Tuesday, April 23, 2024

Argentinien ist Weltmeister. Epochales WM-Finale: ein Wahnsinn in fünf Akten

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75 Minuten lang schien dieses Endspiel der 22. Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Argentinien und Frankreich eher nüchtern zu Ende zu gehen. Lionel Messi und die Seinen führten zu jenem Zeitpunkt durch einen verwandelten Foulelfmeter des Fußball-Gottes (23.) und ein wunderbares Kontertor von Angel di Maria (36.) mit 2:0. Doch weil der Titelverteidiger bis dato nur nominell am Spiel teilgenommen und so gut wie keinen Angriff gefahren hatte, war die Sache relativ deutlich. Da würde nichts mehr schiefgehen oder anbrennen, dachten vermutlich selbst die französischen Anhänger unter den 88.966 Zuschauern in der Lusail-Arena von Doha. „Eigentlich hatten wir es unter Kontrolle“, fand auch der argentinische Keeper Emiliano Martinez. Doch es folgte eine knappe Stunde, die es in dieser Form noch nie in einem WM-Finale gegeben hatte.

Angel Di Maria trifft zum 2:0

Angel Di Maria trifft zum 2:0
Quelle: AP/Petr David Josek

Nach dem ersten Akt, der von seiner Eindeutigkeit und Langeweile an das vergangene Endspiel erinnerte, als die Franzosen tapfer kämpfende Kroaten beherrscht und 4:2 besiegt hatten, folgte die erste Volte. Und zwar in Form eines Fouls. Argentiniens Abwehrboss Nicolas Otamendi ging etwas zu robust gegen Randal Kolo Muani zu Werke, und weil sich die ganze Sache im Strafraum abspielte, gab es Elfmeter für das Team von Trainer Didier Deschamps. Superstar Kylian Mbappé traf sicher links unten (80.). Es war die erste gelungene Aktion des Mannes von Paris Saint-Germain, der bis dato völlig abgetaucht war. Und es war so etwas wie ein Hallo-Wach-Effekt für seine Mannschaft. Zwei Minuten nach dem Anschlusstor traf der 23-jährige Wunderjunge der Franzosen per herrlicher Volleyabnahme. Das Spiel war binnen 120 Sekunden komplett auf den Kopf gestellt – Akt zwei des beeindruckenden Abends in Doha.

Hattrick und versenkter Elfmeter: Kylian Mbappé zeigt eine überragende Leistung, ist am Ende aber doch nur Zweiter

Hattrick und versenkter Elfmeter: Kylian Mbappé zeigt eine überragende Leistung, ist am Ende aber doch nur Zweiter
Quelle: AP/Thanassis Stavrakis

Frankreich suchte nun die Entscheidung in der regulären Spielzeit, doch Adrien Rabiot scheiterte mit der letzten Chance am stark reagierenden Keeper Emiliano Martinez. Es folgte die Verlängerung, mit der eine Viertelstunde zuvor niemals mehr zu rechnen gewesen war.

Epochaler Schlagabtausch in der Verlängerung

Und dort gab es die Akte drei und vier des Wahnsinns in einem epochalen Schlagabtausch zu sehen. Zunächst traf Messi – wer auch sonst? – per Abstauber nach einem schön vorgetragenen Angriff (109.). Der Jubel vor der argentinischen Fankurve hatte schon etwas von vorweggenommenen Weltmeister-Party. Doch an diesem Abend war ja auch der Klubkollege von Messi aufgewacht. Mbappé jedenfalls schoss nach einer Ecke scharf aufs Tor – und an den Arm von Gonzalo Montiel. Es gab den dritten Elfmeter dieses Endspiels, und es sollte nicht der letzte bleiben. Frankreichs Linksaußen nahm sich der Sache selbst an: 3:3 (118.).

