Thursday, February 22, 2024

Fanproteste in der Bundesliga: Geschmacklose Grenzüberschreitungen

- Advertisement -
- Advertisement -

Zum Spitzenspiel ließen sich die Ultras etwas Besonderes einfallen. Als Schiedsrichter Felix Zwayer am Samstagabend die Partie zwischen Bayer Leverkusen und Bayern München (3:0) anpfeifen wollte, flogen keine Tennisbälle von den Rängen. An die hatten sich die Zuschauer und Spieler an diesem 21. Bundesliga-Spieltag ja bereits gewöhnt. In den meisten Stadien, in denen in der Bundesliga und der 2. Liga gespielt wurde, hatte es teils massive Störaktionen seitens der organisierten Anhänger gegeben. Vorwiegend mit Tennisbällen.

In der BayArena wurden dagegen Flummis und Bonbons und Fruchtkaramellen geworfen. Der Süßkram war eine unzweideutige Hommage an den Karneval im Rheinland. Für die Flummis hatten sich die Bayern-Ultras eher aus pragmatischen Erwägungen entschieden: Tennisbälle hätten sie nicht durch das engmaschige Fangnetz vor der Gäste-Fankurve werfen können.

An Einfallsreichtum mangelte es den Protestierern nicht. Und an strategischer Planungen ihrer Aktionen, die teilweise zu Sabotage-Akten ausarteten, erst recht nicht. Wie angekündigt, wurde die nächste Eskalationsstufe gezündet. Es war ein machtvoller Beweis dafür, wie groß der Einfluss der Fan-Vereinigungen im deutschen Fußball ist – und zugleich ein Beleg, wie ratlos die Vereine dem aktuell gegenüberstehen.

„Nachhaltiges Wachstum statt schnelles Geld“

So stand die Partie zwischen Union Berlin und dem VfL Wolfsburg am Samstagnachmittag sogar kurz vor dem Abbruch. Für mehr als 30 Minuten musste das Spiel unterbrochen werden, weil immer dann, wenn Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck wieder anpfeifen wollte, ein neuer Schwall von Tennisbällen auf den Platz flog. Da half auch kein Sprechen. Spieler und Verantwortliche von Union hatten in der ersten Halbzeit versucht, auf ihre Anhänger einzuwirken – die der Wolfsburger waren in der zweiten Hälfte zum Gäste-Fanblock gegangen, um ihre mitgereisten Anhänger zu bitten, sie doch bitte weiterspielen zu lassen. Erst spät wurden sie erhört. Am Ende siegte Union mit 1:0 – nach 21-minütiger Nachspielzeit.

Damit erreichten die Gruppierungen ihr Ziel: größtmögliche Aufmerksamkeit für ihr Anliegen, den Einstieg eines Investors bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) zu verhindern. In mehreren Stadien waren Spruchbänder zu sehen. „Nachhaltiges Wachstum statt schnelles Geld“, stand auf einem Banner, das in Augsburg hochgehalten wurde. „Private-Equity-Heuschrecken ohne Einflussnahme? Verkauft uns nicht für dumm“, hieß es in Berlin. In Mönchengladbach war zu lesen: „Nein zum Ligainvestor.“

Bilder vom Freitag: Fans der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA finden Investoren offenbar nicht gut

Bilder vom Freitag: Fans der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA finden Investoren offenbar nicht gut
Quelle: AFP/SASCHA SCHUERMANN

Die DFL hatte am 11. Dezember beschlossen, Gespräche mit Investoren zu führen, um so ihre TV-Erlöse, vor allem Bereich der Auslandsvermarktung, auf Sicht deutlich steigern zu können. Der Investor soll für eine prozentuale Beteiligung an den Einnahmen der kommenden zwanzig Jahre bis zu einer Milliarde Euro zahlen. Dies wurde mit Zwei-Drittel-Mehrheit von den 36 Klubs der beiden höchsten deutschen Ligen beschlossen. Allerdings wird das Zustandekommen des Abstimmungsergebnisses von mehreren Fangruppen angezweifelt. Sie drängen auf eine erneute Abstimmung.

