Friday, April 12, 2024

Aldi-Chef im Interview: „Auf dem Aldi-Parkplatz ist alles repräsentiert, vom Fahrrad bis zu teuren Sportwagen“ – WELT

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Bislang gilt Aldi als wenig auskunftsfreudig. Doch der Deutschlandchef von Aldi Süd, Stefan Kopp, will das ändern. Aktuell wollen auch seine Kunden wissen, wie es mit der Inflation weitergeht.

WELT AM SONNTAG: Alles wird teurer. Einen Euro kann man nur einmal ausgeben. Bei steigenden Preisen legen die Kunden sicherlich weniger in den Einkaufswagen.

Stefan Kopp: Für uns gilt diese Rechnung nicht. Wir sehen den Trend hin von herkömmlichen Markenartikeln zu unseren günstigeren Aldi Eigenmarken. Daher kaufen die Leute sogar eher mehr bei uns. Sie verzichten etwa auf den Besuch beim Biomarkt und erledigen ihren Wocheneinkauf in Bioqualität stattdessen bei uns.

WELT AM SONNTAG: Allerdings beklagen die Bauern, dass die großen Händler, allen voran Aldi, sie zu stark unter Preisdruck setzen. Sie sind doch kein glaubwürdiger Bioanbieter.

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Kopp: Wie kommen Sie darauf? Wir bauen unsere Biostrategie kontinuierlich seit 18 Jahren aus und erfüllen selbstredend alle Biostandards. Wir denken sogar weiter: Wir sind in sehr guten Gesprächen mit Naturland und freuen uns, die ersten zertifizierten Produkte von Naturland nächstes Jahr anbieten zu können.

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WELT AM SONNTAG: Heißt das, Sie wollen sich den Schuh nicht anziehen, dass Sie das Lebensmittelsystem mit überzogenem Preisdruck kaputtmachen?

Kopp: Im Gegenteil: Die Beziehung zu unseren Lieferanten sind die besten unter allen Discountern. Das sagen nicht nur wir, sondern auch das Bundeskartellamt. Das passt auch sehr gut zu unseren Werten, die Verantwortung, Verlässlichkeit und Transparenz und Fairness heißen. Es geht nur gemeinsam.

WELT AM SONNTAG: Das geht gegen Rewe und Edeka, die öffentlich mit Markenherstellern wie Coca-Cola und Mars streiten.

Kopp: Ich kann nur über uns sprechen, und ohne philosophisch werden zu wollen: Wir haben herausfordernde Zeiten. Die Gesellschaft muss zusammenhalten. Da bringt es gar nichts, sich gegenseitig zu beschuldigen. Die Lieferanten haben mit uns teilweise seit Jahrzehnten zusammengearbeitet, sind mit uns gewachsen, sind aber auch mal in Vorlage gegangen für uns. Trotzdem bleiben wir natürlich Anwalt unserer Kunden.

WELT AM SONNTAG: Wenn wir Sie so hören, bekommen wir noch das Gefühl, Sie reden über ein Unternehmen mit einem altruistischen Ansatz, Aldi e.V. sozusagen.

Kopp: Sie mögen es nicht glauben, aber wir verzichten von unserer Seite aus dieses Jahr bewusst auf Marge, um Preissteigerungen abzufedern, also günstige Lebensmittel anzubieten, und gleichzeitig die Lieferanten zu unterstützen.

Einkauf im Aldi-Markt: Bei Lieferanten geht die Angst um

Einkauf im Aldi-Markt: Bei Lieferanten geht die Angst um
Quelle: pa/SvenSimon/Frank Hoermann/SVEN SIMON

WELT AM SONNTAG: Können Sie das beziffern?

Kopp: Konkrete Zahlen will ich nicht öffentlich nennen, aber es ist signifikant. Wenn es Kostensteigerungen gibt, machen wir uns echt Gedanken, wie wir das für die Kunden so gering wie möglich halten können. Dabei wollen wir die Existenz unserer Lieferanten nicht gefährden.

WELT AM SONNTAG: Nicht jeder Mittelständler nimmt Ihnen das ab. Derzeit geht die Angst um, weil Ihr Konkurrent Lidl einen Nudelhersteller übernommen hat. Ihre Schwester Aldi Nord kauft einen Mineralbrunnen. Will der Handel selbst zum Produzenten werden?

Kopp: Das ist nicht unsere Strategie. Wir sehen unser Kerngeschäft als Händler, und wir machen das, was wir seit Jahrzehnten gut können, weiter. Wir geben den Produzenten langfristige, verlässliche Verträge. Es gibt sehr große Vorteile, mit uns zusammenzuarbeiten.

