Wednesday, April 24, 2024

Darts-WM: Weshalb der selbst ernannte Geheimfavorit an Weihnachten als Feuerwehrmann arbeitet

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Er hatte soeben den ersten gesetzten Spieler bei der Darts-Weltmeisterschaft aus dem Turnier geworfen. Ein schnelles Interview noch, dann musste sich Alan Soutar auch schon wieder auf den Weg Richtung Norden machen. Der 44-Jährige Schotte schiebt ab Sonntag in der Heimat wieder Dienst. Bevor er nach seinem 3:0 gegen den an Position 24 gesetzten Nordiren Daryl Gurney wieder in den Alexandra Palace zu seinem Drittrundenmatch zurückkehrt, wartet der Alltag. Soutar ist Feuerwehrmann. Und daran wird sich auch nach den jüngsten Erfolgen nichts ändern.

Seit zwei Jahren spielt er auf der Profitour der Professional Darts Corporation (PDC). Der Rechtshänder hat sich seitdem stetig verbessert. Vor einem Jahr schaffte er es bei der Weltmeisterschaft etwas glücklich ins Achtelfinale. Beim Grand Slam of Darts war er vor einem Monat nach starken Leistungen sogar bis ins Viertelfinale vorgestoßen. Dass der Schotte bei der Darts-WM nun verantwortlich für das erste Aus eines gesetzten Spielers ist, kann niemanden mehr verwundern.

Soutar selbst, als Nummer 36 der Order of Merit ins Turnier gegangen, setzte sich nach seinem 3:0-Auftaktsieg gegen Mal Cuming sogar kurzerhand auf die Liste der Titelkandidaten: „Ich will das hier gewinnen.“ Die 92,29 Punkte im Average und eine Doppel-Quote von 47,4 Prozent waren da gegen Gurney schon mal eine gute Weiterentwicklung. Vor allem aber bewies der Schotte in den entscheidenden Situationen des Matches seine Nervenstärke. „Er hat mir die Chancen gegeben und mich immer wieder hereingelassen. Er ist ein deutlich besserer Spieler, aber heute war mein Tag. Ich gewöhne mich langsam an die großen Bühnen“, sagte er.

Enge Sache: Daryl Gurney (rechts) und Alan Soutar gingen in allen drei Sätzen über fünf Legs

Enge Sache: Daryl Gurney (rechts) und Alan Soutar gingen in allen drei Sätzen über fünf Legs
Quelle: Getty Images/Luke Walker

Offensichtlich war das vor allem im zweiten und dritten Satz geworden. Gegen das drohende 0:2 im zweiten Durchgang checkte er 110 Punkte und wiederholte das Highfinish auch in seinem folgenden Anwurf-Leg beim Stand von 1:2. So wehrt man Aufschlagverluste ab.

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Soutar entschied alle drei Sätze mit 3:2 und setzte im letzten ein ganz dickes Ausrufezeichen. Als Gurney bei 2:2 und 40 Punkten Rest bereitstand, um noch einmal den Anschluss zu schaffen, checkte Soutar 160 Punkte zum Sieg – das bislang höchste Finish dieser WM. Qualitäten, die auch in der dritten Runde zum Weiterkommen reichen könnten. Nach den Weihnachtsfeiertagen trifft er auf den Niederländer Danny Noppert, Ritchie Edhouse aus England oder den kanadischen Außenseiter David Cameron.

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Gesundes Altern

Dass Soutar, der noch ohne Satzverlust blieb, anders als Gurney oder auch Noppert nicht unter professionellen Bedingungen seiner Leidenschaft nachgeht, verleiht der Erfolgsgeschichte eine ganz besondere Note. Bis zu seiner Rückkehr nach London hat er Dienst, auch über die Feiertage. Ihr Weihnachtsessen hätten seine Frau und er bereits am 16. Dezember in London vorgezogen. „Ja, ich arbeite an den Weihnachtstagen, aber das ist mein Job“, sagt er und zuckt mit den Schultern.

Um seiner Leidenschaft nachgehen zu können, opfert er seine Freizeit. „Ich habe gern viel zu tun“, sagte Soutar nach seinem Sieg und zuckte mit den Schultern. Opfer zu bringen, bereite ihm keine Probleme, wenngleich die Weihnachtsfeier mit den Kollegen diesmal ausfallen musste. Als sich die Feuerwehrmänner seiner Wache am Freitag trafen, stand er auf der Bühne im Alexandra Palace und spielte um die Teilnahme an der zweiten Runde.

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Was Profis raten

Beenden will er die Doppelbelastung nicht, auch wenn er mittlerweile sehr gut vom Dartsport leben könnte. Mit den für das Erreichen der dritten Runde ausgeschriebenen 25.000 Pfund hat er sein Preisgeldkonto aus den ersten 24 Monaten auf der Tour auf 151.500 Pfund erhöht. Doch der 44-Jährige denkt weiter. Um Rentenansprüche geltend machen zu können, will der ehemalige Soldat vorerst Feuerwehrmann bleiben. Dass er auch ohne Profitum Erfolg haben kann, beweist er in diesen Tagen einmal mehr: „Das ist es doch, worum es im Darts geht: Leute wie ich haben die Chance, hier oben ihren Moment zu haben.“ Und wer weiß, wie viele da in den kommenden Tagen noch folgen. Schließlich will er ja Weltmeister werden.

Darts-WM, Ergebnisse am 17.12.

1. Runde:

Martin Lukeman (ENG) – Nobuhiro Yamamoto (JPN) 3:0 (3:0; 3:1; 3:2)

Simon Whitlock (AUS) – Christian Perez (PHI) 3:2 (3:0; 2:3; 3:2; 0:3; 3:1)

Adam Gawlas (POL) – Richie Burnett (WAL) 3:2 (3:0; 0:3; 1:3; 3:1; 3:1)

2. Runde:

Daryl Gurney (NIR/24) – Alan Soutar (SCO) 0:3 (2:3; 2:3; 2:3)

1. Runde (ab 21 Uhr):

Ryan Meikle (ENG) – Lisa Ashton (ENG)

Cameron Menzies (SCO) – Diogo Portela (BRA)

Josh Rock (NIR) – Jose Justicia (ESP)

2. Runde:

Dimitri van den Bergh (BEL/15) – Lourence Ilagan (PHI)

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