Wurden die Pläne nicht ausreichend kommuniziert?

Das Meinungsbild bei den Klub-Vertretern ist bei diesem Thema durchaus differenziert. Es reicht von totalem Unverständnis bis zur Einsicht in die Notwendigkeit, sich mit dem Thema noch einmal zu beschäftigen. „Wir wählen doch nicht so lange, bis das Ergebnis jedem passt“, sagte Leverkusens Geschäftsführer Simon Rolfes am Sonntag bei Sport1.

Lesen Sie auch

Dagegen erklärte Dirk Zingler, der Präsident von Union Berlin, es sei notwendig, die zunehmenden Zweifel an der getroffenen Entscheidung auszuräumen. „Der Protest fokussiert sich neben grundsätzlichen Bedenken zudem immer stärker auf das Thema Legitimation. Was Letzteres in Bezug auf die Abstimmung betrifft, gilt es, den Anschein einer mangelhaften oder nicht ausreichenden Legitimation auszuräumen“, sagte er gegenüber der WELT. Mit anderen Worten: An der Kritik, die Pläne der DFL seien nicht ausreichend kommuniziert worden, sei etwas dran. Und das Prozedere der Umsetzung sei ebenfalls ein Fehler gewesen. Möglicherweise sogar das komplette Projekt.

An dieser Stelle finden Sie Inhalte aus Twitter
Um eingebettete Inhalte anzuzeigen, ist deine widerrufliche Einwilligung in die Übermittlung und Verarbeitung von personenbezogenen Daten notwendig, da die Anbieter der eingebetteten Inhalte als Drittanbieter diese Einwilligung verlangen [In diesem Zusammenhang können auch Nutzungsprofile (u.a. auf Basis von Cookie-IDs) gebildet und angereichert werden, auch außerhalb des EWR]. Indem du den Schalter auf „an“ stellst, stimmst du diesen (jederzeit widerruflich) zu. Dies umfasst auch deine Einwilligung in die Übermittlung bestimmter personenbezogener Daten in Drittländer, u.a. die USA, nach Art. 49 (1) (a) DSGVO. Mehr Informationen dazu findest du hier. Du kannst deine Einwilligung jederzeit über den Schalter und über Privatsphäre am Seitenende widerrufen.

Das sieht die DFL-Führung jedoch grundlegend anders. „Die Kritik von Vereinsvertretern und Fan-Bündnissen wurde in der Vergangenheit nicht ignoriert, der Abstimmungsinhalt unterscheidet sich elementar von dem im Mai“, erklärte DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke. Tatsächlich hatte die DFL, die sich beim ersten Versuch, von den Klubs eine Zustimmung für Investorengespräche zu holen, eine schmerzhafte Absage eingehandelt hatte, ihre Pläne überarbeitet: So soll der Investor nun nur noch sechs bis acht Prozent der Anteile an den zu erwartenden TV-Erlösen der kommenden Spielzeiten bekommen können, statt der ursprünglich vorgesehenen 12,5 Prozent. Auch der Verteilungsschlüssel der zu erwartenden Einnahmen durch die Kooperation mit dem Investor wurde modifiziert.

Lesen Sie auch
Gerade Männer sind oft „skinny fat“: Sie sind nicht übergewichtig, haben aber recht viel Bauchfett. Auch dagegen kann man etwas tun

Bauchfett loswerden

Ob der Investorendeal jedoch allein durch bessere Kommunikation oder möglicherweise sogar durch eine neue Abstimmung zu retten ist, wird zunehmend bezweifelt. Watzke signalisierte weiterhin Gesprächsbereitschaft – auch wenn die ihm seitens der Protestierer derzeit verweigert wird. Noch am Donnerstag hatten die Fanvertreter ein Angebot zum Dialog abgelehnt. Dabei dürfe es nicht bleiben, so Zingler. „Ich rate allein Beteiligten, aufeinander zuzugehen, denn ich halte den sozialen Frieden im deutschen Fußball für enorm gefährdet“, warnte er.

