Thursday, February 22, 2024

Wiener Burgtheater: Stefan Bachmann folgt auf Martin Kusej – Die Reue des Neuen

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Am Dienstag hat Martin Kusej genug. Als sich andeutet, dass ihm eine Verlängerung als Direktor des Burgtheaters verwehrt wird, zieht er seine Bewerbung offiziell zurück. In einem Statement an die Presse beklagt er fehlendes „uneingeschränktes Vertrauen“. Es sei „eine unsägliche, das Haus schädigende Situation“.

Worauf Kusej anspielte, dürften die öffentlichen Spekulationen darüber gewesen sein, dass man sich in Wien – vor allem von der grünen Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer – unbedingt eine Frau an der Spitze der altehrwürdigen „Burg“ wünsche. Mayer sagt, für sie sei der Prozess immer „ergebnisoffen“ gewesen.

Der in Kärnten geborene Kusej war 2019 vom Münchner Residenztheater gekommen, seine Amtszeit war von den Einschränkungen überschattet, für digitalen Ersatz konnte sich Kusej nicht erwärmen. Selbst Abende wie die deutschsprachige Erstaufführung von Robert Ickes „Die Ärztin“, eine kluge Überschreibung von Arthur Schnitzlers „Professor Bernhardi“, Dostojewskis „Dämonen“ von Johan Simons oder die Uraufführung von Peter Handkes „Zwiegespräch“ konnten nicht verbergen, dass das künstlerische Programm schwer in Fahrt kam. Zudem Kusej als Regisseur wie bereits in seiner Münchner Spätphase keine Impulse mehr zu setzen vermochte.

Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer, der designierte Burgtheater-Direktor Stefan Bachmann und Christian Kircher (Geschäftsführer Bundestheater-Holding) bei der Pressekonferenz zur „Bekanntgabe der neuen Burgtheater-Direktion ab Saison 2024/25“ am 21. Dezember 2022 in Wien

Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer, der designierte Burgtheater-Direktor Stefan Bachmann und Christian Kircher (Geschäftsführer Bundestheater-Holding)
Quelle: picture alliance / EVA MANHART / APA / picturedesk.com

Am Donnerstag um 11 Uhr ist die Nachfolge offiziell. Auf der Pressekonferenz sitzt neben Andrea Mayer mit Stefan Bachmann der derzeitige Intendant des Schauspiels Köln. Er wird ab 2024 das Burgtheater leiten. „Es muss alles dafür getan werden, dass die Menschen die Burg stürmen“, dieser Satz aus der Bewerbung habe sie überzeugt, so Mayer. Außerdem Bachmanns Ausstrahlung, seine Fähigkeit zu Selbstreflexion und Selbstkritik. Ein Hinweis darauf, was ihr bei Kusej gefehlt hat, der „trotz Startvorteil“, wie Mayer betont, nicht überzeugte. Ansonsten das Übliche: Teamplay, Dialog, Diversität, Inklusion, Digitales, Tradition und Erneuerung.

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Weitere Fragen betreffen eine heikle Personalie: Melanie Kretschmann. Die Schauspielerin und Regisseurin ist mit Bachmann verheiratet und war unter ihm in Basel und Köln im Ensemble, was an beiden Häusern zu Problemen führte. 2018 wurden gegen das Paar Mobbing-Vorwürfe erhoben, Mitarbeiter verließen das Kölner Theater. Er habe daraus gelernt, sagt Bachmann. Er wolle ein „lernender Burgtheater-Direktor“ sein. Das Signal ist deutlich: Durch offene und transparente Kommunikation sollen die Probleme der Vergangenheit nicht die der Zukunft werden.

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Das Ende der Exzentrik

Bachmann zeigt sich auf der Pressekonferenz als eloquenter Macher. Gut angepasst, kein Claus Peymann jedenfalls. In Köln hat der 1966 in Zürich Geborene unter erschwerten Bedingungen gearbeitet: Das Haus wird seit seinem Amtsantritt 2013 saniert, er etablierte eine Ausweichspielstätte. Bachmann holte Frank Castorf und Ersan Mondtag, brachte Rainald Goetz, Daniel Kehlmann und Elfriede Jelinek auf die Bühne.

Mit dem Ende der Sanierung geht Bachmann nach Wien, wo er kein Unbekannter ist. Am Burgtheater feierte er ein paar seiner größten Regieerfolge: „Verbrennungen“ von Wajdi Mouawad, „Winterreise“ von Elfriede Jelinek und „Jedermann (stirbt)“ von Ferdinand Schmalz. Zu seinen Ideen für ein Programm will sich Bachmann noch nicht äußern, erst nächstes Jahr. Ab dann wird es auch für ihn darum gehen, ob er länger als eine Amtszeit bleiben kann.

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