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WELT AM SONNTAG: Einer davon ist: Aldi Süd ist längst international unterwegs – von Australien bis in die USA.

Kopp: Ja, ich war ja selbst einige Jahre für Aldi Süd in Australien. Es war toll zu sehen, wie dankbar die Kunden dort waren. Sie kannten ja vorher nur zwei große Supermarktketten mit viel höheren Preisen. Solche Erfahrungen motivieren mich, auch nach 32 Berufsjahren.

WELT AM SONNTAG: Was lernen Sie als Deutschlandchef in den anderen Ländern?

Kopp: Im Moment sammeln wir im Ausland Erfahrung mit der Lieferung von Lebensmitteln per App. In den USA, England und der Schweiz laufen Tests. Vielleicht bringen wir auch einen Test nach Deutschland.

WELT AM SONNTAG: Wann könnte es losgehen?

Kopp: Es ist noch nichts beschlossen. Lassen Sie uns nächstes Jahr noch mal zu Tests sprechen.

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WELT AM SONNTAG: Würden Sie einen Partner suchen?

Kopp: Sie kennen uns ja: Wir haben gern die Kontrolle – wie bei den Eigenmarken. Das ist etwas mehr Arbeit, aber dafür haben wir die Qualität selbst in der Hand.

WELT AM SONNTAG: Das heißt: Sie würden einen Lieferdienst selbst neu aufbauen?

Kopp: Das ist nur eine von vielen Möglichkeiten.

WELT AM SONNTAG: Was können wir noch erwarten? Läden ohne Kassierer?

Kopp: Auch das testen wir im Ausland. Aber lassen Sie mich ganz klar sagen: Unsere Mitarbeiter, besonders in Filiale und Logistik, werden immer das Herzstück bleiben. Technologie ist immer nur eine Ergänzung.

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WELT AM SONNTAG: Was noch? Lieferdrohnen, virtuelle Läden im Metaversum?

Kopp: Wir sind bodenständig. Daher fallen mir eher elektronische Preisschilder ein. Gerade in diesen Zeiten mit vielen Preisänderungen bringt uns das mehr Effizienz.

WELT AM SONNTAG: Allerdings verschwindet damit wieder ein Stück Aldi-Kult. Dazu gehört die Legende, dass bis zur Einführung von Scanner-Kassen jede Kassiererin sämtliche Produkt-Codes auswendig lernen musste …

Kopp: Also, ich kenne aus meiner Anfangszeit bei Aldi Süd die sogenannten PLU-Nummern auch noch – und die 800 Preise, die ich auswendig lernen durfte innerhalb von drei Tagen. Die Zeiten sind vorbei, und das ist gut so.

WELT AM SONNTAG: Bevor Sie in der Inflationszeit Kunden gewonnen haben, hat der Discount in Deutschland Marktanteile an Edeka und Rewe verloren. Ist diese Schwächephase schon vorbei – oder nur überdeckt?

Kopp: Durch die Inflation kommen mehr Kunden zu uns. Doch vorher hat uns Corona geschadet, weil die Menschen im Shutdown das Einkaufserlebnis der Supermärkte bevorzugt haben. Solche externen Faktoren wird es immer wieder geben, aber sie spielen langfristig keine Rolle. Für uns in Deutschland war in den vergangenen Jahren wichtig, dass wir uns besser strukturieren. Wir mussten die Filialen auf einen ordentlichen Stand mit einer guten Einkaufsatmosphäre bringen – und ein Sortiment, das fokussiert ist, aber relevant. Deshalb haben wir nun mehrere Hundert Bio-, vegane und regionale Produkte.

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WELT AM SONNTAG: Kommen die veganen oder Bioanhänger wirklich ausgerechnet zu Aldi Süd?

Kopp: Natürlich, mehr denn je, denn unsere Kunden sind ein Querschnitt der deutschen Bevölkerung – völlig divers. Auf dem Aldi-Parkplatz ist alles repräsentiert, vom Fahrrad bis zu teuren Sportwagen.

WELT AM SONNTAG: Der Grüne Landwirtschaftsminister Cem Özdemir möchte sein Tierwohlprogramm über eine Fleischumlage oder eine höhere Mehrwertsteuer auf Fleisch finanzieren. Gehen Sie da mit?

Kopp: Mehr Tierwohl, das geht nur gemeinsam. Die Kunden, unsere Lieferanten und auch wir brauchen endlich Klarheit. Dazu sind wir in sehr guten Gesprächen mit dem Ministerium. Wir erhoffen uns für das kommende Jahr eine verlässliche und tragbare Lösung.

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