Wednesday, June 19, 2024

Gaza: „Blockiert die Barrikade!“ – Rapper Macklemore veröffentlicht Pro-Palästina-Hymne

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Vergangenen November trat der US-Rapper Macklemore, mit bürgerlichem Namen Benjamin Haggerty, bei einer propalästinensischen Demonstration in Washington D.C. auf. In einer kurzen Ansprache sagte der Musiker vor Zehntausenden: „Sie haben mir geraten, still zu sein. Sie sagten, ich solle mich zurückziehen und nachlesen. Das Thema sei zu komplex, um etwas zu sagen.“ Er habe diesen Ratschlag befolgt und sich drei Wochen zurückgezogen, schließlich sei er „lernfähig“. Doch schon im nächsten Satz bewies der Sänger, dass die drei Wochen wohl nicht ausgereicht haben: „Ich weiß nicht genug. Aber genug, um zu wissen, dass dies ein Genozid ist.“

Nach dieser so deutlichen wie platten Positionierung legt Macklemore (zusammen mit Ryan Lewis für Songs wie „Thrift Shop“ und „Can’t Hold Us“ bekannt) nun mit einem Song nach. In „Hind’s Hall“ rappt er von lügenden Kolonialisten „seit 75 Jahren“, einer „Nakba“, die nie geendet habe, von Apartheid und dem Blut, das Joe Biden an den Händen klebe. Er fragt: „Was ist bedrohlich daran, Desinvestition und Frieden zu fordern?“ und ruft: „Blockiert die Barrikade, bis Palästina frei ist!“ Zu seinen Worten erscheinen im Video die Zeltstätten der Studenten an der Columbia Universität, die in den vergangenen Wochen mit Sprechchören wie „Brennt Tel Aviv nieder“ aufgefallen sind. Auch an anderen Unis in den USA und in Europa haben Demonstranten solche Zeltcamps errichtet.

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Postkolonialismus

Macklemore rappt weiter, während im Video mit Kufia-Tüchern vermummte Gestalten die Palästinaflagge schwenken. Auch der Songtitel bezieht sich auf die Proteste. Die Demonstranten an der Columbia haben ein Gebäude der Universität intern in „Hind’s Hall“ umbenannt, im Gedenken an Hind Rajab, ein im Gaza-Krieg getötetes palästinensisches Mädchen. Das Video schneidet zwischen den Demonstranten und Bildern aus Gaza hin und her. Ein Kommentar unter dem YouTube-Video feiert es als die Protesthymne, auf die die Bewegung gewartet habe. Macklemore veröffentlichte das Lied auf seinen Social-Media-Kanälen und kündigte an, die Einnahmen des Songs an das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Geflüchtete im Nahen Osten (UNRWA) zu spenden.

„Bis sie endlich zu Hause sind“

Bestürzend an diesem Protestsong sind nicht allein die Israel-Hetze oder die faktischen Fehler – etwa Israel, das noch vor Kurzem eine arabische Partei in der Regierung hatte, einen Apartheidstaat zu nennen. „Hind’s Hall“ ist textlich eine stumpfe Aneinanderreihung aller seit Monaten von propalästinensischer Seite skandierten Vorwürfe samt ihrer Stilmittel – wie etwa der Jude als Token. Auch der Rapper unterliegt dem Trugschluss, dass, weil ja auch „jüdische Brüder und Schwestern“ mit ihm „Free Palestine“ riefen, Antizionismus nicht antisemitisch sein könne – was wohl auch jene Handvoll Demonstranten unterschreiben würde, die Anfang der Woche in bisher unübertroffener Geschmacklosigkeit den „Marsch der Lebenden“ in Auschwitz störte.

Zu Bildern von Starbucks- oder McDonald’s-Filialen wütet Macklemore in postkolonialer Manier gegen vermeintlich weiße Unterdrücker-Israelis, die sich die Deutungshoheit mit Geld und der richtigen Hautfarbe erkaufen – man fragt sich, ob der 40-Jährige hier gleich von einem der kursierenden Studentenmanifeste abgeschrieben hat. Gründe, warum es zum Gaza-Krieg gekommen ist, blendet er hingegen komplett aus. Weder die bestialische Terror-Attacke der Hamas vom 7. Oktober noch die nach wie vor in Gaza festgehaltenen Geiseln kommen in seinem Song vor. Im Gegenteil: „Bring them home“, der Ruf derer, die sich in Israel für die Befreiung der Geiseln einsetzen, bezieht sich bei Macklemore ausschließlich auf die Palästinenser: „Schrei ‚Free Palestine‘, bis sie endlich zu Hause sind.“

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US-Präsident Joe Biden wird die Botschaft des Songs dennoch ernst nehmen müssen. Die finanzielle Unterstützung Israels durch die USA stößt bei vielen Anhängern der Demokraten auf Widerstand. Besonders junge Wähler, die eine erneute Präsidentschaft Donald Trumps doch eigentlich verhindern wollen, fühlen sich vom Kurs der Biden-Regierung verraten. Macklemores Absage an den US-Präsidenten lässt sich in dieser Hinsicht als indirekte Aufforderung verstehen.

Auf Instagram folgen dem Musiker 5,5 Millionen Menschen. Der Einfluss prominenter Stimmen auf den Wahlausgang wird schon seit einiger Zeit diskutiert. Besonders nervös dürfte das Biden-Team in Richtung Taylor Swift blicken, die sich bisher nicht zum Krieg im Nahen Osten geäußert hat und nur verlauten ließ, jeder solle so wählen, wie er es für richtig halte. Bei einer früheren Wahl hatte sich die Sängerin, der auf Instagram 284 Millionen folgen, gegen Trump positioniert. Glücklicherweise ist Macklemore nicht Taylor Swift. Gefährlich ist das, was er rappt, trotzdem.

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