Wednesday, April 24, 2024

Kaffee, Tee, Gewürze: Berliner Firma handelt mit Ukraine und Co. – WELT

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„Jeder andere würde die Finger davonlassen – wir tun es trotzdem.“ Salem El-Mogaddedi betreibt Handel in Ländern wie Afghanistan, Myanmar und der Ukraine. Länder, die politisch äußerst instabil sind und in denen Menschen unter Unterdrückung und Krieg leiden.

El-Mogaddedi und sein Co-Gründer Gernot Würtenberger machen dennoch Geschäfte dort. „Wir wollen der Zivilbevölkerung einen Markt eröffnen, der ihnen sonst verwehrt bleiben würde“, sagt El-Mogaddedi im Gespräch mit „Gründerszene“.

Ihre Berliner Firma Conflictfood importiert Gewürze, Tee und Kaffee aus Konfliktregionen. Hierfür arbeitet das Gründerduo mit der deutschen Gesellschaft für Entwicklungszusammenarbeit (GIZ) und auch Nichtregierungsorganisationen zusammen, wie etwa dem britischen Netzwerk Hand in Hand International.

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Die NGO unterstützt Menschen aus Krisengebieten dabei, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln, um sich ein eigenes Standbein aufzubauen. Das kann unter anderem die Bewirtschaftung von Feldern sein. Conflictfood kauft die Ware der Landwirte anschließend auf. „Wir bringen deren Ernte auf den europäischen Markt“, so erklärt es Würtenberger.

Die Produkte landen am Ende in Fachgeschäften für fairen Handel, Unverpacktläden, in den Regalen des Einzelhandelsunternehmens Manufactum sowie im Onlineshop des Berliner Start-ups. Ein klassisches Geschäftsmodell, das von Margen im Einzelhandel lebt. Wie viel Conflictfood damit umsetzt, wollen die Gründer aber nicht sagen.

Das Gründerduo bezieht etwa Kaffee aus Myanmar. Seit einem Militärputsch vor zwei Jahren versinkt das Land in Chaos und Gewalt. Kritiker des aktuell herrschenden Militärregimes fürchten harte Strafen, sogar Todesurteile.

Das Gründerduo besucht die Produzenten im Ausland regelmäßig. Hier sind sie zu Gast in Myanmar

Das Gründerduo besucht die Produzenten im Ausland regelmäßig. Hier sind sie zu Gast in Myanmar
Quelle: Conflictfood

So auch die Kaffeeproduzenten, mit denen das Gründerduo von Conflictfood zusammenarbeitet. „Unsere lokalen Partner befinden sich aufgrund der Bedrohung nicht mehr im Land. Sie mussten fliehen“, erzählt El-Mogaddedi.

Auswirkungen auf die Lieferung habe das erst einmal nicht. Den Gründern zufolge werden die Plantagen weiterhin von Mitarbeitenden bewirtschaftet.

Doch die Lage vor Ort bleibt instabil. Wann die Betreiber dieser Plantage zurückkehren können, wissen die beiden Gründer nicht.

Conflictfood holte ersten Safran aus Afghanistan

Wie kommt man auf die Idee, eine Firma zu gründen, die explizit Handel in konfliktbehafteten Ländern betreibt? Die Antwort: eine dreiwöchige Reise nach Afghanistan. 2015 besuchte das Gründerduo dort Kinderheime und andere Projekte.

Würtenberger arbeitete damals als Architekt in Berlin und Wien – und war obendrein noch Fotograf. Sein Co-Gründer El-Mogaddedi war im Bereich Events und Fashion tätig. Sein Vater, der in der humanitären Hilfe arbeitete, begleitete die beiden.

Eines Tages besuchten sie eine Gruppe von Frauen, die nicht wie alle anderen Landwirte das rentable Opium, sondern Safran anbaute. Opium ist die Grundlage für das Rauschgift Heroin. Mit der Umstellung auf Safran fanden sie einen Ausweg aus der illegalen Opiumwirtschaft.

„Ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich darüber nachdenke“, erzählt Würtenberger. Das Gründerduo kaufte den Frauen einige Kilos Safran ab, um es in Deutschland weiterzuverkaufen. Die Idee für Conflictfood war geboren.