Messi trifft in der Verlängerung zum 3:2. Aber Frankreich schlägt noch mal zurück

Messi trifft in der Verlängerung zum 3:2. Aber Frankreich schlägt noch mal zurück
Quelle: Getty Images/Buda Mendes

Zwei Tore Messi, drei Tore Mbappé, doch damit nicht genug. Kolo Muani musste hernach für sein Team zur ersten Führung an diesem Abend treffen, doch beim Flachschuss aus zwölf Metern war erneut Martinez auf seinem Posten (120.+3). Und im direkten Gegenzug war es Lautaro Martinez, der den Siegtreffer vergab. Aus sechs Metern köpfte der argentinische Stürmer weit am Tor vorbei. Mehr Unvermögen als Pech.

Randal Kolo Muani (r.) scheitert in der 120. Minute an Martinez

Randal Kolo Muani (r.) scheitert in der 120. Minute an Martinez
Quelle: REUTERS

Der letzte Akt dieses Schauspiels sollte dann in der härtesten Entscheidung überhaupt folgen: dem Elfmeterschießen. Und hier erwiesen sich die Südamerikaner als cleverer und abgezockter: Zwar traf Mbappé mit seinem vierten Tor an diesem Abend zur Führung, aber Messi glich fast schon cool und locker aus. Bayerns Kingsley Coman war der nächste – und er vergab. Beim zögerlichen Anlauf erinnerte er ein bisschen an Uli Stielike, der im damaligen WM-Halbfinale 1982 zwischen Deutschland und Frankreich ebenso schwach abgeschlossen hatte. Paulo Dybala zeigte hernach, wie es geht, 2:1 für Argentinien.

Martinez pariert den Elfmeter von Coman

Martinez pariert den Elfmeter von Coman
Quelle: REUTERS

Und nun folgte vielleicht die entscheidende Szene in den Duellen Schütze gegen Torwart: Denn Martinez schnappte sich den Ball, hielt ihn aufreizend lang in der Hand, um ihm nicht dem Schützen zu übergeben, sondern fünf sechs Meter neben den heranlaufenden Aurelien Tchouameni zu werfen. Nicht der feine Art. Aber aus seiner Sicht heiligte der Zweck eben die Mittel: Jedenfalls schoss der französische Mittelfelfspieler neben das Tor. Unfassbarer Jubel im Block der Argentinier, die unmittelbar hinter dem Kasten saßen, nein, standen. Ohne Nerven verwandelten dann Leandro Paredes zum 3:1 und Kolo Muani zum 3:2. Und so war es an Gonzalo Montiel, diesen Abend mit seinem links unten verwandelten Elfmeter zu beenden: 4:2 für Argentinien. Der dritte WM-Titel nach 1978 und 1986. Und Messi endlich ganz oben.

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Emiliano Martinez

„Wir haben unglaublich gelitten“, fasste Keeper Martinez dieses unfassbare Spiel später zusammen. „Gott sei Dank haben wir es doch noch geschafft. Es war ein unglaubliches Finale, das hätte ich mir nicht erträumt.“ Und sein Gegenüber Hugo Lloris meinte: „Leider haben wir in diesem Finale nur reagiert. Es war fast wie ein Boxkampf. Das Einzige, was wir uns vorwerfen müssen, ist, dass wir die erste Halbzeit komplett verpennt haben. Trotzdem haben wir nicht nachgelassen und bis zum Schluss daran geglaubt. Es ist immer grausam, auf der falschen Seite zu stehen, aber wir haben bei diesem Turnier von Anfang bis Ende alles gegeben.“

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Gesundes Altern

Von seiner Intensität und den Wendungen her muss man lange zurückgehen, um ähnliche Partien im Archiv zu finden. Das Halbfinale der WM 1970 zwischen Italien und Deutschland kommt da vielleicht ran. Im sogenannten Jahrhundertspiel wechselten die Führungen gar noch öfter: 1:0 für Italien, 1:1, 1:2, 2:2, 3:2, 3:3 und schließlich 4:3 für Italien. Seit dem 18. Dezember und dem Endspiel von Doha gibt es den legitimen Nachfolger.

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