Wednesday, July 24, 2024

Gorillas, Flink, Picnic: Der ewige Traum vom profitablen Lieferdienst – WELT

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Der Supermarkt per App: Lieferdienste für Lebensmittel gelten als Zukunftsfeld für den Online-Handel. Doch die Anbieter beschneiden mittlerweile ihre kühnen Pläne für die Ausbreitung in Deutschland. Jetzt steckt auch Knuspr zurück– ein Lieferdienst, der bislang in München und Frankfurt aktiv ist und eigentlich in kurzer Zeit alle großen deutschen Städte abdecken wollte.

Knuspr verschiebt die Eröffnung seines Hamburger Standorts auf unbestimmte Zeit – obwohl das automatisierte Lieferlager nahezu einsatzbereit ist. Der Lieferdienst wolle zunächst die laufenden Verluste an den beiden bestehenden deutschen Standorten senken, bevor der teure Start im Norden in Angriff genommen werde, sagte Knuspr-Chef Erich Comor gegenüber WELT.

Knuspr, hinter dem der tschechische Lieferkonzern Rohlik steht, ist nicht der einzige Anbieter, der bremst. In der gesamten Branche geht es angesichts der krisenbedingten Kapitalklemme darum zu beweisen, dass das jeweilige Geschäftsmodell überhaupt auf absehbare Zeit profitabel werden kann. Denn derzeit kann kein Anbieter damit rechnen, dass das für eine schnelle Expansion nötige frische Risikokapital zu akzeptablen Bedingungen zu bekommen ist.

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Am härtesten trifft es die Schnelllieferdienste, die – anders als Knuspr – unmittelbar nach Bestelleingang ihre Kuriere per E-Bike losschicken. Dieses Modell verbrennt besonders viel Geld. Der Berliner Pionier Gorillas geht daher im weitaus größeren Istanbuler Konkurrenten Getir auf und dürfte in diesem Zuge weitere Mitarbeiter entlassen.

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Der direkte Konkurrent Flink, an dem Rewe beteiligt ist, hat sein Österreich-Geschäft vor wenigen Wochen in die Insolvenz laufen lassen. Laut dem Fachblatt „Lebensmittel Zeitung“ stehen nun bei Flink in Deutschland alle internen Projekte wie der Aufbau einer Eigenmarke auf dem Prüfstand.

Ursprünglich habe Flink für den Herbst eine neue Finanzierungsrunde bei Risikokapitalgebern geplant, diese aber wegen Aussichtslosigkeit ausfallen lassen. Jetzt solle das vorhandene Geld für zwei Jahre reichen – ein Kraftakt, da laut dem Bericht nur 40 von 200 Standorten vor Marketingkosten profitabel seien. Flink hat bislang etwa eine Milliarde Euro Risikokapital eingesammelt.

Knuspr hat das Lager voll automatisiert

Knuspr müsse hingegen keine Jobs streichen, betonte Comor. In Hamburg arbeite bislang nur ein kleines Team, das übergangsweise für die Standorte München und Frankfurt eingesetzt werde beziehungsweise das bereits errichtete Lager auf der Elbinsel Wilhelmsburg warte.

Knuspr hat das Lager voll automatisiert. Mit dem eingesetzten System des norwegischen Logistiktechnikers Autostore sind viele Lagerarbeiter überflüssig. Das soll die Effizienz so weit steigern, dass Knuspr profitabel arbeiten kann.

In München hat der Anbieter sein Lager bereits weitgehend umgerüstet – zunächst nur den ungekühlten Bereich, inzwischen wird ein Autostore auch im Kühllager errichtet. In Frankfurt/Main soll die Automatisierung noch erfolgen.

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Anders als Flink und Gorillas zielt Knuspr auf größere Einkäufe ab, die Familien drei Stunden bis mehrere Tage im Voraus bestellen. Dabei setzt Knuspr auch auf höherwertige Angebote etwa von regionalen Landwirten. Mit dem Konzept soll der Standort München innerhalb des Jahres 2023 profitabel arbeiten, Frankfurt/Main ein halbes Jahr später.

Nötig seien dafür 400 bis 500 Bestellungen je Standort und Tag – eine Marke, die zumindest in München in Greifweite sei. Im Geschäftsjahr bis Ende April will Knuspr in Deutschland auf 100 Millionen Euro Umsatz kommen – überwiegend am Standort München, wo 1000 der rund 1300 Mitarbeiter arbeiten.

Erfolgreicher Lieferdienst auch in einem Hochlohnland?

Deutschland ist zentral für die Strategie der tschechischen Rohlik-Gruppe. Sie will hier zeigen, dass ihr Konzept, das in der Heimat bereits aufgeht, europaweit funktioniert – auch in einem Hochlohnland.

Zudem ist Rohlik nicht zufällig in Frankfurt/Main aktiv: Die Gruppe peilt mittelfristig einen Börsengang in Frankfurt/Main an. „Das ist weiterhin unser Plan. Etwas Konkretes gibt es aber noch nicht“, sagte Comor. Das Börsenklima gilt derzeit nicht als förderlich für Börsengänge – insbesondere nicht bei Geschäftsmodellen, die noch Anlaufverluste produzieren. Bislang hat Rohlik rund 600 Millionen Euro Risikokapital erhalten.

Der Hamburg-Start hatte ursprünglich schon bis Oktober 2022 erfolgen sollen, doch nun ist der anschließend genannte Termin im ersten Quartal 2023 Makulatur. Auch die für Köln, Düsseldorf und Berlin geplanten Eröffnungen stehen in den Sternen.

Die Entscheidung falle erst, wenn Erfahrungen mit Hamburg vorliegen, sagte Comor jetzt. Damit rückt das Ziel, alle größeren deutschen Städte zu beliefern und bald auf einen Milliardenumsatz zu kommen, in weite Ferne.

Lieferdienst nach dem „Milchmann-Prinzip“

Knuspr wird zudem in Deutschland vom bislang betont langsam expandierenden Lieferdienst Picnic überrundet. Die Niederländer beliefern nach einem von ihnen „Milchmann-Prinzip“ getauften Konzept nur zu festen Lieferterminen aus, wollen damit aber besonders effizient und kostengünstig sein.

Edeka ist seit einiger Zeit mit einem Anteil von 20 Prozent als Investor dabei und will mit Picnic gegen den Lieferdienst von Rewe ankommen. In Hamburg, wo Edeka seine Zentrale hat, sind die Pläne besonders ambitioniert: Bis zu 200 Arbeitsplätze sollen im Lager entstehen, insgesamt in der Region bis hinauf nach Kiel 1000. Auch in Frankfurt/Main und Berlin will Picnic loslegen.

Bislang konzentriert sich der Anbieter in Deutschland auf NRW – und dort besonders auf vorstädtische Gebiete. Schon 2020 kam Picnic auf 155 Millionen Euro Umsatz in Deutschland.

„Wir sehen den Picnic-Start in Hamburg nicht als Bedrohung“, spielte Knuspr-Chef Comor den zeitlichen Vorsprung des Konkurrenten herunter. Beide Konzepte bedienten unterschiedliche Zielgruppen. Zudem sei es vorteilhaft, wenn mehrere Anbieter das Bestellen von Lebensmitteln im Netz populär machten.

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