Conflictfood bezieht Tee aus der Ukraine

Nach Afghanistan nahmen die Gründer Zulieferer aus weiteren, krisengebeutelten Ländern in ihr Portfolio auf. Mittlerweile bestellen Würtenberger und El-Mogaddedi Tee aus Myanmar, Freekeh, ein spezielles Korn, aus Palästina, Pfeffer aus Kambodscha und ganz neu: Kräutertee aus der Ukraine. Denn seit März dieses Jahres herrscht dort Krieg.

Ein Päckchen, also 50 Gramm Tee aus dem Land kostet im Onlineshop 12,50 Euro. Das Anbaugebiet liegt in den Karpaten, einer Region im Westen der Ukraine, die bisher von Luftanschlägen eher verschont geblieben ist.

Viel Arbeit und Ressourcen fließen vorwiegend in die Zusammenarbeit mit den Produzenten vor Ort. „Das kann ganz schön herausfordernd sein. Häufig wissen unsere Partner gar nicht, wie sie ihre Ware exportfähig machen. Dabei unterstützen wir sie“, so Würtenberger.

Das Gründerduo besuche seine Partner häufig im Ausland. Zuletzt waren die beiden in der Ukraine und in Mosambik. Aus Mosambik wollen die Gründer künftig Meersalz bestellen. Der Staat im Süden Afrikas ist eines der ärmsten Länder der Welt. Bewaffnete Konflikte und Korruption erschweren das Leben vor Ort.

Jede Reise muss gründlich recherchiert werden

Für das nächste Jahr planen die beiden, trotz der Taliban-Herrschaft Afghanistan zu besuchen, um die Safran-Produktion auf biologischen Anbau umzustellen. Im Voraus jeder Reise informiere sich das Gründerduo über die Lage im Land, spreche mit Leuten, die vor Ort sind, zum Beispiel auch mit Journalisten. „Wir versuchen herauszufinden, in welchen Regionen es gefährlich ist und wo nicht“, so Würtenberger.

Ob sie gelegentlich auch Angst haben? Im Gespräch zeigen sich die beiden gelassen, wenn es etwa um ihre Reise in den Mittleren Osten geht. „Die Taliban sind ja schon seit Jahrzehnten im Land. Nur waren sie bisher noch nicht an der Macht“, so El-Mogaddedi. Zudem sei es im Interesse der Taliban, weiterhin ins Ausland zu exportieren, ergänzt Würtenberger.

Investoren sind hingegen nicht so pragmatisch. „Jede Bank und jeder Investor findet unser Geschäft zu waghalsig“, so Würtenbeger. „Die erste Frage, die uns jeder Investor stellt, ist: ,Was macht ihr, wenn Krieg ausbricht und Handelsketten zusammenbrechen?‘ Mich langweilt diese Frage mittlerweile schon.“

Diese Frauen in Afghanistan ernten Safran. Conflictfood kauft ihnen einen Teil der Ernte ab

Diese Frauen in Afghanistan ernten Safran. Conflictfood kauft ihnen einen Teil der Ernte ab
Quelle: Conflictfood

Der Berliner Gründer hat zu dem Thema eine starke Meinung: „Der Handel mit Ländern wie China ist genauso riskant.“ Der Gründer verweist dabei auf die vielen Probleme im Warenverkehr infolge der Corona-Pandemie.

Zurzeit mache den Gründern hauptsächlich die schlechte wirtschaftliche Lage hierzulande Sorgen. „Wir merken stark, dass die Kaufbereitschaft für nachhaltige Produkte sinkt und Kunden jeden Euro dreimal umdrehen“, so Würtenberger. El-Mogaddedi regt sich darüber auf: „Das ist so absurd. Auf der einen Seite finden Leute Nachhaltigkeit und soziales Unternehmertum toll, aber dann kaufen sie bei Firmen wie Amazon, Aldi oder Lidl ein und helfen ihnen dabei, ihre Gewinne zu verdoppeln. So kann es keine gesellschaftliche Veränderung geben.“

Gesellschaftliche Veränderung wollen Würtenberger und El-Mogaddedi mit der Firma Conflictfood auf ihre ganz eigene Art und Weise vorantreiben. So enthält jedes Paket Kaffee, Gewürz oder Tee auch Infomaterial über das Land, den Menschen und den Anbaubedingungen vor Ort.

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Dieser Text stammt aus einer Kooperation mit dem Magazin “Gründerszene”. Klicken Sie auf die Links, verlassen Sie welt.de und landen in den Artikeln bei gruenderszene.de.
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