlich mörderisch, syrische Familien mit ihren moralischen Haltungen, ihren Strukturen nie angekommen in Deutschland, große muslimische Brüder sind gefährlich, Influencer sowieso. Im Internet verschwimmen Identität und Fake, treiben Voyeurismus und Narzissmus tödliche Blüten.

Polizisten erwischen sich beim Racial Profiling, das einen nur deswegen berührt, weil Claudia Michelsen auf dem Höhepunkt ihrer Zitronengesichthaftigkeit fast beiläufig diesen nicht sehr elegant formulierten Satz hinhaut – „Kennen Sie das, wenn man schon selber so ein Nazi im Kopf ist und man es nicht einmal selber mehr merkt?“

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So wird der „Polizeiruf 110“

Ein paar Momente gibt es, da fühlt man sich wohl in „Unsterblich“. Da sitzen Michelsen und ihr Chef zusammen, zwei Empathiemonster, die sich beim letzten Mal nur so gerade eben mehr oder weniger gegenseitig gerettet haben. Zwei Wanderer über dem Klischeemeer. Und unterhalten sich über ihre Familien. Da würde man gern bleiben. Aber man muss wieder raus in die vermeintliche Gegenwart.

Vielleicht sollte man was anderes gucken. „Grill den Henssler“ zum Beispiel – das läuft parallel. Da kochen diesmal berühmte Kinder mit ihren weniger berühmten Müttern. Schlimmer das Hirn verbrennen kann man sich da auch nicht.

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