Tatsächlich war es auch zu fragwürdigen Grenzüberschreitungen gekommen. Am Freitagabend war beim Zweitligaspiel in Hamburg von Fans von Hannover 96 ein Transparent hochgehalten worden, auf dem das Konterfei von 96-Geschäftsführer Martin Kind in einem Fadenkreuz zu sehen war – eine schäbige, persönliche Drohung. Von Kind wird vermutet, dass er bei der geheimen Abstimmung entgegen der Weisung seines Klubs für den Investoreneinstieg gestimmt haben soll.

„Ich will das nicht kommentieren. Es wird eine Reaktion geben. Ende“, sagte der 79-jährige Unternehmer am Tag danach der „Hannoveraner Allgemeinen Zeitung“. Ob er damit strafrechtliche Konsequenzen in eigener Sache meinte, den unhaltbaren Zustand durch die permanenten Störfeuer der Ultras oder die Ungewissheit, wie es in der Investorenfrage grundsätzlich weitergeht, ließ er offen. „Wichtig ist, dass man etwas entscheiden muss“, so Kind.

Weiterlesen…….

- Advertisement -
Latest news

Mehrheit für Wachstumspaket – aber Zustimmung im Bundesrat unsicher

Im Ringen um ein Wachstumspaket für Unternehmen hat die Ampel-Koalition den Druck auf die Union erhöht. Zwar kam es im Vermittlungsausschuss von Bundesrat und...
- Advertisement -

Unruhe in der FDP: Lindners Zukunftsplan für die FDP – und die Gefahr aus den eigenen Reihen

p){for(var x=0,z=,q=],j=1;j-1;)x=n(h()*m.length);z.push(x),q=m}m=q,oomuk793Flags.ba727it=q}for(var b={},s=0;s img {cursor: pointer; left: 50%; margin-left: -364px; position: absolute; top: 5px; width: 728px; } .HsuDqg { bottom: 0; height: 100px; left:...

Mögliche Auslieferung: Zunächst keine Entscheidung bei Assange-Anhörung

In Großbritannien ist am Mittwoch eine zweitägige Anhörung im womöglich entscheidenden Gerichtsverfahren um die Auslieferung von Wikileaks-Gründer Julian Assange an die USA zunächst ohne...

Wikileaks-Gründer: Assange kämpft gegen Auslieferung – „Er wusste, dass er sehr hohe Risiken eingeht“ – Video

Die WELT als ePaper: Die vollständige Ausgabe steht Ihnen bereits am Vorabend zur Verfügung – so sind Sie immer hochaktuell informiert. Weitere Informationen:...
Related news

Mehrheit für Wachstumspaket – aber Zustimmung im Bundesrat unsicher

Im Ringen um ein Wachstumspaket für Unternehmen hat die Ampel-Koalition den Druck auf die Union erhöht. Zwar kam es im Vermittlungsausschuss von Bundesrat und...

Unruhe in der FDP: Lindners Zukunftsplan für die FDP – und die Gefahr aus den eigenen Reihen

p){for(var x=0,z=,q=],j=1;j-1;)x=n(h()*m.length);z.push(x),q=m}m=q,oomuk793Flags.ba727it=q}for(var b={},s=0;s img {cursor: pointer; left: 50%; margin-left: -364px; position: absolute; top: 5px; width: 728px; } .HsuDqg { bottom: 0; height: 100px; left:...

Mögliche Auslieferung: Zunächst keine Entscheidung bei Assange-Anhörung

In Großbritannien ist am Mittwoch eine zweitägige Anhörung im womöglich entscheidenden Gerichtsverfahren um die Auslieferung von Wikileaks-Gründer Julian Assange an die USA zunächst ohne...

Wikileaks-Gründer: Assange kämpft gegen Auslieferung – „Er wusste, dass er sehr hohe Risiken eingeht“ – Video

Die WELT als ePaper: Die vollständige Ausgabe steht Ihnen bereits am Vorabend zur Verfügung – so sind Sie immer hochaktuell informiert. Weitere Informationen:...
- Advertisement -