Wednesday, April 24, 2024

„Oh la la – wer ahnt denn sowas?“: Wenn ein DNA-Test die Identität erschüttert

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Wie immer haben die Kardashians den Trend als erste entdeckt – oder ihn überhaupt erst gesetzt. 2018 öffneten die amerikanischen Stars Umschläge mit DNA-Testergebnissen in einer Folge ihrer Reality-TV-Serie. Khloé Kardashian rief aufgeregt, dass sie Vorfahren aus dem Mittleren Osten und unter den Ureinwohnern Amerikas habe. Ihre Schwester Kourtney freute sich über die 4,5 Prozent Französin in ihr. Halbschwester Kendall Jenner stellte enttäuscht fest, dass ihre Vorfahren zu 100 Prozent aus dem Nordwesten Europas kämen: „Ich bin so langweilig!“

Die eigenen Wurzeln mithilfe von Biotech-Laboren ermitteln zu lassen, geht seit ein paar Jahren ganz einfach. Anhand von eingeschickten Speichelproben analysieren Unternehmen wie „23andMe“ die genetischen Spuren ihrer Kunden. Eigentlich ein Wunder, dass in den Hochzeiten der Identitätspolitik erst jetzt ein Regisseur darauf gekommen ist, einen Film daraus zu machen. Der Franzose (genauer wissen wir es nicht) Julien Hervé hat das Thema in der Komödie „Oh La La – wer ahnt denn sowas“ aufgegriffen, für die er als Drehbuchautor und Regisseur tätig war. Es ist sein erstes Soloprojekt, nachdem er vorher als Co-Autor für französische Comedyshows gearbeitet hatte.

Hervé erzählt die Geschichte von zwei Familien aus verschiedenen Sozialklassen, die beide stolz auf ihr Französischsein sind. Die Bouvier-Sauvages blicken auf eine lange Adelslinie mit Schloss und Weingut zurück., der Schauplatz des sich entspannenden Familiendramas. Die Martins hingegen machen ihr Geld mit dem Verkauf von Autos, natürlich nur der Marke Peugeot. Beide verbindet nichts außer ihrer Liebe zu Frankreich und der Liebe ihrer Kinder zueinander. Um beim Kennenlernen der Familien das Eis zu brechen, hat Tochter Alice (Chloé Coulloud) die DNA-Analysen der Eltern und baldigen Schwiegereltern als Überraschung mitgebracht.

Didier Bourdon als Gérard und Sylvie Testud als Nicole

Didier Bourdon als Gérard und Sylvie Testud als Nicole
Quelle: © 2023 – WHITE AND YELLOW FILMS – SND – M6FILMS – BESIDE PRODUCTIONS

Nach erster Aufregung traut sich dann aber niemand so richtig, die Umschläge zu öffnen. Bis sich der Autohändler Gérard durchringt (Didier Bourdon), nur um es gleich zu bereuen. Da steht, dass er zu 50 Prozent Deutscher sei. Der Erbfeind! Der Schock geht tief, die Witze nehmen kein Ende. Ob sie ihn jetzt Gerhart nennen sollten? „Hallo!“, „Nein!“, es wird salutiert. Die Schadenfreude, besonders von Frédéric Bouvier-Sauvage (Christian Clavier „Monsieur Claude und seine Töchter“) ist so lange groß, bis seine Frau Christine (Marianne Denicourt) erfährt, dass sie nicht italienische, wie sie dachte, sondern portugiesische Vorfahren hat – so wie ihre Haushälterin.

Die Gemahlin des neuentdeckten Deutschen hingegen kann ihre Familienlinie jetzt bis zum britischen Königshaus zurückführen. Die eben noch bescheidene Frau trinkt bald Tee und trägt ihre Haare im Stil von Queen Elizabeth II. Ihr Ehemann darf den Raum fortan nur noch nach ihr betreten. Die Kinder bleiben als einzige von den Ergebnissen unberührt. Sie spielen ohnehin keine große Rolle in dem Film, außer als ausgleichender Ruhepol gegenüber den hysterischen Eltern. Es ist ein Clash der sozialen Klassen und der Generationen. Das Beispiel Kendall Jenner zeigt, dass für die Jüngeren eine vielseitige Herkunft eher hip als tragisch ist.

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Im französischen Original heißt der Film „Cocorico“. So schreit in Frankreich der Hahn, im Gegensatz zum deutschen Kikeriki. Auch nutzen Franzosen es mündlich, wenn sie besonders stolz auf eine Errungenschaft ihres Landes sind: Frankreich hat die Fußball-WM gewonnen, cocorico! Sie rufen den Stolz auf das Heimatland in die Welt hinaus. So wie es die Bouvier-Sauvages und die Martins vor ihrer DNA-Enthüllung getan haben. Doch mit dem Wissen um ihre Herkunft scheint ihnen dieser Stolz nicht mehr verdient.

Die Prämisse des Films berührt große Themen wie Herkunft, Identität und Zugehörigkeit. Wer will, kann darin eine Enttarnung nationaler Identität als austauschbares Konstrukt sehen. Schließlich erwärmt sich der eben noch so französische Gérard langsam für die deutsche Kultur, ja kauft sich sogar ein deutsches Auto, nachdem er die Geheimkammer seines Vaters entdeckt hat – samt Merkelpostern und Bierkrügen. Auch der Snobismus erweist sich als austauschbare Eigenschaft, die nicht in Adelslinien, sondern in der menschlichen Natur angelegt ist. Sobald sich die Gelegenheit ergibt, beginnt die eben noch so bescheidene Frau des Autohändlers mit ihrem neuentdeckten Stammbaum plötzlich abzuheben.

Man sollte dem Film und seinem Anliegen aber nicht zu viel zumuten. Hervé streift diese Menschheitsfragen, ohne sich ihnen wirklich zu widmen. Er will unterhalten und bedient sich dafür stereotyper Klischees, über die er sich gleichzeitig lustig macht. Das ist im ersten Moment ganz witzig, nutzt sich mit der Zeit aber ab. Über die erste Empörung der Figuren und die anschließende Versöhnung mit dem Schicksal geht der Film leider nicht hinaus.

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